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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Benedicamus Domino - Benedikt (Päpste)

Prusse" (Par. 1871) zu widerlegen. Nach dem Sturze der kaiserl. Regierung ging B., der von Napoleon III. 1869 in den Grafenstand erhoben worden war, nach Italien, wo er seitdem als Privatmann lebt.

Benedicamus Domino (lat., "laßt uns preisen den Herrn"), eine Formel im kath. Gottesdienst, die namentlich am Schluß der Messe an den Tagen, an welchen das Gloria nicht gesungen wird, an Stelle des: "ite, missa est" (s. d.) gebraucht wird.

Benedicite (lat., "sprecht den Segen"), Aufruf zum Tischgebet in den Klöstern; auch der Gesang der drei Männer im Feuerofen (Dan. 3,21), der als Canticum trium puerorum in das Brevier aufgenommen ist.

Benedict, s. Benedikt.

Benedict, Sir Julius, Pianist, Komponist und Dirigent, geb. 27. Nov. 1804 zu Stuttgart, Schüler von N. Hummel und K. M. von Weber, wurde 1824 Musikdirektor am Kärntnerthortheater in Wien und folgte 1825 einem Rufe nach Neapel als Kapellmeister an den Theatern San Carlo und Del Fondo. Hier brachte er 1827 seine erste Oper "Ernesto e Giacenta" zur Aufführung, bereiste Italien, Deutschland und Frankreich als Klavierspieler und ging 1835 nach London, wo er, von der Malibran eingeführt, als Klaviervirtuos wie als Komponist und Musiklehrer auftrat und sich bleibend niederließ. Er wirkte hier als Kapellmeister an der ital. und engl. Oper, dirigierte seit 1845 Musikfeste in verschiedenen Städten Englands, leitete seit 1856 die Vocal Association und begründete 1860 die Monday-Popular-Konzerte. Später war er Kapellmeister des Covent-Garden und 1876-80 Dirigent der Philharmonischen Gesellschaft in Liverpool. Die Königin Victoria verlieh ihm 1870 die Ritterwürde. Er starb 5. Juni 1885 in London. Als Pianist entwickelte B. Neben einer durchgebildeten Technik Feuer und Ausdruck. Als Komponist ist ihm manches gelungen; außer drei ital. schrieb er die engl. Opern "The gipsy's warning" (1838), "The brides of Venice" (1844), "The crusaders" ("Der Alte vom Berge", 1846), "Undine" (1860), "The Lily of Killarney" (1861), "Richard Coeur-de-Lion" (1863), "The bride of song" (1865); außerdem die Kantaten "Undine" (1860), "Richard Löwenherz" (1863) und "St. Cäcilia" (1866), das Oratorium "St. Peter" (1870), zwei Sinfonien, verschiedene Konzert-Ouverturen, Klaviersachen, Lieder u. s. w.

Benedectionale oder Benedictionarĭum, ein Buch, worin die in der kath. Kirche üblichen Benediktionen (Segnungen, Weihungen) zusammengestellt sind, die großenteils auch im Rituale (Agende) stehen.

Benedictis, Jacobus de, s. Jacopone von Todi.

Benedictsson, Victoria Maria, geborene Bruzelius, schwed. Schriftstellerin, als solche bekannt unter dem Namen Ernst Ahlgren, geb. 6. März 1850 auf Domme bei Trelleborg (Schonen), heiratete 1871 Christian B., Postmeister in Hörby, wo sie seitdem wohnte. Durch inneres und äußeres Leiden gebrochen, machte sie 22. Juli 1888 in Kopenhagen ihrem Leben ein Ende. Mit der Novellensammlung "Från Skåne" (Stockh. 1884), der erzählenden, scharf satir. Studie "Penningar" ("Geld", ebd. 1885; 2. Aufl. 1889), dem Roman "Fru Marianne" (ebd. 1887; 2. Aufl. 1890), mit den Sammlungen "Folklif och små berättelser" (ebd. 1887) und "Berättelser och utkast" (ebd. 1888) errang Victoria B. schnell wohlverdienten Ruhm. Weniger bedeutend sind die (zum Teil in Stockholm aufgeführten) Dramen "l telefon" (1887), "Romeos Julia" (1888), "Final" (1885, mit A. Lundegård) und "Pyramus och Thisbe", vollendet nach B.s Tode von Lundegård mit dem sie noch "Modern" (Stockh. 1888) veröffentlichte. Aus ihren nachgelassenen Papieren erschien "Efterskörd" (ebd. 1890). Ihr einfacher Stil, ihre treffliche Charakterzeichnung, ihre lebendige Situationsmalerei machte B. zur hervorragendsten unter den jüngern schwed. Schriftstellerinnen. - Vgl. Ellen Key, Ernst Ahlgren (Stockh. 1889); V. B. En sjelfiografi, ur bref och anteckningar (hg. von A. Lundegård, ebd. 1890).

Benedictus (lat., "gebenedeit"), der Lobgesang des Zacharias (Canticum Zachariae, Luk. 1,68-79), in der kath. Kirche täglich im Breviergebete gebetet und an Festtagen im Chore gesungen.

Benedikt (d. h. der Gebenedeite, Gesegnete), der Name von 15 Päpsten:

B. I. (574-578) war bemüht, die durch die Einfälle der Langobarden veranlaßte Not zu mildern.

B. II. (683-685), ein geborener Römer, wurde erst ein Jahr nach seiner Wahl vom Kaiser bestätigt, erhielt vom Kaiser Konstantin Pogonatas das Zugeständnis, daß der röm. Bischof gleich nach der Wahl konsekriert werden dürfe, ehe die kaiserl. Bestätigung eingetroffen sei. Die röm. Kirche zählt ihn zu den Heiligen.

B. III. regierte 855-858; unter ihm bildete sich in England durch König Ethelwulf die Sitte, den Päpsten den Peterspfennig (s. d.) zu geben.

B. IV. (900-903) krönte den König Ludwig von Niederburgund zum röm. Kaiser (Ludwig III.).

B. V., 964 von den Römern gewählt als Gegenpapst Leos VIII., wurde von Otto I. abgesetzt und nach Hamburg verwiesen, wo er 966 starb.

B. VI., von Otto I. 972 anerkannt, ward vom Usurpator Crescentius (s. d.) 974 im Kerker erdrosselt.

B. VII. (974-983), von der kaiserl. Partei nach der Flucht Bonifacius' VII. zum Papst gewählt, war ein eifriger Förderer der sog. cluniacensischen Reform und erließ 981 auf einem Konzil zu Rom Gesetze gegen die Simonie.

B. VIII. (1012-24), Sohn des Grafen von Tusculum, wurde von seiner Familie auf den päpstl. Stuhl erhoben und von Kaiser Heinrich II. anerkannt, während die Partei des Crescentius (s. d.) den Römer Gregor wählte. 1014 krönte er Heinrich II., entriß Sardinien und Unteritalien den Arabern und Griechen und wirkte auf mehrern Synoden für die Reformation der Kirche im Geiste Clugnys. Er starb 7. April 1024.

B. IX., vorher Theophylact, Neffe des vorigen, als zehnjähriqer Knabe von der tusculanischen Partei 1033 zum Papst gemacht, wurde 1038 wegen sittenlosen Lebens vom Volke vertrieben, durch Konrad II. wieder eingesetzt, 1044 durch den Gegenpapst Sylvester III. förmlich abgesetzt, nach 3 Monaten aber durch Geld wieder als Papst angenommen. Er verkaufte hierauf seine Würde an den röm. Erzpriester Johannes Gratianus (als Papst Gregor VI.), blieb aber trotzdem Papst. Zugleich mit Sylvester und Gregor durch Kaiser Heinrich III. auf der Synode zu Sutri 1046 abgesetzt, gelangte er 1047 durch Geld abermals auf den päpstl. Stuhl, bis er 1048 durch Leo IX. beseitigt wurde und auf seine Burg Tusculum zurückkehrte, wo er um 1055 starb.

B. X., vorher Kardinalbischof Johannes von Velletri, durch Bestechung der toscan. Partei 1058 Papst, mußte nach 9 Monaten dem Einflüsse der Synode zu Siena und namentlich Hildebrands (des spätern Gregor VII.) weichen.