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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Benediktiner (Kräuterliqueur) - Benedix

Arbeit vor. Bald widmeten sich die B. auch der Seelsorge und, namentlich infolge der Anregung des Cassiodorus (538), dem Studium und Unterricht. Von der Mitte des 6. Jahrh. bis tief ins Mittelalter war der Orden der B. der einzige bedeutende Orden des Abendlandes. Durch den von Papst Gregor I., der selbst dem Orden angehörte, 597 nach England gesandten Augustinus erhielt er dort eine weite Verbreitung, durch Bonifacius und andere engl. Missionare auch in Deutschland (Reichenau, Fulda, Hersfeld, St. Gallen u. s. w.). Die B. haben sich um die Verbreitung des Christentums und der Kultur und um die Wissenschaft, auch um die Erhaltung der Schätze des klassischen Altertums große Verdienste erworben. Der zunehmende Reichtum und der schon von den Karolingern geübte Brauch, die Abtswürde an Laien (Kommendataräbte) zu vergeben, führten einen Verfall herbei, dem die Reformen des Benedikt (s. d.) von Aniane, Berno von Cluny, Wilhelm von Hirschau u. a. zu steuern suchten.

Der Benediktinerorden unterscheidet sich von den spätern Orden wesentlich dadurch, daß jedes Kloster unter seinem Abt selbständig ist und eine einheitliche Spitze (General) und die Gliederung in Provinzen fehlt und daß der Mönch einem bestimmten Kloster, nicht, wie in den Bettelorden, der Provinz oder, wie bei den Jesuiten, dem Orden angehört. Später vereinigten sich aber mehrfach mehr oder weniger zahlreiche Klöster zu Kongregationen unter einem gemeinsamen Obern (Generalabt) und besondern Statuten. So entstanden verschiedene Zweige des Benediktinerordens: Cluniacenser (s. Cluny), Cistercienser (s. d.), Kamaldulenser (s. d.), Olivetaner (s. d.), der Orden von Vallombrosa (s. d.) u. a. Im Unterschiede von diesen Abzweigungen, die teilweise eine andere Ordenskleidung annahmen, hießen die eigentlichen B. im Mittelalter die Schwarzen Mönche. Später entstandene Kongregationen sind die Bursfelder (s. d.), die von Monte-Cassino, von St. Vannes und St. Hidulphe (1600), von Valladolid u. a., namentlich die der Mauriner (s.d.) und der Trappisten (s. d.). Im J. 1889 sind auch die 19 noch bestehenden österr. Benediktinerabteien (Melk, Admont, Göttweig, Braunau, das Schottenstift in Wien u. s. w.) zu zwei Kongregationen, die eine von strengerer, die andere von weniger strengerer Observanz, vereinigt worden. Sie verwalten etwa 209 Pfarreien und haben meist Gymnasien. In der Schweiz bestehen noch die Abteien Einsiedeln, Engelberg und Dissentis. In Bayern sind unter Ludwig I. mehrere Benediktinerklöster errichtet worden (München, Augsburg, Metten u. a.), von Metten und der Schweiz aus seit 1846 einige in Nordamerika. Abgesehen von den Abzweigungen giebt es etwa 3000 B., darunter etwa 2000 Priester.

Frauenklöster nach der Regel des Benedikt (Bendiktinerinnen) gab es seit dem 7. Jahrh. In vielen derselben verfiel die Zucht; manche wurden schließlich nur Versorgungsanstalten für adlige Damen. Es giebt noch jetzt Frauenklöster der B. in Italien, Österreich, der Schweiz u. s. w. Reformierte Kongregationen von Benediktinerinnen sind u. a. die Kongregation von Calvaria (s. d.) und die von der Anbetung des heil. Sakraments (s. d.). - Vgl. Mabillon, Annales Ordinis S. Benedicti (6 Bde., Par. 1703-39); Montalembert, Les moines d'Occident (7 Bde., ebd. 1860-77); Krätzinger, Der Benediktinerorden und die Kuitur (Heidelb. 1876).

Benediktiner, s. Kräuterliqueur.

Benediktinerinnen, s. Benediktiner.

Benediktion (lat.) oder Segnung, diejenige gottesdienstliche Handlung, durch welche entweder auf Personen für ihren besondern Beruf oder für besondere Lebensverhältnisse der göttliche Segen herabgerufen oder Gegenstände für den gottesdienstlichen Gebrauch eingeweiht werden, z. B. Friedhöfe, Kirchen, Orgeln u. s. w. In der kath. Kirche gehört zur B. außer den Gebetsformeln die Besprengung mit Weihwasser, Räucherung, Salbung u. s. w. Die B. wird in der kath. Kirche von der Konsekration (s. d.) unterschieden und findet als Amtsweihe da statt, wo das Amt, wie bei dem Abte, keinen heilvermittelnden, sondern nur einen kirchenregimentlichen Charakter hat. Auch die unter dem Zeichen des Kreuzes von Papst, Kardinälen, Bischöfen oder Nuntien erteilte Segnung wird B. genannt. Der Papst giebt dreimal im Jahre feierliche B. für den ganzen Erdkreis (urbi et orbi), nämlich am Gründonnerstage, am Osterfeste und am Himmelfahrtstage. Die durch die B. geweihten "heiligen Sachen" sind nach kanonischem Recht dem Verkehr entzogen. In Deutschland konnte dies letztere Princip nicht durchgesetzt werden; doch genießen die zum Gottesdienst bestimmten Sachen nach Reichsrecht einen erhöhten strafrechtlichen Schutz (Reichsstrafgesetzb. §§. 166, 213, 304, 306), unterliegen den erschwerenden gemeinrechtlichen Vorschriften über Veräußerung und dürfen nicht zu profanen Zwecken verwendet werden, außer mit Genehmigung der vorgesetzten kirchlichen Behörde. Auch nichtgottesdienstliche Sachen (Ehebett, Lebensmittel u. s. w.) können die B. empfangen, welche jedoch in diesem Falle keinerlei jurist. Wirkungen hat.

Benedix, Roderich Jul., Lustspieldichter, geb. 21. Jan. 1811 zu Leipzig, erhielt seine Bildung auf der Fürstenschule zu Grimma, dann auf der Thomasschule zu Leipzig, wandte sich aber 1831 der Bühne zu. Er fand eine Anstellung bei der Bethmannschen Truppe, die in Dessau, Cöthen, Bernburg, Meiningen und Rudolstadt spielte und war seit 1833 Tenorist an Theatern Westfalens und des Rheinlandes. Als Regisseur in Wesel brachte er sein Lustspiel "Das bemooste Haupt" (1841) auf die Bühne, das mit dem entschiedensten Beifall die Runde über alle Theater Deutschlands machte. B. übernahm hierauf zu Wesel die Leitung des "Sprechers", einer Volkszeitschrift. 1842 siedelte er nach Köln über, leitete im Winter 1844-45 das neue Theater in Elberfeld, 1847-48 als Oberregisseur das Kölner Stadttheater und erhielt 1849 eine Lehrerstelle an der von F. Hiller eingerichteten Rheinischen Musikschule. 1855 ging er als Intendant des Stadttheaters nach Frankfurt a. M., wandte sich 1858 wieder nach Köln, 1861 nach Leipzig, wo er 26. Sept. 1873 starb. Mit Lustspielen hat B. glänzende Erfolge geerntet, und viele gehören noch zum eisernen Bestande des Repertoires namentlich der kleinern Theater. Außer dem "Bemoosten Haupt" fanden vorzüglich Beifall: "Doktor Wespe", "Der Vetter", "Die Hochzeitsreise", "Das Gefängnis", "Das Lügen", "Ein Lustspiel", "Der Störenfried", "Die Dienstboten", "Aschenbrödel", "Die zärtlichen Verwandten", "Das Stiftungsfest", "Die relegierten Studenten". B.' Lustspiele, die sich mit Vorliebe in der Sphäre des höhern Bürgerstandes bewegen, charakterisieren sich durch geschickte Anlage, Natürlichkeit und Verständlichkeit, gewandte, spannende Durchführung und erheiternde Wirkung der