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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Berlin (Kirchen)

Werner (den Sieg von 1870 und die Aufrichtung des Deutschen Kaisertums allegorisch darstellend) schmückt. Darüber steigt die 27 m hohe, besteigbare Säule (5 m Durchmesser) empor, in deren Kannelierungen in drei Reihen übereinander je 20 in den drei Kriegen eroberte vergoldete Kanonenrohre angebracht sind. Den achtseitigen Aufsatz mit Adlergesims krönt Drakes bronzene, vergoldete Victoria (8,3 m). Unter den Reiterbildern und Porträtstatuen ist vor allem berühmt das auf der Langen Brücke aufgestellte eherne Reiterstandbild des Großen Kurfürsten (s. Tafel: Deutsche Kunst Ⅴ, Fig. 1), von Schlüter modelliert, von Jacobi in Erz gegossen und 12. Juni 1703 enthüllt. Vor der Universität steht das großartige Denkmal Friedrichs d. Gr. (s. Tafel: Friedrich der Große, beim Artikel Friedrich Ⅱ., König von Preußen), 13,5 m hoch, 6,9 m breit; auf einem Granitsockel von 1,7 m Höhe erhebt sich das Fußgestell von Bronze, auf diesem der rechteckige Mittelteil mit Statuen und Reliefbildern berühmter Zeit- und Kriegsgenossen des Königs; an den Ecken Prinz Heinrich von Preußen, Herzog Ferdinand von Braunschweig, Zieten und Seydlitz. Oben das Reiterstandbild (5,0 m) des Königs in Uniform mit Hut, Krönungsmantel und Krückstock. Dies Meisterwerk Rauchs wurde 31. Mai 1851 enthüllt, nachdem bereits 1840 der Grundstein gelegt war. In der Mitte des Lustgartens, dem Schlosse zugewandt, steht auf 6,6 m hohem Granitsockel das Reiterbild (5,9 m) Friedrich Wilhelms Ⅲ., von Alb. Wolff, beim Truppeneinzug 16. Juni 1871 enthüllt; den Sockel umgeben sieben allegorische Gestalten. Die Freitreppe vor der Nationalgalerie trägt das 1886 enthüllte Reiterstandbild Friedrich Wilhelms Ⅳ. von Calandrelli. Andere Denkmäler sind die ehernen Porträtstatuen auf dem Opernplatz: Blücher (3,4 m, auf 4 m hohem Sockel, 1826 enthüllt), rechts von ihm Gneisenau, links Yorck; die beiden letztern 1855 aufgestellt. Gegenüber, neben der Neuen Wache, die marmornen Standbilder Bülows (östlich), Scharnhorsts (westlich), 1822 errichtet. Auf dem Wilhelmsplatz 6 Bronzestandbilder der Helden aus den schles. Kriegen: Schwerin, Leopold von Anhalt-Dessau, Winterfeldt, Keith, Zieten, Seydlitz; sie sind Kopien (1862) der jetzt im Kadettenhause in Lichterfelde aufgestellten Marmorstatuen. Auf dem Leipziger Platz befinden sich die Bronzestatuen der Grafen Brandenburg (1862, von Hagen) und Wrangel (1880, von Keil), vor der frühern Bauakademie die Statuen von Schinkel (1869, von Drake), Beuth (1861, von Kiß), Thaer (1860, von Hagen); auf dem Schillerplatz vor dem Schauspielhaus das 10. Nov. 1871 enthüllte Schillerdenkmal aus Marmor (6 m, von R. Begas); auf dem Dönhofsplatz das eherne Standbild (3,5 m) des Freiherrn von Stein (1875, von Schievelbein, vollendet von Hagen); vor der Universität die sitzenden Marmorfiguren Wilh. und Alex. von Humboldts (1883, von Paul Otto und von R. Begas); hinter der Universität die Bronzestatue des Chemikers Mitscherlich (1894, von Hartzer); im Oranienpark die Marmorstatue F. L. Waldecks (1890, von Walger); am Thusneldaplatz das Senefelderdenkmal (1892). Auf dem Neuen Markt soll das Lutherdenkmal von Paul Otto Aufstellung finden. Auch die Ärzte von Gräfe und Wilms haben 1882–83 (jener bei der Charité, dieser vor Bethanien) Denkmäler von Siemering erhalten. Eine Kolossalbüste Hegels in Bronze (1871, von Bläser) steht auf dem Hegelplatz hinter der Universität, eine Marmorbüste Chamissos (1888, von Moser) auf dem Monbijouplatz. ^[Spaltenwechsel]

B. ist arm an Monumentalbrunnen; seit 1876 ziert den Kemperplatz, wo außer der Siegesallee noch fünf andere Straßen zusammentreffen, der Wrangelbrunnen (nach Hagens Modell in Bronze gegossen); auf dem Schloßplatz steht seit 1. Nov. 1891 der dem Kaiser Wilhelm Ⅱ. 1888 von der Stadt Berlin geschenkte Schloßbrunnen von R. Begas (Neptun auf Felsen thronend, unterhalb Tritonen und die 4 deutschen Ströme); auf dem Spittelmarkt der vom Kommerzienrat Spindler gestiftete und 10. Dez. 1891 enthüllte Spindlerbrunnen.

Kirchen. B. hat gegen 60 evang., 7 kath. Kirchen und 4 Synagogen. Die Domkirche an der östl. Seite des Lustgartens, 1747–50 von Boumann dem Ältern erbaut, 1817 und 1821 unter Schinkels Leitung mehrfach umgestaltet, ist seit 1894 abgebrochen; eine Hauptkuppel und zwei ebenfalls mit Kuppeln versehene Seitentürme krönten das 103 m lange und 41 m breite Gebäude. Es enthielt im Innern die 1530 von Joh. Vischer in Nürnberg vollendeten, aus der Kirche zu Lehnin hierher übertragenen Bronzedenkmäler der Kurfürsten Johann Cicero und Joachim Ⅰ., daneben die Prachtsärge des Großen Kurfürsten und des Königs Friedrich Ⅰ.; in der königl. Familiengruft ruhen etwa 80 hohenzollernsche Fürsten und Fürstinnen. An Stelle des alten Doms wird nach den Plänen von Jul. Raschdorff ein Neubau im ital. Renaissancestil errichtet, der in der Hauptsache aus einer mit 110 m hoher Kuppel überwölbten Predigtkirche für 2000 Kirchgänger mit dem Altarraum an der Ostseite bestehen wird, an die sich nach Norden hin die Gruftkirche, nach Süden eine 160 Personen fassende Hofkapelle (H) für Taufen und Trauungen anschließen wird. Die 90 m breite und etwa 30 m hohe Hauptmasse der Domgruppe an der Lustgartenseite wird außerdem noch bekrönt an beiden Ecken durch zwei 85 m hohe Glockentürme. Die Kosten sind auf 10 Mill. M. festgesetzt. Die Grundsteinlegung fand 17. Juni 1894 statt, die Vollendung wird 1900 erwartet. (Die Gesamtansicht des Doms zeigt Tafel: Berliner Bauten Ⅰ; seinen Querschnitt umstehende Fig. 1; seinen Grundriß umstehende Fig. 2, in der A Aufgang zur Empore für den Hof, V Vestibül, S die Sakristeien, K Raum für den Küster, WZ Wartezimmer, DP den Raum für das Dienstpersonal bezeichnet.) Die Nicolaikirche, im 12. Jahrh. erbaut, ein dreischiffiger Backsteinbau, 1877 restauriert und mit einem zweiten Turme versehen. Am Neuen Markt die Marienkirche, ein Backsteinbau aus dem 13. Jahrh., mit einem Turme (90 m) von 1790; im Innern die Grabmäler des Feldmarschalls Grafen von Sparr (gest. 1668) und des Dichters von Canitz (gest. 1699), ferner Wandgemälde aus dem Ende des 14. Jahrh. mit naiven Reimen in plattdeutscher Sprache. Vor dem Hauptthor das steinerne Sühnkreuz für die Ermordung des Abtes Nikolaus von Bernau (1355). Die got. Klosterkirche, zu Ende des 13. Jahrh. von Franziskanern erbaut, eins der schönsten und besterhaltenen mittelalterlichen Bauwerke B.s, mit Chor von 1345, Chorstühlen von 1383. Die Parochialkirche, 1695–1703 nach Nerings Entwurf erbaut; der Turm mit Glockenspiel, einem Geschenk Friedrich Wilhelms Ⅰ., 1715 nach dem Entwurf Joh. de Bodts vollendet, das Innere 1885 restauriert. Auf dem Gensdarmenmarkt die Französische Kirche von 1701 und die Neue Kirche (1701–8);