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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bermudez; Bern

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Bermudez - Bern (Kanton und Stadt in der Schweiz)

drückender Wirkung. Von Juli bis Oktober herrscht große Hitze; im Winter fällt bisweilen Schnee, ohne jedoch länger liegen zu bleiben. Der Südwestwind hüllt alles in triefende Feuchtigkeit, Orkane sind selten. Regen fällt ziemlich gleichmäßig das ganze Jahr hindurch. Krankheiten sind selten. Es werden denn auch die B. von Nordamerika vielfach während des Frühlings und Winters aufgesucht und dienen als Kurort. Quellen und Brunnen fehlen. Trinkwasser wird in Cisternen gewonnen. Der Boden ist fruchtbar und bringt im Winter die Bermudakartoffel, im Frühling Zwiebeln, im Sommer Mais und Arrow-Root hervor. Der Export an Kartoffeln und Zwiebeln betrug in den letzten Jahren durchschnittlich 400000 M. Ein Drittel der Inseln ist kultiviert.

Die kräftige Pflanzenwelt ist teils die der atlantischen Vereinsstaaten, teils die der nahe gelegenen Bahama-Inseln, die Kultur ergiebig und an Tropenplantagen herangehend. Die Inseln sind mit dunkelgrünem Buschwald eines Nadelholzes bedeckt; dieses, das bermudische Cedernbolz (Juniperus bermudiana L.), eignet sich trefflich zum Schiffbau und wird, wie die virgin. Ceder, auch zur Fassung von Bleistiften benutzt; in ihrem Schutz baut man Orangen. Charakteristisch sind die Oleanderhecken.

Die Fauna der B. ist arm. Die Zahl der Insekten ist gering und umfaßt wohl keine den Inseln eigentümliche Arten. Spinnen treten gelegentlich in größern Mengen durch fliegenden Sommer herbeigeschafft auf. Von Säugetieren finden sich vom Menschen absichtlich eingeführte Haustiere und unabsichtlich eingeschleppte Ratten und Mäuse. Fledermäuse mögen wohl mehr gelegentlich vorkommen als verflogene Exemplare, aber es ist unwahrscheinlich, daß sie sich hier vermehren. Von Reptilien kommt eine gewöhnliche nordamerik. Eidechse (Plestiodon longirostris Wiegm.) vor. Die Vogelfauna ist eigentümlich: 6 nordamerik. Arten (darunter ein Rabe, der Kardinal, der Blausänger, noch 2 kleinere Sänger und die Sperlingstaube) sind ständige Einwohner, eine weitere Anzahl nordamerikanischer erscheint regelmäßig alle Jahre, ein großer gelegentlich und ebenso sind 4 europ. Arten, der gemeine Steinschmätzer, die Feldlerche, der Wachtelkönig und die Becassine als Gäste beobachtet worden.

Die dichte (315 pro qkm) Bevölkerung beläuft sich (1891) auf 15123 E. (darunter 5740 Weiße). Hauptbeschäftigungen sind Feldbau, Leinwand- und Segeltuchweberei, der Bau von kleinen Schiffen aus Cedernholz, Stroh- und Palmettoflechterei, Fischerei und vom März bis Juni Walfischfang.

Der Handel mit Britisch-Amerika und den Vereinigten Staaten ist bedeutend; 1891 liefen ein und aus Schiffe von 287694 t. Ausgeführt werden Arrow-Root, Tomaten, Kartoffeln, Salz, Quadern zum Häuserbau; eingeführt Kleiderstoffe, Hornvieh, Fleisch, Mehl, Getreide, Gemüse, Obst. Die Ausfuhr belief sich 1891 auf 129803, die Einfuhr auf 325976 Pfd. St. 1892/93 deckten sich Einnahme und Ausgabe mit je 32000 Pfd. St., die Schuld betrug 8600 Pfd. St. Der Archipel hat als Handels- und Erfrischungsstation, Ruhe- und Vermittelungspunkt für die Westindienfahrer sowie namentlich als Militär- und Flottenstation, als Beobachtungsposten den Vereinigten Staaten gegenüber eine so außerordentliche Bedeutung, daß die brit. Regierung ungeheure Summen auf die Befestigung dieses Gibraltars der Westwelt verwendet hat. Die hierher Deportierten müssen an öffentlichen Bauten arbeiten, namentlich an dem großen Dockwerft der Hauptstadt Hamilton, die mit Citadelle, Marinearsenal und 1500 Mann Garnison eine der wichtigsten Militärstationen der brit. Kolonien ist. Die Regierung besteht aus einem Gouverneur und einem Rat (council) von acht Mitgliedern, die der Gouverneur ernennt und die mit letzterm das Oberhaus bilden. Das Unterhaus (assembly) besteht aus 36 von den Grundbesitzern gewählten Mitgliedern.

Die B. wurden 1522 durch den Spanier Juan Bermudez entdeckt und 1612 von den Engländern von Virginien aus kolonisiert. Der erste Bewohner 1609 war ein schiffbrüchiger Engländer mit Namen Somers. - Vgl. Jones, The Naturalist in Bermuda (Lond. 1859); Godet, Bermuda, its history, geology, climate etc. (ebd. 1860); Lefroy, Discovery and settlement of the Bermudas (2 Bde., ebd. 1877-79); Ogilvy, An account of Bermuda, past and present (Hamilton 1883); Dorr, Bermuda (Neuyork 1884); Stark, Bermuda guide (Boston 1888).

Bermudez, Staat im NO. der Vereinigten Staaten von Venezuela, grenzt im N. an das Karibische Meer, im O. an den Atlantischen Ocean, im S. an Bolivar, im W. an Guzman Blanco, hat 83532 qkm, (1891) 300597 E., wird vom Ostteil des Karibischen Gebirges (s. d.) durchzogen, das sich im Turumiquire zu 2050 m Höhe erhebt. Zu dem Staate gehören die Halbinseln Araya und Paria (s. d.). B. besteht aus den Sektionen Barcelona, Cumana und Maturin. Produkte sind Kaffee, Kakao, Baumwolle, Tabak, Indigo, Vieh, Farbhölzer. Hauptstadt des Staates ist Barcelona (s. d.); andere Städte sind Carupano, Cumana, Maturin und Rio Caribe.

Bern. 1) In der histor. Rangordnung und dem Flächeninhalt nach der zweite, der Einwohnerzahl nach der größte Kanton der Schweiz, grenzt im N. an Oberelsaß und an die Kantone Basel-Land und Solothurn, im O. an Aargau, Luzern, Unterwalden und Uri, im S. an Wallis, im W. an Waadt, Freiburg und Neuenburg und Frankreich und hat (mit den Seen) 6884,4 qkm.

Nach seiner Bodengestaltung zerfällt der Kanton in die drei Gebiete des Juras im N. und NW., der Alpen im S. und der hügeligen Hochebene zwischen beiden in der Mitte. Der Jura, ein wald- und weidereiches Kalksteingebirge, nach SO. steil abfallend, besteht aus parallelen, nach NO. streichenden, mauerartigen Ketten von gleichmäßiger Höhe, die durch einförmige Längenthäler, seltener durch Querthäler oder Klusen voneinander geschieden werden und sich nach N. und NW. in breiten Plateaus allmählich abdachen. Seine wichtigsten Gipfel sind der aussichtsreiche Chasseral (1609 m), der Montoz (1332 m), der Moron (1340 m), der Mont-Raimeux (1306 m), der Mont-Terrible und der Bauenberg (s. d.). Die Hochebene trägt am Fuße des Juras das Gepräge eines wellenförmigen Hügellandes, welches nach S. gegen die Alpen in ein Bergland übergeht; die Bergformen sind meist abgerundet, die herrschenden Gesteine Sandstein und Nagelfluh der Molasse. Nur wenige Gipfel steigen zu mehr als 1000 m Höhe an (Gurten 861 m, Bantiger 950 m, Bütschelegg 1058 m, Blasenfluh 1117 m). Die Alpen nehmen den Süden des Kautons ein; über den teils felsigen, teils bewachsenen Voralpen der Simmergruppe erheben sich die vergletscherten Hochalpen der Berner Alpen auf der Wasserscheide zwischen Aare und Rhône, von den Diablerets im W. bis zum Dammastock im O., be-^[folgende Seite]