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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Besitzrechtsmittel - Besobrasow

nahme erlangt hat. Der Verklagte wird mit Einreden, er sei der Eigentümer oder der Kläger habe selbst erst fehlerhaft von dem Beklagten den Besitz erlangt, nicht gehört. - Zum Schutz des Besitzes an Rechten dienen teils die vorstehenden B., teils sind besondere Klagen eingeführt. - Vgl. Bruns, Die B. des röm. und heutigen Rechts (Weim. 1874); Pflüger, Die sog. B. des röm. Rechts (Lpz. 1890).

Besitzrechtsmittel, s. Besitzklagen.

Besitzstand, im Völkerrecht die thatsächlich ungestörte Ausübung der Staatshoheit auf einem bestimmten Gebiete, ebenso die thatsächlich geduldete Beschränkung ihrer Ausübung. Wo es an urkundlichen Festsetzungen und allgemeinen Völkerrechtssätzen (wie bei den Wassergrenzen, s. Grenze) fehlt, ist der B. die rechtliche Grundlage für die Begrenzung der Staatsgebiete und die Benutzung fremden Staatsgebietes, z. B. durch Ausübung der Schiffahrt und Fischerei in Territorialgewässern. In letzterer Beziehung wird indes, zumal wenn es sich um Ausübung von Staatshoheitsrechten auf fremdem Gebiete, z. B. der Konsulargewalt, handelt, mehr der verwandte Begriff des Herkommens verwendet. Nicht nur der unvordenkliche, sondern jeder nicht erweislich auf unrechtmäßigem Wege erworbene B. steht dem urkundlich nachweisbaren Rechte gleich, nicht in Anwendung des dem Völkerrechte unbekannten Begriffs der Ersitzung oder Verjährung, sondern auf Grund der bei der Offenkundigkeit aller staatlichen Besitzverhältnisse anzunehmenden thatsächlichen Anerkennung. Aus diesem Grunde ist aber das Gleiche auch von dem ursprünglich unrechtmäßigen B. anzunehmen, wenn er so lange Zeit ruhig fortgedauert hat, daß darin eine Anerkennung zu finden ist. (Vgl. Bluntschli, Das moderne Völkerrecht, §. 290.) So geht auch nach eingetretenen Besitzstörungen, wenn nicht durch überlegene Macht eine Abtretung erzwungen werden kann, jeder Versuch der Verständigung notwendig von dem Statusquo (sc. ante bellum, ect., nämlich vor dem Kriege u. s. w.), von dem frühern B. aus, selbst wenn dieser als unrechtmäßig angegriffen worden war.

Besitzsteuer, s. Vermögenssteuer.

Besitzveränderungsabgaben, bei der Veräußerung von Grundstücken unter Lebenden erhobene Abgaben, die in Prozenten des Kaufpreises oder des Wertes berechnet werden. Dieselben beruhen zum Teil auf privatrechtlicher Grundlage, so das Laudemium, welches der Gutsherr von dem Erbpächter oder Erbzinsmann erhob. Diese Laudemien sind infolge von Ablösungen zum größten Teil beseitigt. Oder sie haben einen öffentlich rechtlichen Charakter und werden dann erhoben als eine Gebühr für Berichtigung des Grundbuches oder als eine Steuer.

Beskidbahn, Bahn in Galizien, s. Österreichisch-Ungarische Eisenbahnen.

Beskiden oder Beskid, der höchste Teil der Westlichen oder Kleinen Karpaten, auf der Grenze des Komitats Arva gegen Galizien; die bedeutendste Höhe ist hier die Babia-Gura (1725 m). Die Abhänge der B. sind mit Nadelhölzern dicht bewachsen, die Bergesgipfel bedeckt Isländisches Moos. Das Gebirge besteht vorwiegend aus Granit, Gneis, Kalk und Sandstein, aus dessen Schichten stellenweise kahle Felsenzacken emporragen. Der wichtigste Steig ist in dieser Gebirgskette der Jablunkapaß (551 m), der das Thal der Waag mit dem der Oder verbindet, sowie jener bei Zwardon. Über den erstern führt die Kaschau-Oderberger Eisenbahnlinie nach Teschen, über den letztern die Bahnlinie nach Saybusch in Galizien. Im weitern Sinne wird auch der ganze Karpatenzug vom Jawornikgebirge, d. i. von der schles. Grenze bis zur Bukowina, B. genannt: bis zum Durchbruche des Dunajec West-, von da an Ostbeskiden. (S. Karpaten.) - Vgl. Hadaszczok, Führer durch die B. (Mährisch-Ostrau 1894).

Beskow, Stadt, s. Beeskow.

Beskow, Bernh. von, schwed. Dichter, geb. 22. April 1796 zu Stockholm, trat nach Beendigung seiner Studien in die königl. Kanzlei, erwarb das Vertrauen des Kronprinzen Oskar, wurde 1825 dessen Privatsekretär, 1826 geadelt, 1827 Kammerherr, 1831 Direktor des Hoftheaters, 1832 Hofmarschall, 1843 Freiherr und 1861 Oberkammerjunker. Er starb 17. Okt. 1868 zu Stockholm. Seinen Ruf begründete B. mit der Dichtung "Karl XII." (1819), die ihm die Bekanntschaft und Freundschaft Tegnérs verschaffte. 1824 erhielt er für das Gedicht "Sveriges anor" (deutsch, Lübeck 1838) den großen Preis der Schwedischen Akademie, die ihn 1828 zum Mitgliede, 1834 zum ständigen Sekretär erwählte. Bedeutender als B.s lyrische Gedichte "Vitterhetsförsök" (Stockh. 1818-19) sind seine Leistungen auf dramat. Gebiet. Von den Trauerspielen, die von warmem Gefühl und Vaterlandsliebe beseelt sind, aber in Komposition und Charakterzeichnung manche Mängel haben, wurden "Erik den Fjortonde" (1827-28), "Torkel Knutsson" (1836), "Birger och hans Ätt" (1836-38) und "Gustaf Adolf i Tyskland" (1838), die als "Dramatiska Studier" (3 Bde., Stockh. 1836-38) erschienen, von Öhlenschläger verdeutscht (3 Bde., Lpz. 1841-43). "Torkel Knutsson" gilt als bestes bühnengerechtes Trauerspiel der schwed. Litteratur. Die Oper "Ryno" ist von Edw. Brendler und dem (nachmaligen) König Oskar I. in Musik gesetzt worden. Lesenswert sind B.s Vandrings-minnen (2 Bde., Stockh. 1833-34). Als Sekretär der Schwedischen Akademie lieferte B. wertvolle Nekrologe ("Minnestaeckningar"). Besonders hervorzuheben ist seine letzte größere Arbeit, eine umfassende panegyrische Betrachtung der Geschichte Gustavs III. ("Om Gustaf den tredje såsom konung och menniska", I-V) in den "Handlingar" der Schwedischen Akademie (Bd. 32 [1860], Bd. 34 [1861], Bd. 37 [1863], Bd. 42 [1867] und Bd. 44 [1869]). Verwandter Art ist die Monographie Karl den tolfte. En minnesbild" (2 Bde., Stockh. 1868-69). - 1870 erschienen B.s Jugenderinnerungen "Lefnadsminnen" (bis 1809).

Besmen, in Rußland eine Wage mit ungleicharmigen Wagebalken; in Nordrußland und Sibirien auch ein Gewicht von 2½ russ. Pfund = 1,0238 kg.

Besmer, Wage, s. Besemer.

Besnyö, Kloster in Ungarn, s. Gödöllö.

Besobrasow, Wladimir Pawlowitsch, russ. Nationalökonom, geb. 15. (3.) Jan. 1828 zu Wladimir an der Kljasma, besuchte das Alexander-Lyceum zu Petersburg, arbeitete dann im Finanzministerium, wurde aber bald infolge seiner hervorragenden litterar. Leistungen auf dem Gebiet der Nationalökonomie und besonders der Finanzwissenschaft zum Mitglied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Petersburg gewählt. Er starb 10. Sept. (29. Aug.) 1889 zu Dmitrow. Neben zahlreichen Abhandlungen in Zeitschriften und Werken in russ. Sprache veröffentlichte er: "Études sur les revenus publics" (in den "Mémoires" der Petersburger Akademie, 1873) und "Études sur