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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Biberbaum - Biblia pauperum

Reformation, der nur ein Teil der Bevölkerung beitrat, 1523 in lange Zwiste, bis endlich der Westfälische Friede die Parität feststellte. Infolge des Friedens von Luneville kam die Stadt 1802 an Baden und durch die Rheinische Bundesakte 1806 an Württemberg. Bei B. erfochten 2. Okt. 1796 die nach dem Oberrhein sich zurückziehenden Franzosen unter Moreau einen Sieg über die sie verfolgenden Österreicher unter Latour, und 9. Mai 1800 wurden hier die Österreicher unter dem Feldmarschall Kray von den Franzosen unter Saint-Cyr geschlagen.

Biberbaum, s. Magnolia.

Bibere (lat.), trinken.

Biberfelle. B. kamen früher fast nur geschoren in den Handel, und das Haar wurde zu den feinsten Männerhüten (Kastorhüten) verwendet; jetzt benutzt man sie nur noch als Pelzwerk und zwar besonders in Rußland. Die Farbe der bis zu 1 m langen B. ist kastanienbraun, auf dem Rücken am dunkelsten, nach dem Bauche zu heller, oder gleichmäßig rotbraun, seltener hellgelb, ganz weiß oder schwarz. Je dunkler das Fell, desto geschätzter ist es; vielfach werden die Felle auch dunkelbraun gefärbt. Unter dem sehr langen Oberhaar befindet sich ein feines, seidenartiges, dichtes Unterhaar von aschgrauer bis silberweißer Farbe; durch Scheren, Ausrupfen oder Ausreißen der Oberhaare mittels besonderer Maschinen wird dasselbe freigelegt, und das so veränderte Fell bildet ein beliebtes leichtes Pelzwerk für Frauentracht. Die meisten B. (130 000 jährlich) kommen von Nordamerika, besonders Canada und den Hudsonbailändern; gegen 30 000 Stück liefert Sibirien und Alaska. Am geschätztesten sind die Felle der im Winter gefangenen Tiere (Winterbiber). Der Wert des Felles schwankt zwischen 40-90 M. das Stück.

Biberfluß, s. Churchill.

Bibergeil, Bibergeilbeutel, Bibergeilfett, s. Biber.

Biberindianer, s. Tinneh.

Bibernell, Pflanzengattung, s. Pimpinella.

Bibernellrose, s. Rose.

Biberon (frz., spr. -ong), Zecher; Saugflasche.

Biberratte, s. Sumpfbiber.

Biberschwanz, in der Technik eine Art Säge (s. d.); dann auch ein gewöhnlicher, flacher Dachziegel (s. Dachdeckung).

Bibesco, Barbo Demetrius, Hospodar der Walachei, durch Adoption seitens eines Großoheims Fürst Stirbei, geb. 1801, studierte 1818-21 zu Paris, beteiligte sich am Aufstand Alexander Ypsilantis, war Justizminister unter A. Ghika und Minister des Innern unter seinem Bruder Georg Demetrius und wurde 1849 von der Pforte zum Hospodar der Walachei ernannt. Als solcher half er den Finanzen des Landes auf, verbesserte das Unterrichtswesen und wirkte für die Vereinigung der Moldau mit der Walachei durch diplomat. Noten und Denkschriften. Nachdem er 7. Juli 1856 seine Stelle niedergelegt hatte, wurde er in den verfassungsberatenden Diwan (s. Moldau) gewählt und stimmte für die Vereinigung beider Fürstentümer. Später hielt er sich meist zu Paris und Nizza auf. Er starb 13. April 1869 zu Nizza.

Bibesco, Georg Demetrius, Hospodar der Walachei, Bruder des vorigen, geb. 1804 im Kreis Crajova, wurde 1824 Untersekretär im walach. Justizministerium, dann Sekretär im Ministerium des Äußern, nahm 1834 seine Entlassung und lebte bis 1841 in Paris und Wien. Nach seiner Rückkehr in den Landtag gewählt, wurde er ein Führer der Opposition gegen die Regierung Alexander Ghikas und nach dessen Sturze 1. Jan. 1842 zum Hospodar der Walachei gewählt. Unter seiner Regierung machte die materielle Entwicklung des Landes Fortschritte; aber B. stand ganz unter dem Einfluß Rußlands, beförderte vor allem franz. Bildung und verfügte 1847 den ausschließlichen Gebrauch der franz. Sprache an den höhern Lehranstalten. Es bildete sich daher gegen ihn eine nationale Opposition, an deren Spitze insbesondere Golesco und Bratianu standen, und 22. Juni 1848 brach der Aufstand in Bukarest aus, infolgedessen B. 25. Juni der Regierung entsagte. Er begab sich nach Wien, kehrte später nach der Walachei zurück, war 1857 Mitglied des verfassungsberatenden Diwan, in welchem er für die Vereinigung der Walachei und der Moldau wirkte, und zog sich dann wieder ins Privatleben zurück. Er starb 1. Juni 1873 zu Paris.

Bibi (frz.), ein Damen- oder Herrenhütchen mit besonders schmaler Krempe.

Bibi-Ejbat, s. Baku.

Bibiena (Bibbiena), eigentlich Galli aus Bibbiena, eine Künstlerfamilie. Der Stammvater Giovanni Maria Galli-Bibiena, geb. 1625 zu Bibbiena, gest. 1665, war ein Maler aus Albanos Schule. - Sein Sohn, Fernando Galli-Bibiena, geb. 1657 zu Bologna, gest. 1743, Schüler Cignanis, war erst am herzogl. Hofe in Parma thätig, wo er eine Reihe Entwürfe für das Theater lieferte, die, zumeist im üppigsten Barockstil gehalten, sich durch treffliche Perspektive und malerische Wirkung auszeichnen. Dann trat Fernando in die Dienste des spätern Kaisers Karl VI., für den er in Barcelona anläßlich seiner Vermählung und in Wien zahlreiche Theaterdekorationen malte. Er baute ferner in Parma die Kirche des Abts Antonius, den Arco del Meloncello in Bologna (einen die Straße überbrückenden Bogen mit Rundtempel darüber) und das königl. Theater zu Mantua. Er hat auch Fresken gemalt, z. B. im Chor der Peterskirche in Wien.

Sein Sohn, Alessandro Galli-Bibiena, gest. 1760, war Baumeister im Dienst des Kurfürsten von der Pfalz, baute u. a. die Jesuitenkirche (1733-56) und die Bibliothek in Mannheim. - Fernandos zweiter Sohn Giuseppe, geb. 1696, gest. 1757 in Berlin, schuf 1723 die Prachtdekorationen zu dem kaiserl. Hoffest in Prag, arbeitete für zahlreiche Fürsten Katafalke, Theaterprospekte u. a., die in dem Werke "Architettura e prospettive" (Augsb. 1740) erhalten sind. Die großartigsten Werke dekorativer und perspektivischer Barockkunst schuf er für das Opernhaus zu Dresden unter August dem starken und für eine Hochzeit am Münchener Hofe 1722. In Bayreuth erbaute er 1747 das schöne Theater, in Dresden gestaltete er 1750 das Opernhaus um. Er ist der berühmteste seines Namens. - Fernandos letzter Sohn Antonio, geb. 1700 zu Parma, gest. 1774 zu Mailand, ebenfalls Theaterbaumeister und -Maler, baute u. a. das mächtige Stadttheater zu Bologna und das in der Virgilsakademie zu Mantua, für die er prachtvolle Dekorationen malte. Er war auch am Hofe Karls VI. thätig.

Bibionidae, s. Haarmücken.

Bibrrurinde, s. Bebeerurinde.

Bibite (lat.), trinkt!

Biblia pauperum (lat.), Armenbibel, eine Sammlung von Darstellungen aus der heiligen Geschichte zur Unterweisung des niedern Volks in den