Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Big-Rapids; Bignoniaceen; Bigordi; Bigorre; Bigorreweine; Bigott; Bihac; Bihar

1005

Bignoniaceen - Bihar (in Ungarn)

und subtropischen Amerikas, welche zu den charakteristischsten Pflanzenformen der Neuen Welt gehören und sich durch Größe und Schönheit der Blüten auszeichnen. Die Bignonien haben gegenständige zusammengesetzte Blätter, eine große, trichterförmig-zweilippige oder fast regelmäßige Blumenkrone, vier fruchtbare Staubgefäße nebst einem unfruchtbaren, und eine vielsamige, zweiklappige Kapsel, deren Scheidewand den Klappen parallel ist. Die meisten Arten sind kletternde Sträucher mit oder ohne Ranken an den Blättern und achselständigen, in Trauben und Rispen gestellten Blüten; sie eignen sich vorzüglich zu Wandbekleidungen, Lauben, Guirlanden in warmen und temperierten Häusern und gehören zu den schönsten Ziergewächsen. Die am längsten kultivierte Art ist B. capreolata L., ein kletternder Baum aus Carolina, mit stachligen Zweigen, zwei- und dreizähligen Blättern, von denen die obern Ranken besitzen, und 2-5 gestielten Blüten in den Blattwinkeln, deren Blumenkrone auswendig orangerot, inwendig gelb ist. Diese schöne Schlingpflanze gedeiht in milder Lage auch im freien Lande, wenn sie während des Winters zugedeckt wird. Alle übrigen Arten sind Warmhauspflanzen. Sie verlangen Heideboden und werden durch Ableger oder importierten Samen vermehrt. Zu den schönsten gehören B. speciosa Hook, aus Buenos-Aires, mit großen, lilafarbenen, dunkellila geäderten Blumen, B. floribunda Kth. aus Mexiko mit purpurroten Blütensträußen, B. Chica Humb. aus Südamerika, ebenfalls purpurrot blühend, B. venusta Ker. aus Brasilien, mit endständigen Sträußen orangegelber Blumen, B. Clematis Kth. aus Caracas, mit weißen, inwendig gelben Blumen, deren Zipfel rot oder purpurviolett gefärbt sind, u. a. m.

Das sehr harte und schwere Holz der in Südamerika und Westindien vorkommenden baumartigen B. leucoxylon L. kommt als grünes oder gelbes Ebenholz (s. d.) in den Handel und wird wegen seiner schönen grünen Farbe und seiner Dauerhaftigkeit zu feinen Tischlerarbeiten verwendet, auch soll dasselbe in den Heimatländern zum Grünfärben gebraucht werden. Aus den Blättern B. Chica Humb. wird durch Auskochen eine zinnoberrote Farbe, Chica, Chicarot oder Caracuru, gewonnen, die zum Färben von Zeugen dient und von den Indianern zum Bemalen ihrer Haut benutzt wird.

Bignoniaceen (Bignoniaceae), Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Labiatifloren (s. d.) mit gegen 400 vorzugsweise tropischen Arten. Die B. haben einen drei- bis fünfteiligen Kelch, fünflappige Blumenkrone, 4 Staubfäden und einen Griffel. Die Farbe der Blüten ist eine meist sehr lebhafte, weshalb viele in Gewächshäusern gezogen werden. Es sind meist Bäume oder kletternde, seltener aufrechte Sträucher oder krautartige Pflanzen.

Bigordi, Domenico, ital. Maler, s. Ghirlandajo.

Bigorre (spr. -gohr), Grenzlandschaft im südwestl. Frankreich, in der ehemaligen Gascogne mit der Hauptstadt Tarbes, jetzt der Hauptteil des Depart. Hantes-Pyrénées. Die alte Grafschaft B. war begrenzt im N. von Armagnac, im S. durch die Pyrenäen, im W. durch Béarn, im O. durch Rébouzan und Astarac und zerfiel in drei Teile: die Ebene (La Plaine oder Rivière-Basse) mit Tarbes, das Ländchen Rustan um St. Séver und das Gebirge mit den drei Thälern Lavedan, Campan und Barèges. Die prähistor. Funde dieser Gegend, menschliche Knochen, Instrumente aus Stein, aber auch Werkzeuge aus Bronze und Eisen, und die unzähligen Tumuli mit Urnen u. s. w. weisen auf eine sehr alte Bevölkerung. - In geschichtlicher Zeit bewohnte das aquitan. Volk der Bigerriones das Land; ihr Hauptort war Turba. Aus den Steinmassen von dessen Burg Bigorra oder Castrum Bigerranum der Römer entstand später Tarbes. Nachdem es im 6. Jahrh. von den Westgoten an die Franken gekommen, bildete es seit Ludwig dem Frommen eine eigene Grafschaft. Bei einem Erbstreit zog König Philipp IV. das Land 1298 ein und gab seinem Sohne Karl dem Schönen den Titel eines Grafen von B. König Eduard III. von England verlieh 1368 als Herzog von Guyenne das Land an Johann von Grailly. Nach der Wiedereroberung durch die Franzosen schenkte es Karl VII. 1425 dem Grafen Jean de Grailly von Foix. Durch Heirat kam es 1484 mit der Grafschaft Béarn an das Haus Albret. König Heinrich IV. erbte beide von seiner Mutter und vereinigte sie 1607 mit der Krone. Vgl. E. Duffau, Histoire du comté de Bigorre (Par. und Tarbes 1886); G. Mauran, Sommaire description du pays de Bigorre (ebd. 1886).

Bigorreweine, die nach der gleichnamigen Landschaft benannten südfranz. Weine; die besten und schmackhaftesten sind die von Peyriguere, Aubarede und Mun; sie kommen dem Béarnois gleich und sind teils rot, teils weiß. Vic-Bigorre und Vic-Bil sind etwas herb und säuerlich.

Bigott (frz. bigot), frömmelnd; Bigotterie, Frömmelei. Das Wort ist deutschen Ursprungs, es besteht aus der Präposition bi (d. i. bei) und Gott, ist also ursprünglich ein Schwur.

Big-Rapids, Hauptstadt des County Mecosta im nordamerik. Staate Michigan, nördlich von Grand-Rapids am Maskegon, ist Eisenbahnknotenpunkt und hat (1890) 5303 E., Sägemühlen, Holzhandel und Holzwarenfabrikation.

Bihac, s. Bihatsch.

Bihar, Handelsgewicht, s. Bahar.

Bihar. 1) Komitat in Ungarn, grenzt im N. an das Hajduken-, Szaboleser und Szathmárer, im W. an das Békéser, im S. an das Arader Komitat, im O. an Siebenbürgen (Komitate Torda Aranyos, Klausenburg und Szilagy). In seinen: westl. größern Teile bildet es eine fortlaufende, mit Sümpfen, Sandheiden und fruchtbaren strecken abwechselnde Ebene, in seinem östlichen ist es Gebirgsland, dessen Höhen es von Siebenbürgen scheiden. Auf diesem Grenzgebirge führt der Paß «Königsteig» nach Siebenbürgen. Die Berge sind gut bewaldet (Eichen, Buchen, Tannen) und enthalten große Schätze an Erzen und an Salz. Unter den Flüssen sind die Goldsand führende Schnelle Körös (Sebes-Körös), der Berettyo und die Schwarze (Fekete) Körös die bedeutendsten. Erstere beiden bilden im südwestl. Teile des Komitats den großen Sumpf «Sárrét» (d. i. Moorwiese). Aus den zahlreichen Teichen und Morästen gewinnt man viel Pottasche. Das Klima ist in der Ebene sehr wechselnd (Heiße Sommer, kalte Winter), auf den Höhen durchschnittlich kälter, aber gleichmäßiger. Der Boden ist meistens ergiebig und bringt Getreide in großer Menge hervor, ferner Melonen, Tabak und vortreffliches Obst, im Gebirge guten Wein. Die Viehzucht ist von großer Wichtigkeit, ebenso die Fischerei und die Jagd auf Wasservögel. In den Gebirgswaldungen sind Wölfe, Bären, Hirsche und Wildschweine keine Seltenheit. Die Industrie besteht zumeist in der Erzeugung haus-^[folgende Seite]