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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Birresborn; Birrus; Birs; Birschen; Birschwege; Birschzeichen; Birsen; Birshi; Birsig; Birsigthalbahn; Birsk

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Birresborn - Birsk

land wieder, aus welchem russ. Truppen den von Polen unterstützten Herzog Karl von Sachsen, einen Sohn Augusts Ⅲ., vertrieben. Am 10. Febr. 1763 kam B. zum erstenmal als kurländ. Herzog nach Mitau, dankte jedoch schon 24. Nov. 1769 zu Gunsten seines ältesten Sohnes Peter ab und starb 28. Dez. 1772. – Dieser, Peter, Reichsgraf von B., Herzog von Kurland und Sagan, geb. 15. Febr. 1724 zu Mitau, teilte in der Jugend das Schicksal seines Vaters, wurde 1762 mit ihm zurückgerufen und zum Generalmajor in der russ. Armee ernannt. Seine Regierung (1769‒95) war angefüllt mit Streitigkeiten mit der kurländ. Ritterschaft, welche endlich dazu führten, daß B., als das Schicksal Polens, dessen Vasall er war, sich entschied, 28. März 1795 gegen ein Jahrgehalt von 50000 Dukaten zu Gunsten Katharinas Ⅱ. abdankte, sich selbst aber und seinem Hause alle Rechte souveräner Herren vorbehielt. Nach seiner Entsagung lebte er bald in Berlin, bald auf seinen Herrschaften Sagan und Nachod, und starb 13. Jan. 1800 zu Gellenau in Schlesien. Aus seiner dritten Ehe mit Anna Charlotte Dorothea, geb. Reichsgräfin von Medem (geb. 3. Febr. 1761, gest. 30. Aug. 1821 auf ihrem Gute Löbichau im Altenburgischen), entsprossen 4 Töchter. Die jüngste, Dorothea, geb. 21. Aug. 1793, 1809 vermählt mit Edmund, Herzog von Talleyrand-Périgord und Herzog von Dino in Calabrien, seit 6. Jan. 1845 durch königl. Investitur Herzogin von Sagan, starb 19. Sept. 1862, worauf ihr ältester Sohn, Napoleon Ludwig, Herzog von Valençay, geb. 12. März 1811, ihr in dem preuß. Lehnsfürstentum Sagan, der zweite, Alexander Edmund, geb. 15. Dez. 1813, durch Session seines Vaters Herzog von Dino, in der Herrschaft Deutsch-Wartenberg folgte. – Vgl. Tiedge, Anna Charlotte Dorothea, letzte Herzogin von Kurland (Lpz. 1823). – Durch den Bruder des letzten Herzogs von Kurland, Karl Ernst von B., geb. 30. Sept. 1728, den zweiten Sohn des Herzogs Ernst Johann, wurde der Mannsstamm des Hauses fortgepflanzt. Er starb 16. Okt. 1801 und hinterließ zwei Söhne. Der älteste derselben, Prinz Gustav Calixt von B., geb. 29. Jan. 1780, wurde nach der Vereinigung Kurlands mit dem Russischen Reiche zum russ. Gardeoffizier und Kammerherrn ernannt, trat später in preuß. Kriegsdienste und erwarb 1802 die schles. Standesherrschaft Polnisch-Wartenberg. Nachdem er an den Feldzügen der franz.-deutschen Kriege teilgenommen, starb er als preuß. Generallieutenant und Gouverneur der Festung Glatz 20. Juni 1821. Aus seiner Ehe mit Franciska, Tochter des Grafen von Maltzan, stammten 3 Söhne: Karl Friedrich Wilhelm, geb. 13. Dez. 1811, gest. 21. März 1848; Calixt Gustav Hermann, geb. 3. Jan. 1817, gest. 8. März 1882, der seinem Bruder in den Herrschaften Polnisch-Wartenberg und Perschau folgte; Peter Gustav Hermann, geb. 12. April 1818, der als preuß. Offizier 29. April 1852 starb. Chef des Hauses ist der Sohn Calixts, Gustav, Prinz B. von Kurland, geb. 17. Okt. 1859 in Dresden, preuß. Lieutenant à la suite der Armee.

Birresborn, Dorf im Kreis Prüm des preuß. Reg.-Bez. Trier, Bürgermeisterei Mürlenbach, 4 km im NNO. von Mürlenbach, an der Kyll und der Linie Köln-Trier-Conz der Preuß. Staatsbahnen, hat (1885) 850 kath. E., Post, Telegraph und liegt in vulkanischer Gegend, in der Mühlsteine gebrochen werden. In der Nähe, 1,5 km thalaufwärts rechts der Kyll, entspringt der starke Sauerbrunnen B. (jährlicher Versand: 11000 Krüge) und ihm gegenüber der Brubbeldries, eine Mofette, der kohlensaure Gase entströmen. ^[Spaltenwechsel]

Birrus (lat.), grober, steifer Überwurf mit Kapuze und langen Enden (Nocken).

Birs, 66,4 km langer, linker Zufluß des Rheins in der Schweiz, entsteht im Kanton Bern bei der Juraklause Pierre Pertuis (792 m), nimmt die Tramme auf, durchfließt im tiefen Engpaß die kurze, zweite Thalstufe, das Val Moutier (Münsterthal) und gelangt durch eine Klause in das Thal von Délémont (Delsberg), wo ihr rechts die Scheulte, links die Sorne zugehen. Durch eine neue Schlucht zwängt sie sich in das Laufenthal, empfängt links die Lützel, rechts die Lüssel und bildet den sehenswerten Fall von Laufen. Bei Äsch erreicht sie die Rheinebene, bei Birsfelden den Rhein. Durch das ganze Birsthal führt jetzt die Jurabahn.

Birschen, bürschen, pirschen, pürschen, auch weidwerken (Jägerspr.), das Anschleichen des Jägers an Wild, besonders Hochwild. Hierbei sind namentlich der Wind, das Wetter, das Terrain, die Bestandsverhältnisse und die Gewohnheiten des Wildes zu beachten. Das B. erfolgt meist zu Fuß (Birschgang), aber auch zu Wagen und zu Pferde.

Birschwege (Jägerspr.), von Laub und dürrem Holz befreite oder besonders weich hergerichtete Fußwege, auf denen man das Wild beschleicht.

Birschzeichen (Jägerspr.), Merkmale, die ein von der Kugel getroffenes größeres Wild zurückläßt: Schweiß (Blut), Haare, Knochensplitter, Mark.

Birsen, russ. Birshi, poln. Birže, Flecken im Kreis Ponewjesh des russ. Gouvernements Kowno, an der Vereinigung der Oposchtscha mit der Aglona und am See Schirwen, gehört dem Grafen Tyszkiewicz und hat 2400 E., Post, 1 russ., 1 kath., 2 evang. Kirchen, 4 israel. Bethäuser. In der Umgegend bilden sich nicht selten infolge der Auslaugung des Gipsuntergrundes Höhlen und kraterähnliche Öffnungen, die sich zum Teil mit Wasser füllen. Das Ende des 16. Jahrh. erbaute feste Schloß wurde 1625 von Gustav Adolf, 1704 von Karl Ⅻ. von Schweden erobert; 8. März 1701 kam hier der Allianzvertrag zwischen Peter Ⅰ. und August Ⅱ. von Polen gegen die Schweden zu stande. In der Nähe, rechts der Aglona, liegt das Stammschloß der Fürsten Radziwill; ein neues 1862 auf der «Insel» erbautes Schloß enthält eine Bibliothek (5000 Bände) und ein Museum. – Vgl. Tyszkiewicz, Birže, rzut oka na przeszłość (Petersb. 1869).

Birshi, s. Birsen.

Birsig, linker Nebenfluß des Rheins, entspringt 17 km südwestlich von Basel, am Fuße des Rämel im Jura, fließt bald auf deutschem, bald auf schweiz. Gebiete der Birs parallel und mündet, im Unterlaufe kanalisiert, in Groß-Basel in den Rhein.

Birsigthalbahn, s. Basel (Bd. 2, S. 461 b).

Birsk. 1) Kreis im NW. des russ. Gouvernements Ufa, hat 24615,3 qkm mit 428761 E., meist Baschkiren, dann Meschtscherjaken, Teptjaren, Russen (23 Proz.), die sich mit Anfertigung von Holzwaren, Bienenzucht, Jagd beschäftigen. – 2) Kreisstadt im Kreis B., 110 km nordwestlich von Ufa, an der Mündung der Solicha in die Bjelaja, hat (1889) 8091 E., Post, Telegraph, 4 russ. Kirchen, 1 Kloster, 6 Kapellen, 1 Lehrerseminar für Eingeborene, Ackerbau und Kleinhandel. B., im 16. Jahrh. zum Schutz gegen die Baschkiren gegründet, wurde 1781 Kreis- ^[folgende Seite]