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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blasphemieren - Blatna

daß der Staat an der Erhaltung dieses religiösen Gefühls im Volke keinen Anteil nehme, dasselbe vielmehr als etwas Gleichgültiges betrachte. Nach §. 166 des Deutschen Strafgesetzbuchs wird derjenige, welcher dadurch, daß er öffentlich in beschimpfenden Ausdrücken Gott lästert, ein Ärgernis giebt, mit Gefängnis bis zu 3 Jahren bestraft. Mit dem Ausdrucke «beschimpfen» hat ein stärkerer Grad der Beleidigung, eine grobe, durch Roheit des Ausdrucks gekennzeichnete Bekundung der Verachtung bezeichnet und mit den Worten «Ärgernis geben» festgestellt werden sollen, daß wirklich dem religiösen Gefühl durch den beschimpfenden Ausdruck ein Anstoß gegeben sein muß, und daß es nicht genüge, daß die öffentliche Lästerung objektiv so beschaffen, daß sie Ärgernis zu erregen geeignet sei. Übrigens ist Grundlage des Deliktes der Gottesbegriff, wie er in den konkreten Bekenntnissen der christl. Kirchen und der andern mit Korporationsrechten im Deutschen Reich bestehenden Religionsgesellschaften niedergelegt ist, nicht aber der Begriff der Gottheit in der weitesten Abstraktion.

Das geltende Österr. Strafgesetz von 1852 straft denjenigen, welcher durch Reden, Handlungen, in Druckwerken oder verbreiteten Schriften Gott lästert, mit Kerker von 6 Monaten bis schweren Kerker von 10 Jahren (§§. 122a, 123, 124), und der Strafgesetzentwurf von 1889 die öffentliche Gotteslästerung mit Zuchthaus oder Gefängnis bis zu 3 Jahren.

Blasphemieren (grch.), gotteslästerliche Reden führen, beschimpfen; blasphēmisch, blasphemistisch, gotteslästerlich (s. Blasphemie).

Blasrohr, in der Technik ein zur Zugerzeugung der Feuerung dienender Bestandteil der Lokomotive.

Blaß, Friedr. Wilh., Philolog, geb. 22. Jan. 1843 zu Osnabrück, studierte in Göttingen und Bonn 1860‒63, war dann Gymnasiallehrer in Bielefeld, Naumburg a. S., Magdeburg (Kloster Unserer lieben Frauen), Stettin, Königsberg i. Pr. Ende 1874 habilitierte er sich an der Universität Königsberg, wurde 1876 außerord. Professor in Kiel, 1881 daselbst ord. Professor und 1892 nach Halle berufen. Er veröffentlichte: «Die griech. Beredsamkeit von Alexander bis auf Augustus» (Berl. 1865), «Die attische Beredsamkeit» (3 Bde., Lpz. 1868‒80; Bd. 1 u. 2, 2. Aufl. 1887‒92), «Über die Aussprache des Griechischen» (Berl. 1870; 3. Aufl., ebd. 1888), die Abschnitte über Hermeneutik und Kritik, Paläographie, Buchwesen und Handschriftenkunde in dem «Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft», Bd. 1 (Nördl. 1885). Auch lieferte er Ausgaben verschiedener attischer Redner und erklärende Schulausgaben mehrerer Biographien Plutarchs.

Blässe, s. Abzeichen der Haustiere.

Blässe (Bläßchen), soviel wie Wasserhuhn (s. d.).

Bläßgans. In Europa kennt man drei B., welche wohl auseinander gehalten werden müssen: Die eigentliche B. (Anser albifrons L.), die Mittelgans (Anser intermedius Naumann) und die Zwerggans (Anser erythropus L.), die sich namentlich durch ihre Größe unterscheiden. Bei allen dreien ist die Oberseite dunkelbraun, die Flügel sind schwärzlich, die Unterseite hellbraungrau mit dunklen Flecken, die Stirn weiß, der Schnabel rotgelb mit weißer Kuppe, doch weisen die drei Arten in den letzten beiden Punkten bestimmte Abweichungen voneinander auf. Sie brüten im hohen Norden, gelangen aber im Winter öfters an die deutschen Küsten, seltener in das Binnenland. In den zoolog. Gärten findet sich in der Regel nur die erste Art, die an der holländ. Küste gefangen und von Rotterdamer Händlern für 25 M. das Paar verkauft wird. Die beiden andern Arten sind selten und dementsprechend teuer. Als Futter giebt man Gerste und Gras. ^[Spaltenwechsel]

Blassonische Nonnen, s. Humiliaten.

Blastēm (grch., «Trieb», «Keim», «Sproß»), in der Botanik die Keimpflanze; in der Physiologie der Bildungsstoff oder die Flüssigkeit, woraus die festern Bestandteile des Organismus entstehen, der ernährende Teil der tierischen Säfte, der den Geweben die zum Wachstum nötigen Stoffe zuführt.

Blasto... (vom grch. blastós), Keim..., z. B. Blastocarpus, in der Frucht keimend; Blastocystis, Keimbläschen; Blastostrōma, die Keimschicht im bebrüteten Vogelei; Blastomycēten, Keimpilze; Blastospōren, Keimflechten.

Blastocölōm (grch.), s. Blastoderm.

Blastodérm (grch.), Keimhaut. In einem frühen Stadium der Entwicklung der meisten Tiere bildet der Keim eine einfache, blasenartige, Haut, die aus einer einzigen Schicht sich polyedrisch gegeneinander abflachender hoher Zellen besteht und als B. die Keimhöhle oder das Blastocölom umhüllt.

Blastoïdēen, Knospenstrahler, eine paläozoische, vorzugsweise aus dem amerik. Kohlenkalk bekannte Ordnung der Seelilien oder Crinoideen, welche einen aus wenigen Kalktäfelchen zusammengesetzten, höchstens zolllangen pentagonalen Kelch von Becherform,und statt der Arme fünf vom Scheitel ausstrahlende Felder besitzt; die bekannteste Gattung ist Pentremites. (S. vorstehende Figur eines Pentremites florales Röm., a von oben, b von der Seite gesehen.) ^[Abb. Blastoideen]

Blastŭla, die Keimblase des Eies, s. Gastrula.

Blatna. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 680,77 qkm und (1890) 50091 E., 7641 Häuser, 10561 Wohnparteien in 88 Gemeinden mit 154 Ortschaften, 1880: 52598 (25229 männl., 27369 weibl.) E., darunter 51919 Katholiken und 670 Israeliten, und umfaßt die Gerichtsbezirke B. und Březnic (Břesnitz). – 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft B., nordwestlich von Pisek, in flacher, von Hügeln gesäumter Gegend, hat (1890) 2973, als Gemeinde 3078 czech. E., Post, Telegraph, Bezirksgericht (339 qkm, 52 Gemeinden, 84 Ortschaften, 26952 E.), eine got. Kirche (von 1444), ein in den letzten Jahren erneuertes Schloß auf einer Insel in einem großen Teiche, mit merkwürdigen Bauresten (14. Jahrh.), einer Kapelle und einer wertvollen Bilder- und Büchersammlung; 1 Zucker-, 1 Schuhwaren-, 2 Perlmutterfabriken, 3 Brauereien, 3 Spiritusbrennereien und Landwirtschaft. Eine steinerne Brücke verbindet das Schloß mit der Stadt, eine hölzerne Zugbrücke mit dem anstoßenden Part, der wegen seiner 5‒700