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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blechbearbeitung

deren Bauart Fig. 8 veranschaulicht. Der Prägstempel a ist in der Prismenführung b geführt und wird von der Antriebwelle c aus unter Vermittelung des Radvorgeleges d e und der Excenterwelle f bewegt. Die Gegenform des Stempels ruht auf dem mittels des Schraubengetriebes g verstellbaren Tisch h. Ein von der Vorgelegswelle aus betriebenes Hebelwerk i dient zum selbstthätigen Auswerfen der fertigen Wertstücke. – Das Drücken des Bleches, das insbesondere zur Herstellung von Hohlkörpern mit kreisförmigem oder ovalem Querschnitt dient, hält bezüglich seiner Ausführung die Mitte zwischen dem Prägen und Treiben, indem bei demselben die Formänderung statt wie bei dem letztern durch eine Anzahl dicht aneinander gesetzter Schläge, durch einen Druck hervorgebracht wird, der, nach einer Schraubenlinie fortschreitend, das Arbeitsstück an eine Holz- oder Metallform (Drückfutter) anschmiegt. Futter und Arbeitsstück sind hierbei an der rasch umlaufenden Spindel einer Drehbank (Drückbank) befestigt; zur Druckausübung dient ein am Arbeitsende verstählter und ballenförmig oder hornartig gestalteter Eisenstab (Drückstahl), den der «Drücker» mit den Händen faßt und, durch die Auflage der Drehbank unterstützt, gegen das gefettete Arbeitsstück führt. – Für die Herstellung von Falzen, Gesimsprofilen, scharfen, stumpfen und rundlichen Abbiegungen an Blechtafeln bis zu 2 m Länge bietet die Abbiegemaschine, auch Abkante- oder Falzmaschine genannt, ein treffliches Hilfsmittel. Die Hauptteile dieser Maschine bilden drei an den Kanten gerade gehobelte Eisenwangen (Fig. 3), die so angeordnet sind, daß die beiden Spannwangen a, b übereinander, die Biegwange c und Spannwange b aber nebeneinander liegen. Die Spannwangen fassen das abzubiegende Blech zangenartig und werden durch den Druck zweier Excenter e geschlossen. Eine verstellbare Anschlagschiene d bestimmt die Kantbreite. Die Biegwange ist um ihre obere, der Wange b zunächst liegende Arbeitskante drehbar und biegt bei der Drehung aus der Stellung c in die Stellung c' das von den Spannwangen gehaltene Blech um die Arbeitskante der Wange a winkelförmig ab. Der Abstand der Biegwangenkante von den Spannwangen bestimmt die Schärfe der Abkantung, sodaß durch die Vergrößerung desselben rundliche Abbiegungen erhalten werden. Die Maschinen sind teils liegend, teils stehend angeordnet, letzteres, insbesondere die größten, für die Verarbeitung von Eisenblechtafeln bis 2 m Länge und 3 mm Dicke bestimmt. – Nächst diesen, für die Herstellung kantiger Biegungen bestimmten Maschinen bilden die zum Runden des Bleches, zum Zweck der Herstellung von Röhren verschiedener Weite bestimmten Rundmaschinen eine der Hauptarten von Blechbearbeitungsmaschinen. In der durch Fig. 9 veranschaulichten Bauart sind derartige Maschinen zum Runden von Blechen bis 10 mm Dicke und 4 m Länge geeignet. Das Biegen erfolgt mittels dreier cylindrischer Walzen, von denen, wie dies Fig. 7 zeigt, die beiden Transportwalzen a und b übereinander liegen und durch zwei Zahnräder so verbunden sind, daß sie bei der Drehung in verschiedenem Sinne umlaufen. Die dritte Walze c, die Biegwalze, ist hinter den erstgenannten Walzen gelagert und kann in einem Führungsschlitz des Gestelles durch Excenter oder Schrauben hoch und tief gestellt werden. Sie bestimmt die Krümmung des gebogenen Bleches derart, daß der höchsten Stellung der kleinste Krümmungshalbmesser, also das engste Rohr, entspricht. Um bis zum Schluß der Rundung gebogene Röhren aus der Maschine entfernen zu können, ist die obere Transportwalze so gelagert, daß sie ohne Schwierigkeit aus einem ihrer Lager ausgehoben und dann das fertige Rohr von ihr abgezogen werden kann. Um auch solche Bleche runden zu können, an deren Rand sich eine Drahteinlage oder ein Hohlumschlag befindet, sind an dem einen Ende der Walzen verschieden weite Drahtnuten eingedreht. – Die Maschinen zum Sieken, Bördeln, Drahteinlegen und Prägen von fortlaufenden Simsstreifen, die in der mechan. Bearbeitung des Bleches eine hervorragende Bedeutung besitzen, sind Walzwerke, deren Walzen an den über das stützende Gerüst hinausragenden Enden Kaliber tragen, die den verschiedenen Arbeiten entsprechend gestaltet sind. Durch Auswechselung der kalibrierten Walzenteile wird ein solches Walzwerk, wie es Fig. 2 der Tafel veranschaulicht, für die vielseitigste Verwendung geeignet. Um jedoch in größern Werkstätten die möglichst rasche Verwendbarkeit der Maschine zu sichern, pflegt man für die Hauptarbeiten besondere Maschinen aufzustellen, die dann ihrer Verwendung entsprechend als Siekenmaschinen, Bördelmaschinen, Gesimsmaschinen u. s.w. bezeichnet werden. Das vordere Lager der obern Walze dieser Maschinen ist in der Höhenrichtung verstellbar, um nach Bedarf das Kaliber der sog. Façonwalzen zu öffnen oder zu schließen, sodaß auch geschlossene Rohre auf der Maschine bearbeitet werden können, sobald der Rohrdurchmesser größer als der Kaliberwalzendurchmesser ist. Eine Führungsplatte, die in verschieden großem Abstand von den Kalibern eingestellt werden kann, dient in besondern Fällen zur sichern Führung des Arbeitsstückes. In andern Fällen, wie beim Bördeln und Vornehmen, welche Arbeiten die beistehenden Fig. 1 und 2 veranschaulichen, fällt die Führung allein der Hand des Arbeiters zu. Besonders große Gesimsmaschinen, die zuweilen auch für Motorenbetrieb eingerichtet sind, werden zur Herstellung breiter Simsstreifen aus Zinkblech zum Schmuck von Bauwerken verwendet. Zur Formung gerader Streifen dieser Art stehen in den Bauklempnereien auch Ziehbänke (Fig. 5) in Gebrauch, die mit Riemenzug, Kettenzug, Zahnstange oder Schraubenspindel sowie für Hand- oder Motorenbetrieb eingerichtet sind. Das «Zieheisen» derselben wird aus zwei in der Regel aus Zink gegossenen Ziehbacken gebildet, die übereinander stehen und an den gegeneinander gerichteten Arbeitsseiten, dem herzustellenden Simsquerschnitt entsprechend, profiliert sind, sodaß sie dem auf der Abbiegmaschine vorbereiteten Arbeitsstück beim Durchzug die genaue Endform zu erteilen vermögen.

^[Abb. Fig. 1]

^[Abb. Fig. 2]