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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blechbearbeitung

bogenförmig begrenzter Blechstücke findet das Bördeleisen (s. d.) Anwendung. Komplizierte Körperformen werden durch Treiben (s. d.), Schweifen (s. d.), Auf- und Einziehen erhalten, Arbeiten, die eine große Geschicklichkeit des Arbeiters erfordern, und bei denen Stock, Liegamboß, Schweifstock, Horn und Pfaff sowie eine Reihe verschiedener Hämmer mit kugeliger, ballenförmiger oder cylindrischer Bahn, die Treib-, Teller-, Schweif- und Siekenhämmer (s. Sieken) ausgedehnte Verwendung finden. – 3) Die Verbindung der geformten Stücke erfolgt bei der B. entweder durch Nieten (s. Niet), Falzen (s. d.) oder Löten (s. d.) mit Zinn- und Schlaglot. Von diesen Verbindungsarten findet das Falzen bei allen Blecharten Anwendung, während das Nieten vorzugsweise bei Schwarzblech, das Weichlöten bei Weißblech, Zink-, Messing- und Neusilberblech, das Hartlöten bei Kupferblech in Gebrauch steht. Niet-, Falz- und Hartlotnähte sind feuerfeste Verbindungen und werden daher stets da angewendet, wo der gefertigte Gegenstand höhern Temperaturen ausgesetzt werden soll, wie z. B. bei Kochgefäßen und Einrichtungen für Feuerungs- und Heizanlagen. – 4) Die Schlußarbeiten bestehen bei der B. im Verputzen der Lötnähte sowie dem Polieren, Reinigen und Putzen der fertigen Arbeitsstücke. Solchen aus Schwarzblech wird zuweilen durch Schwärzen mit Graphit eine gleichförmige Färbung gegeben, Gegenstände aus Weiß- und Zinkblech werden nicht selten durch Lackieren verschönt.

In neuerer Zeit hat die B. insofern einen großen Umschwung erfahren, als die Handarbeit nach amerik. Vorbild gegenwärtig in allen ihren Teilen durch (Einführung der mechanischen B. sehr zurückgedrängt worden ist. Zur Zeit werden Blechbearbeitungsmaschinen verwendet, die nicht nur rascher und müheloser zum Ziele führen, sondern auch, ohne an die Geschicklichkeit des Arbeiters größere Anforderungen zu stellen, der Ausführung der Arbeit Vollkommenheit sichern. Die alten Verfahrungsweisen des Treibens, Schweifens, Einziehens u. s. w. sind in der mechanischen B. durch die einfachern Verfahren des Drückens, Prägens, Stanzens u. s. w. mit Vorteil ersetzt worden, während für die Ausführung der in ihren Grundzügen nicht geänderten Arbeiten des Schneidens, Biegens, Kantens, Bördelns (s. d.), Siekens (s. d.) u. s. w. geeignete Maschinenanordnungen erdacht worden sind, die in Bezug auf Güte und Größe der Leistung die Handarbeit bei weitem übertreffen.

Die Zerteilung oder das Zuschneiden des Bleches, dessen richtige Ausführung die Grundbedingung für das Gelingen aller übrigen Arbeiten bildet, erfolgt in der mechanischen B. mittels Scheren und Schnitten. Je nachdem die erstern zum Schneiden gerader Kanten oder zur Ausführung bogenförmiger Schnitte dienen, unterscheidet man Tafel- oder Schlagscheren und Kreisscheren. Die Tafelschere für dünnere Bleche besitzt, wie dies Fig. 6 der Tafel: Blechbearbeitungsmaschinen erkennen läßt, ein festes und ein bewegliches Scherenblatt (a und b). Das letztere, bei Handbetrieb durch einen Hebel, einen Fußtritt oder eine Kurbel, bei Kraftbetrieb von einer Transmission aus bewegt, schwingt entweder um eine feste Drehachse (c), Hebelschere, oder erhält eine Parallelbewegung, Parallel- oder Guillotinenschere. Das zu zerteilende Blech ist während des Schneidens von einem Tisch (d) gestützt und gegen einen die Lage der Schnittlinie bestimmenden und deshalb verstellbaren Anschlag (e) gestoßen. Je nach der Messerlänge und der Stärke des Baues trennen derartige Scheren bei einem Schnitt oder Schlag Eisenbleche von 265 bis 2250 mm Länge und bis 5 mm Dicke. Für die Zerteilung starker Bleche, Flacheisen und Rundeisen (bis 20 mm Durchmesser) finden Hebelscheren mit doppelter Übersetzung und kurzen Blättern, ohne Tisch (s. Fig. 1) in den Schwarzblechklempnereien, Schlossereien u. s. w. mit Vorteil Anwendung. – Das Ausschneiden kreisförmiger Scheiben (Böden) von etwa 40 bis 1000 mm Durchmesser erfolgt mit Hilfe von Kreisscheren (Fig. 4). Zwei kreisförmige am Rande zugeschärfte Scheiben bilden hier die Scherenblätter, die an den Enden zweier, meist unter einem spitzen Winkel gegeneinander gerichteten Achsen befestigt sind und sich mit den Schneiden berühren. Die Blechtafel wird im Mittelpunkt der abzutrennenden Kreisscheibe durch einen Körner erfaßt, der am offenen Ende des Bügels gelagert ist und so gegen die Scherenblätter gestellt wird, daß diese die herzustellende Schnittlinie berühren, worauf durch Drehung der Scherenachsen die Abtrennung des Bodens erfolgt. Durch besondere Einrichtung der Einspannvorrichtung oder durch Benutzung einer ebenen Führungsplatte zur Leitung des Bleches, kann die Kreisschere auch zum Schneiden ovaler Scheiben und gerader Streifen brauchbar gemacht werden. Für das Ausschneiden von Böden aus großen Blechtafeln, deren Drehung unmöglich ist, werden Kreisscheren benutzt, deren Scherenblätter während der Drehung der den Boden begrenzenden Schnittlinie entlang fortgeführt werden. – Schnitte, Schnittstanzen oder Durchschnitte (s. auch Lochmaschine) finden in der Blechindustrie insbesondere beim Ausschneiden kleiner, verschieden gestalteter Blechscheiben oder Zierstreifen Anwendung, wie sie bei der Massenfabrikation mancher Gegenstände, wie Büchsen, Blechspielwaren, Lampenteile u. dgl. verarbeitet werden. Nicht selten schließt sich hierbei an das Ausschneiden des Rohstücks sofort dessen Ausgestaltung zu dem Gebrauchsgegenstand durch Pressen, Prägen oder Ziehen an. Die Einrichtung der Schnittstanzen deckt sich daher auch in vielen Fällen mit derjenigen der Präg- und Ziehpressen; als Beispiel s. Fig. 10, die eine Schraubenpresse mit Reibungsantrieb darstellt. Diese Bauart erweist sich insbesondere für die Ausführung solcher größerer Präg- und Stanzarbeiten aus Kupfer, Messing und Zink geeignet, die sonst mit Hilfe des Fallwerks (s. d.) hergestellt werden. Am untern Ende des mit der Schraubenspindel a verbundenen, senkrecht geführten Schlittens b ist die Oberstanze eingespannt. Ihr gegenüber liegt auf dem Tisch c des Gerüstes die Unterstanze oder Matrize. Das am obern Spindelende sitzende, am Umfang cylindrisch abgedrehte und belederte Schwungrad d bildet mit den beiden Scheiben e und f, die mit der Antriebwelle g verschiebbar sind, ein Reibungsgetriebe, durch das bei stetiger Drehung der Welle der Preßspindel abwechselnd eine Rechts- und Linksdrehung erteilt wird, je nachdem der Arbeiter mittels des Steuerhebels h die eine oder die andere der beiden Scheiben e und f gegen das Schwungrad preßt. – Zum Stanzen kleiner, flacher Gegenstände sind Handschraubenpressen (s. Balancierpresse), für tiefere, wie z. B. Patronenhülsen, Excenterpressen mit Elementarkraftbetrieb, sog. Kraftziehpressen in Anwendung,