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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bode (Joh. Elert) - Bödeli

Staßfurt fließt, um bei dem anhält. Flecken München-Nienburg unterhalb Bernburg nach einem sehr gewundenen Laufe, im ganzen 100 km lang, in die Saale zu münden. Als Zuflüsse nimmt die B. auf dem Harze selbst rechts die Rappbode und weiterhin die Luppbode, in der Ebene rechts die Selke, links die Goldbode und Holzemme auf. Bei Oschersleben wird die B. durch den Großen Bruchgraben nach W. hin mit der Ilse und so mit der Oker, mithin das Elbe- mit dem Wesergebiet in Verbindung gesetzt. - 2) Nebenfluß der Wipper, entspringt bei Groß-Bodungen, Kreis Worbis des preuß. Reg.-Bez. Erfurt.

Bode, Joh. Elert, Astronom, geb. 19. Jan. 1747 zu Hamburg, wurde 1772 als Astronom der Akademie in Berlin angestellt, 1782 deren Mitglied, 1780 Direktor der Sternwarte, legte 1825 sein Amt nieder und starb 23. Nov. 1820 in Berlin. Er veröffentlichte «Berechnung und Entwurf der Sonnenfinsternis vom 5. Aug. 1766» (Berl. 1706), «Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels» (11. Aufl., ebd. 1858), und begründete 1770 die «Astron. Jahrbücher oder Ephemeriden» (54 Bde., ebd. 1776-1829), die nachher als «Berliner astron. Jahrbuch» von Encke und später von der Berliner Sternwarte fortgesetzt wurden und jetzt jedem Astronomen unentbehrlich sind. Auch seine «Erläuterung der Sternkunde» (2 Bde., Verl. 1778; 3. Aufl. 1808) enthält viel Wertvolles. Sein Himmelsatlas in 20 Blättern, die «Uranographia sive astrorum descriptio» (ebd. 1801; 2. Aufl. 1818), umfaßt 17240 Sterne, gegen 12000 Sterne mehr als die frühern Karten. Noch größere Verbreitung fand die «Représentation des astres» (Strals. 1782), die auf 34 kleinern Blättern alle über dem Horizont von Berlin mit freiem Auge sichtbaren und außerdem noch die wichtigsten teleskopischen Sterne sowie einen Katalog und eine mytholog. Erläuterung zu den einzelnen Sternbildern enthält. Von seinen übrigen Schriften sind noch zu erwähnen der «Entwurf der astron. Wissenschaften» (Berl. 1793; 2. Aufl. 1825) und «Allgemeine Betrachtungen über das Weltgebäude» (ebd. 1801; 3. Aufl. 1834). B. erkannte zuerst die von Piazzi entdeckte Ceres als Planeten.

Bode, Joh. Joach. Christoph, Buchhändler und Übersetzer, geb. 16. Jan. 1730 zu Braunschweig, wurde 1750 Hoboist bei einem braunschw. Regiment. Seit 1752 Hoboist in Celle, nahm er 1756 den Abschied und wandte sich nach Hamburg, wo er, als Sprach- und Musiklehrer thätig, 1762 - 63 den «Hamburger Correspondenten» leitete und eine Buchdruckerei errichtete. B. verlegte eigene und fremde Werke (wie Klopstocks «Oden», Claudius' «Wandsbecker Bothe», Schröders «Hamburger Theater» u. s. w.) und verband sich mit Lessing zu einer «Buchhandlung der Gelehrten», bei der er sein Vermögen einbüßte. Mit den Leitern des hamburgischen Theaters, Ackermann und Schröder, stand er in nahen Beziehungen. Er ging 1778 mit der Witwe des Grafen Bernstorff als deren Geschäftsführer nach Weimar, wurde von mehrern Fürsten mit Titeln geehrt und starb 13. Dez. 1793 zu Weimar. In den letzten Jahrzehnten war er eifriges Mitglied des Freimaurerordens, den er zu reformieren suchte. B. gewann durch seine vortrefflichen und vielgelesenen Übersetzungen der humoristischen Romane Sternes, Smollets und Fieldings, des «Dorfpredigers von Wakefield» von Goldsmith, der «Gedanken und Meinungen» Montaignes u. a. auf die Entwicklung der deutschen Litteratur entschiedenen Einfluß. Vgl. Böttiger, B.s litterar. Leben (Berl. 1790).

Bode, Jul. Emil, Artillerieoffizier, geb. 28. April 1835 zu Rothenburg a. d. Fulda, wurde 1854 Hess. Offizier, 1866 nach Preußen übernommen und 1868 zur Artillerie-Prüfungskommission in Berlin kommandiert, welcher er als Assistent, Mitglied und zuletzt Abteilungschef bis zu seinem Tode angehörte. Er starb 17. Mai 1885 in Berlin als Oberstlieutenant. B. war einer der in technischer Beziehung fruchtbarsten Artilleristen der Neuzeit; die deutsche Artillerie verdankt ihm viele Vervollkommnungen auf dem Gebiete der Pulverfragen und der Ballistik.

Bode, Leop., Historienmaler, geb. 11. März 1831 zu Offenbach, war erst Schüler von Jak. Becker und Passavant am Städelschen Institut zu Frankfurt, seit 1850 Schüler von Steinle. An des letztern Malweise schlössen sich Ruth (1856) und einige Bilder aus Brentanos «Chronica eines fahrenden Schülers» an. Dann bereiste er Bayern, Tirol und die Schweiz. Seine Bilder aus den letzten Jahren zeigen deutlich den Einfluß Schwinds; hierher gehören: Die Alpenbraut (1864), König Pippin und Bertha (beide in der Galerie Schack zu München), Alpenrose und Edelweiß, Graf von Habsburg und der Aquarellencyklus zu Fouqués «Undine» und zu Shakespeares «Wintermärchen».

Bode, Wilhelm, Kunsthistoriker, geb. 10. Dez. 1845 zu Calvörde im Herzogtum Braunschweig, studierte 1864-67 in Göttingen und Berlin die Rechte, trat dann in braunschw. Staatsdienste, ging aber Ostern 1869 zum Studium der Kunstgeschichte auf ein Jahr nach Berlin und hierauf auf ein Jahr nach Wien. 1871 hielt er sich zu Kunststudien in Dalmatien und Italien, 1872 in Petersburg, Stockholm und Kopenhagen auf. Im Sommer 1872 wurde er Assistent der Gemäldegalerie des Berliner Museums und der Abteilung der christl. Plastik, 1880 Direktor der letztern. 1889 wurde er zum Geh. Negierungsrat ernannt; 1890 wurde ihm auch die Leitung der Gemäldegalerie anvertraut. Er veröffentlichte u. a.: «Studien zur Geschichte der Holland. Malerei» (Braunschw.1883), «Bilderlese aus kleinern Gemäldegalerien in Deutschland und Österreich» (Wien 1885-92), «Die Plastik» (Bd. 2 der «Geschichte der deutschen Kunst», Berl. 1885), «Ital. Bildhauer der Renaissance» (ebd. 1887), «Die Großherzogl. Gemäldegalerie in Oldenburg» (Wien 1888), «Die Grohherzogl. Gemäldegalerie zu Schwerin» (ebd. 1891).

Bodega (span.), Keller, Weinschenke; auch Weinbau, Ertrag der Weinlese; in Seehäfen ein Warenmagazin ; im Schiff der Teil unter dem Verdeck.

Bodel (spr. -déll), Jean, franz. Menestrel, geb. in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh, zu Arras, war im Begriff 1205 als Kreuzfahrer nach dem Heiligen Lande zu ziehen, als er vom Aussatz befallen wurde. Diesem Umstände verdankt sein interessantes Abschiedsgedicht: «Li congies» (zuletzt hg. von Reynaud 1880), seine Entstehung. Er schrieb außerdem das Mirakelspiel «Li Jeus de St. Nicolas» (hg. von Michel und Monmerqué im «Théâtre français du moyen-âge», Par. 1839; vgl. Heithecker, Jean B.s «Jeu de Saint Nicolas», Münster 1885), einige Pastorellen (hg. von Bartsch, Lpz. 1870) und erneuerte einige ältere epische Lieder des Karlssagenkreises in «La chanson des Saisnes ou de Guiteclin» (hg. von Michel, Par. 1839).

Bödeli, die durch die Anschwemmungen der Lütschinen gebildete Thalniederung zwischen dem Thu-^[folgende Seite]