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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Boden (Bodenraum) - Bodenbearbeitung

standteil das Wasser; d. organische: Humussäure, Ulminsäure, Quellsäure, Geinsäure, Quellsalzsäure. Die unorganischen Bodenbestandteile bilden die Nahrung der Pflanzen und sind in deren Asche nachzuweisen. Dem Landwirt ist nur die oberste lose Erdrinde als Werkstätte der Kultur wichtig. Er unterscheidet zwei Schichten derselben: Ackerkrume (s. d.) und Untergrund. Je nach der Verteilung und örtlichen Lage unterscheidet man: Marsch-(Niederungs-) und Höhe-(Geest-)boden; Gebirgs- und Heideboden; Aueboden (der Flußthäler), Lehneboden (an den Abhängen, Lehnen), Torf- und Moorboden, Klei-(zäher Thon-)boden u. s. w.

Hinsichtlich seiner physikalischen Verhältnisse kommen bei der landwirtschaftlichen Verwertung des B. in Betracht: Dichtigkeit und specifisches Gewicht; Absorptionsfähigkeit für Pflanzennährstoffe, Adhäsionskraft oder Zusammenhang seiner Einzelteile, in Verbindung mit der Fähigkeit des Durchlassens der Feuchtigkeit und der Kapillarität; Austrocknungsvermögen; Einsaugungsfähigkeit bezüglich der Feuchtigkeit und der Gase; Wärmekapacität und Wärmehaltungsvermögen. Die Klassifikation des B. vom landwirtschaftlichen Gesichtspunkte aus ist bisher nach verschiedenen Principien geschehen; nach den in die Augen fallenden mechan. Bestandteilen (Thon, Lehm, Kalk, Sand u. s. w.); nach den auf dem B. gebauten Nutzpflanzen (Weizen, Gerste, Klee u. s. w.); nach den wildwachsenden Pflanzen; nach dem geognostisch-Mineralog. Ursprünge und Bestände. Die Klassifizierung nach den Nutzgewächsen ist für die heutige Kultur nicht mehr passend, da durch richtige Melioration ein B. für die verschiedensten Früchte geeignet gemacht, z. B. ein bisher nicht kleefähiger B. durch Kalk- oder Mergeldüngung in einen kleefähigen umgewandelt werden kann. Die wildwachsenden Pflanzen geben nur in Gebirgsgegenden einen sichern Anhalt für die Beschaffenheit des B. Die erstgenannte Methode nach den mechan. Gemengteilen, welche schon Thaer anwandte, gewährt in landwirtschaftlicher Hinsicht die sicherste Grundlage für die Klassifikation, da von der mechan. Mischung des V., welche wieder die physik. Beschaffenheit desselben bestimmt, von dem prävalierenden Bestandteile, die Fruchtbarkeit in erster Linie abhängig ist, während der Ursprung des B., sein Mineralog. Bestand, wenn auch von Wichtigkeit, doch erst in zweiter Linie in Betracht kommt. Man teilt danach den B. ein in: 1) Thon-, 2) Lehm-, 3) Sand-, 4) Kalk-, 5) Mergel-, 6) Humus-, 7) Schuttboden. (S. auch Ackerbau, Bodenbearbeitung, Bodenerschöpfung, Melioration.)

Litteratur. Bennigsen-Förder, Erforschung der Ackerkrume (Berl. 1861); Fallou, Pedologie oder Bodenkunde (Hauptwerk, Dresd. 1862); Senft, Die Humus-, Marsch-, Torf- und Limonitbildungen zur Erzeugung neuer Erdrindelagen (Lpz. 1862); Girard, Grundlagen der Bodenkunde (Halle 1867); Fallou, Anfangsgründe der Bodenkunde (2. Aufl., Dresd. 1865); Rochet, Étude sur le sol (Bordeaux 1866); Godefroy, Cours de géologie agricole (Par. 1867); Wilckens, Bodenkunde und Geologie (Berl. 1867); Orth, Beiträge zur Bodenuntersuchung u.s.w. (ebd. 1868); Meugy, Leçons de géologie appliquée à l'agricultues (Troyes 1868); Higgins, Earth, ist physical condition (Lond. 1869); I. C. I. Müller, Zwanzig kurze, populäre Briefe über den B. (Schwäbisch-Hall 1869); Gras, Traité de géologie agronomique (Lyon 1870); Purgold, Geognosie und Landwirtschaft (Prag 1872); Gasparin, AGROLOGIE (Par. 1872); Burat, Applications de la géologie à l'agriculture (ebd. 1872); Detmer, Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der allgemeinen landwirtschaftlichen Bodenkunde (Lpz. 1876); Senft, Lehrbuch der Gesteins- und Bodenkunde (2. Aufl., Berl. 1877); Fesca, Die agronomische Bodenuntersuchung und Kartierung (ebd. 1879); Wildt, Katechismus der Agrikulturchemie (6. Aufl., nach Hamm neu bearbeitet, Lpz. 1884); Hosäus und Weidenhammer, Grundriß der landwirtschaftlichen Mineralogie und Bodenkunde (4. Aufl., ebd. 1885); Dafert, Kleines Lehrbuch der Bodenkunde (Bonn 1885); Nowacki, Praktische Bodenkunde (2. Aufl., Verl. 1892).

Boden, Bodenraum, der Raum eines Hauses unmittelbar unter dem Dach, der zumeist als Aufbewahrungsort für außer Gebrauch gestellte Einrichtungsgegenstände oder zum Trocknen der Wäsche (Wäscheboden) u. dgl. benutzt wird.

Bodenanalyse, chem. Untersuchung des Bodens auf seine Bestandteile. Durch die B. kann die Fruchtbarkeit eines Bodens nicht festgestellt werden, dagegen gewährt sie wichtige Anhaltspunkte betreffs des Fehlens von Pflanzennährstoffen oder des Vorhandenseins von Stoffen, welche das Pflanzenwachstum schädlich beeinflussen. Eine B. auf Chlor, Eisenoxyd, Kalk, Magnesia, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Stickstoff, Thonerde kostet je 7 M., auf Kali, Natron (in Salzsäure löslich) je 10 M. - Vgl. Steinriede, Anleitung zur mineralogischen B. (Lpz. 1889).

Bodenbach, czech. Pomokly, Dorf in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Tetschen in Böhmen, an der Mündung des Eulauerbaches in die Elbe nahe der sächs. Grenze, in 131 m Höhe, in anmutiger Gegend, an den Linien B.-Tannenberg (40 km) der Böhm. Nordbahn, B.-Dux-Komotau (80 km) der Österr. Staatsbahnen, Wien-Brünn-Prag-B. (540 km) der Österr.-Ungar. Staatsbahn und Dresden-Mittelgrund-B. (63 km) der Sächs. Staatsbahnen, mit dem gegenüberliegenden Tetschen durch eine Ketten- und eine Eisenbahnbrücke verbunden, hat (1390) 3075, als Gemeinde 7574 E., Post, Telegraph, ein österr. und ein sächs. Hauptzollamt, eine neue Wasserleitung, einen großen Bahnhof, sehr lebhaften Transitverkehr, eine Baumwollspinnerei, Fabrikation von Steingut, Chamotte und Siderolith, Baumwoll- und Schafwollwaren, Chemikalien, Cichorien, Schokolade und Konditoreiwaren (Jordan u. Timäus) und eine große gräft. Thunsche Bierbrauerei. Unmittelbar über B. die Schäferwand, ein 210 m schroff von der Elbe aufsteigender Felsen mit schöner Aussicht.

Bodenbearbeitung, die Zurichtung des Bodens für die Aussaat sowie die Lockerung des Bodens zwischen den in Reihen gepflanzten Früchten. Sie ist für die Pflanzenkultur von größter Wichtigkeit und bezweckt tiefer liegende Erdschichten immer wieder mit dem Sauerstoff der Luft in Verbindung zu bringen, dadurch das Aufschließen und Verwittern gewisser Mineralien zu befördern und den Boden zur Aufnahme von Feuchtigkeit, Luft und Wärme geeigneter zu machen. Weder Gartenbau, Landwirtschaft, noch die Forstkultur können die B. entbehren. Im Gartenbau wird die B. durch Rigolen, Graben, Hacken, Behäufeln (s. diese Artikel) bewirkt, in der Landwirtschaft durch Pflügen, für tiefe Lockerung an Stelle des Rigolens durch Arbeiten mit dem Untergrundpflug, durch Eggen, Krümmern und Walzen,