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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bodenheim - Bodenkunde

Bodenheim, Ort im Kreis Oppenheim der Hess. Provinz Rheinhessen, 9 km südöstlich von Mainz, an der Linie Mainz-Worms-Grenze der Hess. Ludwigsbahn, hat (1890) 2351 E., darunter 120 Evangelische und 69 Israeliten, Postagentur, Telegraph, 1 kath. Kirche (1830 erbaut) und Muttergotteskapelle (1889 erbaut), 1 evang. Kirche, 1888 im freien Felde an der Stelle der alten, 1794 von den Franzosen zerstörten Wallfahrtskapelle erbaut, ein Rathaus (1608), 5 Volksschulen, mehrere Backsteinbrennereien, 2 Hefefabriken, sowie Weinbau, Landwirtschaft und Viehzucht. - B., urkundlich zuerst 756 als "Vaterheim" genannt, hatte damals schon Weinbau; es gehörte 1277-1797 dem Mainzer Albanskloster, mit dem es dasselbe Wappen, einen Esel, hat. Von 1797 bis 1814 französisch, kam die Stadt dann an das Großherzogtum Hessen.

Bodenimpfung nennt man ein Verfahren beim Anbau der Leguminosen, den Boden, welcher bisher diese Gewächse nicht oder nur in unvollkommenem Maße produzierte, durch Überstreuen und Vermengen mit verhältnismäßig geringen Erdmengen von solchen Feldern, auf denen diese Früchte vorzüglich gedeihen, gleichfalls zum Anbau derselben geeignet zu machen. Alle Papilionaceen und besonders die Leguminosen (Kleearten, Hülsenfrüchte) besitzen an den Wurzeln eigentümliche Organe, die sog. Wurzelknöllchen, durch welche die Pflanzen befähigt werden, aus der Bodenluft Stickstoff als Nahrung aufzunehmen und sich von der Stickstockzufuhr ^[richtig: Stickstoffzufuhr] im Dünger unabhängig zu machen. Zum üppigen Gedeihen der Papilionaceen sind diese Knöllchen, welche von einigen Forschern als Symbiose zwischen einer Bakterienart und der betreffenden Pflanze aufgefaßt werden, unentbehrlich, sie treten jedoch nur auf Bodenarten auf, welche längere Zeit die betreffenden Pflanzen getragen, oder durch wässerigen Bodenauszug bez. Überstreu solches Bodens (Impfung) mit der betreffenden Bakterienart infiziert sind. Salfeld hat nach dem Vorgange Hellriegels, der zuerst auf diese wichtige Funktion der Wurzelknöllchen aufmerksam machte, auf gebranntem Hochmoorboden neuerdings gelungene Versuche mit B. für den Anbau von Hülsenfrüchten angestellt.

Bodenkamm oder Bodensäge, ein Werkzeug für Faßbinder, dient bei kleinern hölzernen Geschirren zur Verfertigung der Nuten, in die später der Boden des Geschirres eingesetzt wird.

Bodenklassen, s. Bonitierung, Grundkataster.

Bodenklassifikation, Einteilung der Bodenarten nach Entstehungsweise, Zusammensetzung oder Fruchtbarkeit, s. Boden und Bonitierung.

Bodenkredit, s. Landwirtschaftlicher Kredit.

Bodenkreditbanken oder Hypothekenbanken sind Banken, deren Eigenart darin besteht, daß sie den langfristigen Kredit vermitteln, also solchen einerseits nehmen und andererseits gegen hypothekarische Sicherheit weiter geben. Das eigene Barkapital dient nur als Garantiefonds und zur Einleitung der Geschäfte. Banken dieser Art entsprechen dem Kreditbedürfnisse der Grundbesitzer, der städtischen Bauunternehmer, der Meliorationsgenossenschaften und liefern auch der Industrie vielfach eine Ergänzung ihres stehenden Kapitals. Auch den Gemeinden und andern öffentlichen Korporationen gewähren sie häufig Darlehen. Zeitweise verfügbare Summen können sie in Wechseln oder kurzfälligen Lombarddarlehen anlegen, und auch andere derartige Bankgeschäfte (s. Banken) sind nicht ausgeschlossen, wenn sie nur als Nebengeschäfte und mit der nötigen Beschränkung und Vorsicht betrieben werden. Die Mittel zu ihren Kreditgewährungen verschaffen sich die B. hauptsächlich durch die Ausgabe von Obligationen oder Pfandbriefen (s. d.), die für den langfristigen Kredit eine ähnliche Bedeutung haben wie die Banknoten für den kurzfristigen. Es sind meistens auf den Inhaber lautende Wertpapiere, die vollständig gedeckt sein müssen durch von der Bank erworbene gute Hypotheken. Sie sind fest verzinslich und werden nach einem bestimmten Tilgungsplane meistens durch Auslosung und auch wohl mit Prämien und Lotteriegewinnen zurückgezahlt. In andern Fällen haben sich die B. ihrerseits das Kündigungsrecht vorbehalten, um bei günstigen Gelegenheiten ihre Schuldverschreibungen zu einem niedrigern Zinsfuß ausgeben zu können (s. Konversion). Häufig geben die B. ihre Darlehen nicht in bar, sondern in Pfandbriefen, für deren Verwertung der Schuldner selbst zu sorgen hat, die aber auch von der Bank stets zum Nennwert an Zahlungsstatt angenommen werden. Die Rückzahlung der Darlehen seitens der Schuldner erfolgt meistens mittels einer Amortisationsquote, die zur allmählichen Tilgung der Gesamtschuld jährlich neben den Zinsen entrichtet wird. Die erste auf Aktien gegründete Bodenkreditanstalt ist der Crédit foncier in Paris, der 1852, anfangs allerdings unter einem andern Namen und mit beschränktem Wirkungskreis, ins Leben trat. Nach dem Umfange seines Kapitals (60 Mill. Frs.) und seiner Befugnisse zur Ausgabe von Obligationen steht er unter den ähnlichen Instituten obenan, jedoch hat er den Hoffnungen der Landwirtschaft im ganzen ungenügend entsprochen und mehr der städtischen, namentlich der Pariser Bauspekulation gedient. In Deutschland entstanden einige ähnliche Unternehmungen schon 1856 und 1857, und in der Folgezeit sind noch mehrere, zum Teil in sehr großem Maßstabe angelegte, hinzugetreten, so u. a. die Preußische Centralbodenkredit-Aktiengesellschaft und die Preußische Bodenkredit-Aktienbank.

Eine andere Klasse von landwirtschaftlichen Kreditinstituten ist auf dem Grundsatz der Gegenseitigkeit begründet: eine Anzahl von Gutsbesitzern vereinigt sich, um einerseits jedem kreditbedürftigen Teilnehmer Darlehen (etwa bis zur Hälfte des abgeschätzten Wertes seines Gutes) durch Ausgabe von Pfandbriefen zu verschaffen und andererseits dem Inhaber der letztern die richtige Verzinsung und Rückzahlung zu gewährleisten. Als Vorbild dieser Kreditverbände haben die sog. Landschaften (s. d.) in Preußen gedient. Eine eigentümliche Art von landwirtschaftlichen Kreditvereinen bilden die in neuerer Zeit am Rhein entstandenen Darlehnskassenvereine (s. d.) nach dem Raiffeisenschen System. Andere den Hypothekenbanken nahe stehende Institute sind die Grund- oder Bodenrentenbanken (s. d.) und die Boden- oder Landeskulturrentenbanken (s. d.). Über die sog. Baubanken (Immobilienbanken) s. Banken (Bd. 2, S. 374a). Die Hypothekenversicherungsbanken, die erst ziemlich vereinzelt auftreten, ermöglichen die Beleihung von Grundstücken über die sonst übliche Grenze hinaus, indem sie gegen feste Prämien die Sicherheit der Darlehen gewährleisten.

Bodenkulturrentenbanken, s. Landeskulturrentenbanken.

Bodenkunde ist derjenige Teil der Lehre vom Ackerbau (s. d.), welcher von dem Standorte der Nutzpflanzen, dem Boden, handelt.