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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bodrizen - Boerhaave

etwas zu wünschen übrig; doch kommt der innere Wert seiner Ausgaben dem glänzenden Äußern selten gleich. Seine "Iliade" des Homer (3 Bde., 1808) mit einer Zueignung an Napoleon, der ihn begünstigte und unterstützte, ist ein bewundernswürdiges Prachtwerk. Außerdem gehören zu seinen elegantesten Drucken der "Virgil" (2 Bde., 1793) und die "Oratio dominica in CLV linguas versa et exoticis characteribus plerumque expressa" (1806). Auch werden noch immer seine Prachtausgaben mehrerer anderer griech., lat., ital. und franz. Klassiker ihrer äußern Schönheit wegen gesucht. B. starb 29. Nov. 1813 zu Padua. Nach seinem Tode erschien erst sein "Manuale tipografico" (2 Bde., Parma 1818), eine außerordentlich reichhaltige Sammlung der verschiedensten Schriften. - Eine Lebensbeschreibung und ein Verzeichnis seiner Drucke haben J. de Lama (2 Bde., Parma 1816) und Bernardi (Saluzzo 1873) geliefert.

Bodrizen, s. Obotriten.

Bodrog, Fluß im nördl. Ungarn, der durch die Vereinigung der Flüsse Latorcza und Laborcza mit den Zuflüssen Ung, Siroka, Ondava und Toplya entsteht, die sämtlich von den Ostbeskiden kommen und deren Flußgebiete sich über die Komitate Bereg, Ungvar, Zemplin und teilweise Sáros erstrecken. Die Vereinigung vollzieht sich im Zempliner Komitat, wo der B. mit der parallel fließenden Theiß die fruchtbare, zum größten Teil aber sumpfige Flußinsel Bodrogköz bildet. Oberhalb Tokay ergießt sich der B. in die Theiß. Häufige Überschwemmungen charakterisieren im Unterlaufe diese verschlungenen Gewässer, deren Regulierung seit 1700 oft versucht, aber noch nicht befriedigend durchgeführt worden ist.

Bodrogköz, s. Bodrog.

Bodstedter Bodden, s. Bodden.

Bodt, Jan de, Architekt und sächs. General, geb. 1670 zu Paris, Schüler des François Blondel, ging nach Aufhebung des Edikts von Nantes seiner evang. Religion wegen nach Holland, wo er in das Kadettenkorps eintrat, begleitete dann den Prinzen Wilhelm von Oranien nach England, wurde daselbst Kapitän der Infanterie und des Ingenieurkorps, folgte aber 1700 einem Rufe nach Berlin. Er vollendete das Zeughaus daselbst sowie den Schloßbau zu Potsdam und errichtete Festungswerke in Wesel. 1728 trat er in sächs. Dienste und wurde 1741 zum General der Infanterie ernannt. In Dresden leitete er den Umbau des Japanischen Palais. Er starb daselbst 3. Jan. 1745. B. war ein Vertreter der klassicistischen Richtung. - Vgl. Steche, Entwürfe für das königl. Zeughaus zu Berlin (Berl. 1891).

Boduognatus, Nervierhäuptling, der 57 v. Chr. Mit 60 000 Mann dem Heere Jul. Cäsars an den Ufern der Sambre entgegentrat; der Kampf endigte für die Nervier ungünstig. B. und die meisten seiner Leute fielen. 1861 wurde dem B. eine Kolossalstatue (von Jos. Ducaju) in Antwerpen errichtet.

Bodza, Gebirgszug und Paß in Siebenbürgen. Die Bodzaer Alpen reichen vom Flusse Nagy-Baszka (Paszka) bis zum Altschanzpasse und bilden den östl. Teil des siebenbürg. Südrandes. Der höchste Punkt dieses aus Juramassen bestehenden Gebirges ist der Csukás (1958 m). Der Bodza- oder Buzlau-, auch Tatarenalpen-Paß, führt von Sepsi-Szent-György südöstlich nach der Walachei und ist eins der schönsten Thäler des siebenbürg. Hochlandes.

Bodza Fluß, auch Große Bodza, entspringt am Fuße des Csukás (1958 m) in den Transsylvanischen Alpen; der Fluß durchbricht in scharfen Windungen das Gebirge und eilt nach der walach. Tiefebene, wo er von der gleichnamigen rumän. Kreishauptstadt an Buzau genannt wird und in den Sereth mündet. Ortschaften des Bodzathals in Siebenbürgen sind, alle drei mit rumän. Bevölkerung: Bodza-Vámo, Dorf mit 1121 E., Zollamt und Quarantäne; Bodzaforduló (Bodzawendung), Dorf mit 1824 E., lebhaftem Grenzhandel (viel Schmuggel) und bedeutender Schafzucht, die überhaupt im ganzen Gebiete erfolgreich betrieben wird; Szita-Bodza, mit 1212 E. und Holzhandel.

Bodzaforduló, Bodza-Vámo, s. Bodza-Fluß.

Boë, Franz de le, s. Sylvius, Franz.

Böe, Wind, s. Bö.

Boëdromos (grch., "der unter Schlachtruf Herzulaufende"), Beiname des Apollon (s. d.) als Kriegsgott, dem in Athen der dritte Monat Boedromiōn (Mitte September bis Mitte Oktober) geheiligt war; am siebenten dieses Monats, einen Tag nach dem zu Ehren der Artemis Agrotera gefeierten Marathonfeste, wurde mit einem feierlichen Kriegslauf das Fest der Boedromia begangen, nach der Legende entweder zur Erinnerung an den Sieg des Theseus über die Amazonen oder zu Ehren des Ion, der den Athenern im Kampfe gegen die Eleusinier beigestanden haben sollte.

Boëmund, s. Bohemund.

Boërescu, Basil, rumän. Staatsmann, geb. 1. Jan. 1830, studierte die Rechte in Paris, wurde Professor des Handelsrechts an der Universität Bukarest und bekleidete seit 1860 verschiedene Ministerien. Ursprünglich konservativ, versuchte er später die Gründung einer Mittelpartei, deren Organ die von ihm redigierte "Pressa" sein sollte; nach dem Fehlschlagen dieses Versuches ging B. zu den Liberalen über und wurde 1879-81 Minister im Kabinett Ioan Bratianu. Er starb 1. Dez. 1883 zu Paris. Unter seinen Werken sind hervorzuheben sein rumän. Kommentar zum Handelsrecht und das "Examen de la Convention du 19 août relative à l'organisation des Principautés danubiennes" (Par. 1858).

Boerh., bei botan. Bezeichnungen Abkürzung für Herm. Boerhaave (s. d.).

Boerhaave (spr. buhr-), Herm., einer der berühmtesten Ärzte des 18. Jahrh., geb. 31. Dez. 1668 zu Voorhout bei Leiden, studierte seit 1682 Theologie und Philosophie, dann Mathematik und seit 1690 Medizin zu Leiden und ward 1701 Lektor und Repetent der Theorie der Medizin daselbst. Damals hielt er seine erste mediz. Rede, "De commendando studio Hippocratico", worin er die Richtigkeit der von Hippokrates befolgten Methode zu beweisen suchte. Doch schon in der Rede "De usu ratiocinii machanici in medicina" (Leid. 1709) wandte er sich mehr den Lehren der Iatromathematiker zu. An Hottons Stelle ward er 1709 zum Professor der Medizin und Botanik ernannt. Sein Ruhm gründet sich vorzugsweise auf die "Institutiones medicae in usus annuae exercitationis" (Leid. 1708 u. ö.) und die "Aphorismi de cognoscendis et curandis morbis in usum doctrinae medicae" (ebd. 1709 u. ö.), die an van Swieten einen ausgezeichneten Erklärer fanden. In dem erstem Werke, einem Muster von umfassender Gelehrsamkeit und Methode, entwickelte er sein System in seinem ganzen Umfange; in letzterm unternahm er eine Einteilung der Krankheiten und setzte ihre Ursachen, ihre Natur und ihre Behandlung ausein-^[folgende Seite]