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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Böhmen (Geistige Kultur)

Bezirkshauptmannschaften qkm Häuser Wohnparteien Einwohner pro qkm

Klattau 823,90 9 647 14 427 70 255 85

Kolin 489,31 8 421 14 621 68 491 140

Komotau 504,03 6 537 12 776 55 774 111

Königgrätz 701,91 11 398 21 226 94 671 135

Königinhof 550,85 7 819 14 086 63 808 116

Kgl. Weinberge 364,36 6 266 34 475 135 363 372

Kralowitz 472,21 5 191 7 623 35 053 74

Krumau 1 056,81 7 427 12 493 58 308 55

Kuttenberg 375,86 8 028 14 060 64 037 170

Landskron 657,86 9 313 14 330 62 845 96

Laun 358,10 5 012 7 896 35 389 99

Ledetsch 656,31 7 133 10 132 50 267 77

Leitmeritz 628,12 12 428 18 346 81 972 131

Leitomischl 491,87 7 716 12 351 51 615 105

Luditz 498,25 5 006 6 475 29 536 59

Melnik 413,42 6 179 7 718 40 664 98

Mies 869,02 8 146 13 765 64 691 74

Moldauthein 254,64 2 692 3 826 17 533 69

Mühlhausen 603,85 5 720 7 975 38 787 64

Münchengrätz 438,84 5 406 8 288 36 234 83

Neubydžow 491,15 7 823 12 223 54 728 111

Neuhaus 711,27 7 237 11 611 53 392 75

Neustadt 670,13 13 586 19 991 95 107 142

Pardubitz 785,82 10 555 19 830 86 745 110

Pilgram 1 185,71 12 016 17 283 88 763 75

Pilsen 966,65 13 037 29 780 139 231 144

Pisek 973,99 9 939 16 542 75 707 78

Plan 494,04 5 290 7 908 35 697 72

Poděbrad 694,27 10 203 16 902 74 809 108

Podersam 579,19 6 380 9 724 41 737 72

Polička 320,42 4 999 7 142 33 063 103

Prachatitz 1 094,91 9 850 15 691 73 289 67

Prestitz 517,64 6 391 9 178 42 351 82

Pribram 693,68 7 804 14 026 63 895 99

Rakonitz 646,44 6 333 10 295 47 084 73

Raudnitz 459,34 7 139 10 305 45 212 98

Reichenau 412,87 7 540 11 663 50 259 122

Reichenberg 314,10 8 496 18 434 74 297 237

Rumburg 164,19 6 983 16 032 63 133 384

Saaz 403,34 5 017 9 883 43 655 108

Schlan 766,28 11 487 20 845 93 507 122

Schluckenau 190,84 6 708 13 282 49 669 260

Schüttenhofen 864,89 6 686 11 359 59 246 69

Selčan 744,74 8 236 12 397 59 465 80

Semil 313,49 7 989 14 049 57 120 182

Senftenberg 600,10 10 412 14 580 64 024 107

Smichow 789,53 13 614 36 059 168 483 213

Starkenbach 338,14 7 145 10 458 50 402 149

Strakonitz 863,25 10 344 13 910 74 370 86

Tabor 973,24 10 405 15 936 78 930 81

Tachau 615,01 6 365 9 243 41 277 67

Taus 492,17 6 549 10 497 46 461 94

Tepl 574,57 5 115 7 824 36 410 63

Teplitz 591,39 11 937 29 791 123 572 209

Tetschen 602,90 13 791 22 701 97 518 162

Trautenau 516,23 9 404 16 151 76 984 149

Turnau 330,75 7 185 13 136 47 698 144

Wittingau 800,81 6 015 10 125 46 665 58

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Rücksichtlich der Verwaltung ist die oberste polit. Landesbehörde die Statthalterei zu Prag. An der Spitze der Bezirkshauptmannschaften stehen Bezirkshauptleute. Ein Teil der Administration ist der Selbstverwaltung überlassen. Oberste autonome Behörde ist der vom Landtage gewählte Landesausschuß. In den Bezirken führen die Bezirksvertretungen, deren Obmann vom Kaiser bestätigt werden muß, die Selbstverwaltung. Die Rechtspflege wird gehandhabt von dem Oberlandesgericht in Prag als Gerichtshof zweiter Instanz, einem Landesgericht, einem Handelsgericht, 14 Kreis- und 222 Bezirksgerichten als ersten Instanzen; die letzte Instanz ist der Oberste Gerichtshof in Wien. Den Staatsbahndirektionen in Prag und Pilsen unterstehen 27 Betriebsämter. Für die Finanzverwaltung ist als obere Behörde die Finanz-Landesdirektion in Prag bestellt, von der die Steuerinspektoren in den Bezirkshauptmannschaften und 10 Finanz-Bezirksdirektionen sowie die niedern (195) Steuer- und (92) Zollämter ressortieren. In militärischer Hinsicht ist B. in 16 Ergänzungsbezirke geteilt. Für die höhere Leitung der Militäradministration im Lande sind das 8. und 9. Korpskommando in Prag und Josefstadt errichtet; als Festungen sind Josefstadt und Theresienstadt zu nennen. Es bestehen 1167 Post- und 534 Telegraphenämter, eine Aichinspektion mit 86 Aichämtern, ein Landeskulturrat, eine Berghauptmannschaft (Prag) mit 11 Revierämtern. Das Wappen zeigt einen silbernen, goldgekrönten, aufrechten, doppelschwänzigen Löwen im roten Felde. Auf dem Schilde ruht die böhm. Königskrone. (S. Tafel: Wappen der Österreichisch-Ungarischen Kronländer, Fig. 8, beim Artikel Österreichisch-Ungarische Monarchie.) Die Landesfarben sind Rot-Weiß.

Geistige Kultur. Die deutsche Kulturentwicklung fand von jeher in B. einen empfänglichen Boden, und was der deutschen Bevölkerung schon um des nationalen Ursprungs willen natürlich war, blieb auch auf die Czechen, den gebildetsten aller slaw. Stämme, nicht ohne Wirkung. Der Czeche ist geweckt und lebendig, gelehrig und mannigfach begabt, aber häufig leichtlebig und sinnlich und nicht so fleißig und beharrlich wie sein deutscher Nachbar. In letzter Zeit hat sich aber in B. ein scharfer Gegensatz zwischen beiden Nationalitäten herausgebildet. Die große Volksdichtigkeit und die bedeutende Volkszunahme zwingt einen Teil der Bevölkerung zur vorübergehenden oder dauernden Auswanderung nach den benachbarten deutschen Kronländern, nach Deutschland und nach Rußland, woselbst mehrere bedeutende czech. Kolonien angesiedelt sind, und nach Amerika. Die kirchliche Oberleitung der kath. Bevölkerung, welche mehr als 1800 Seelsorgesprengel bildet, ist dem Fürst-Erzbischof von Prag und den 3 Bischöfen zu Leitmeritz, Königgrätz und Budweis übertragen. Außerdem giebt es 166 Mönchs- und Nonnenklöster mit 1985 Ordensmitgliedern. Für die beiden evang. Konfessionen sind 3 Superintendenten die leitenden kirchlichen Organe. Das Unterrichtswesen steht auf einer hohen Stufe der Entwicklung. B. hat eine deutsche Universität (die älteste in Deutschland, gegründet 1348) und eine czech. Universität (aus der erstern durch Trennung der beiden Nationalitäten 1882 gebildet), eine deutsche und eine czech. technische Hochschule zu Prag, kath.-theol. Diöcesanlehranstalten an den einzelnen Bischofssitzen und (1893) 19 deutsche, 19 böhm. Obergymnasien, 1 deutsches, 4 böhm. Untergymnasien, 3 deutsche, 9 böhm. Realgymnasien, 9 deutsche, 9 böhm. Ober-, je eine Unterrealschule und 7 deutsche, 8 böhm. Lehrer-, 3 deutsche, 3 böhm. Lehrerinnenbildungsanstalten. Außerordentlich sind die Fortschritte des von der Kirche gänzlich losgelösten Volksschulwesens. 1890 gab es 5278 (2384 deutsche, 2894 böhm.) Volksschulen, darunter 224 Bürgerschulen mit 20 630 Lehrern und Lehrerinnen. Die Zahl der schulbesuchenden Kinder betrug 1890: 945 901 (d. i. 98,4 Proz. der schulpflichtigen Kinder) gegen 1875: 787 419 Kinder (88,3 Proz.). B. besitzt ferner eine Bergakademie zu Pribram, höhere Handelsschulen zu Prag (deutsch und czechisch), Chrudim, Pilsen (czechisch), Aussig, Brüx, Budweis, Gablonz, Teplitz und Reichenberg (deutsch), Kunstakademie und Musik-Konservatorium zu Prag, eine Forstschule in Weißwasser, Staatsgewerbeschulen zu Prag, Pilsen (beide deutsch und czechisch) und Reichenberg (deutsch), ferner eine allgemeine Kunstgewerbeschule in Prag (deutsch und czechisch), 27 Handels-, 206 Ge-^[folgende Seite]