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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Booth (William); Boothia Felix; Böotien; Bootle

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Booth (William) – Bootle

Booth (spr. buhth), William, engl. Geistlicher, Stifter der Heilsarmee (s. d.), geb. 10. April 1829 in Nottingham, studierte Theologie und wurde schon im jugendlichen Alter Prediger einer Methodistensekte, gab aber dies Amt 1861 auf, um sich ganz der Heilsarmee zu widmen, in der er als «General» die unbeschränkte Obergewalt hat. Er giebt seit 1880 das Wochenblatt «The War Cry» heraus. Von seinen Schriften ist hervorzuheben: «In darkest England and the way out» (Lond. 1890), worin ein ausführlicher Plan zur Rettung der Verkommenen entwickelt wird. B. will zunächst Stadtkolonien in den größern Städten zur Aufnahme und Beschäftigung der Arbeitslosen und zur «Bergung abgängiger Haushaltungsgegenstände» gründen; dann in enger Verbindung damit Landkolonien zur Verwendung der in den Stadtkolonien gesammelten Gegenstände und weitern Erziehung der Teilnehmer; endlich überseeische Kolonien, die nur mit solchen Leuten zu besetzen wären, die durch die Stadt- und Landkolonien hinreichende Vorbildung erlangt hätten. Die Kosten aller dieser Einrichtungen schätzt B. auf 20 Mill. M.

Boothia Felix (spr. buhthĭa fihlix), die am weitesten nach Norden (72° nördl. Br.) reichende Halbinsel des nordamerik. Kontinents, hängt mit diesem durch den niedrigen Boothia-Isthmus zusammen, wird im O. durch den Boothia-Golf von Cockburnland, im N. durch die Bellotstraße von der Insel Nordsomerset, im NW. durch die Franklinstraße von der Insel Prince-Wales-Land und im SW. durch die Roßstraße von King-Williams-Land getrennt. John Roß entdeckte die Halbinsel 1831 und benannte sie nach Sir Felix Booth, der die Kosten dieser Entdeckungsreise bestritt. An der Westküste dieses Landes, bei Kap Adelaide, in 70° 5’ 17’’ nördl. Br. und in 96° 46’ 45’’ westl. L. von Greenwich, fanden John Roß und sein Neffe James Roß den magnetischen Nordpol.

Böotĭen (grch. Boiotia, neugrch. Viotia gesprochen), die umfangreichste von den Landschaften Mittelgriechenlands, nimmt die ganze Breite des Landes zwischen dem Golf von Korinth im S. und dem Sund von Euböa (s. d. und Euripos) im NO. ein, grenzt im W. an Phokis, im N. an das Land der alten Opuntischen Lokrer, im S. an Megaris und Attika. Der Hauptteil der Landschaft ist eine centrale, rings von Gebirgen umschlossene Tiefebene, in die von NW. her durch eine Öffnung der Phokischen Gebirge der nicht unbedeutende Kephisos, außerdem zahlreiche kleine Bäche von den Bergen herab einströmen, während die Gewässer keinen oberirdischen Ausfluß aus dem Becken finden, sondern nur durch unterirdische Schlünde (s. Katabothren) entweichen können. Da dieser Abzug ein sehr unvollkommener ist und außerdem die Katabothren sich häufig verstopfen, so stauen sich die Gewässer zu einem Sumpfsee (Kopaïs, s. d.) von sehr wechselndem Wasserstande auf, der im Winter weite Strecken bedeckt, die im Sommer trocken liegen und angebaut werden. Der See übt einen üblen Einfluß auf das Klima des ganzen Landes aus, indem er häufig Fieber erzeugt und die Luft dumpf und schwer macht, ein Umstand, aus dem man im Altertum den Mangel an feinem Sinn und den Hang zur Schwelgerei herleitete, welche den Böotern besonders ihre Nachbarn, die Athener, zum Vorwurf machten. Das Tiefland wird im SW. vom Korinthischen Golf abgeschlossen durch das ↔ Helikongebirge, im NO. von dem Euböischen Sund durch ein langgestrecktes Bergland ohne einheitliche Benennung, die Fortsetzung des Knemis (Teumessos, Hypaton, Messapion, Ptoon u. s. w.). Den südl. Abschluß bildet eine niedrige Hügelkette, auf der die natürliche Hauptstadt des Landes, Theben, liegt; diese Hügel trennen das Kopaïsbecken von dem südlichsten Teile B.s, der wellenförmigen Ebene des Flusses Asopos, welche im S. an das attische Grenzgebirge (Kithäron und Parnes) stößt. An dem westl. Rande dieser Ebenen lag die Stadt Platää.

Die ältesten Bewohner der Landschaft gehörten dem pelasgischen und dem lelegischen Volksstamm an. Später (nach der gewöhnlichen Chronologie 60 Jahre nach der Zerstörung von Troja) wanderten aus Thessalien die äol. Böoter ein, die sich allmählich die ganze Landschaft unterwarfen und ihr ihren Namen gaben: nur das Reich der gleichfalls aus Thessalien stammenden Minyer, dessen Mittelpunkt Orchomenos war, erhielt sich noch eine längere Zeit selbständig. Platää besaß wahrscheinlich ion. Bevölkerung. In der histor. Zeit waren die selbständigen Städte der Landschaft (ursprünglich wahrscheinlich 13, später 7) zu einem Bunde vereinigt, dessen Vorort Theben, dessen Bundesheiligtum der Tempel der Athene bei Koronea (an der Südwestküste der Kopaïs) war. An der Spitze der vollstreckenden Gewalt standen die immer auf ein Jahr erwählten, aber nach Ablauf desselben wieder wählbaren Böotarchen, von denen Theben zwei, die übrigen Bundesglieder je einen ernannten; die höchste beschließende Gewalt lag in den Händen von vier Ratskollegien. Vgl. Franke, Der Böotische Bund (Wism. 1843). In den Perserkriegen standen die Böotier auf seiten der Feinde Griechenlands; im Peloponnesischen Kriege schlössen sie sich den Spartanern an. Den größten Aufschwung erhielt B. unter Epaminondas (s. d.) und Pelopidas (s. d.) 371–362. Auch unter der macedon. Herrschaft bestand der Bund wenigstens der Form nach fort, wurde zwar von den Römern nach der Zerstörung Korinths (146 v. Chr.) aufgehoben, aber bald wieder erneuert, und erhielt sich noch, wenn auch ohne polit. Bedeutung, bis in die spätere röm. Kaiserzeit. Von Dichtern, die B. hervorgebracht hat, sind besonders Hesiod, Pindar und Korinna, von Geschichtschreibern Plutarch zu nennen. Von Künsten wurde die Flötenmusik, die Malerei und die Gymnastik eifrig gepflegt. Im Mittelalter und unter türk. Herrschaft war, anstatt des sehr herabgekommenen Theben, Livadia (altgrch. Lebádeia, mit einem berühmten Orakel des Trophonios, westlich von der Kopaïs) der Hauptort von B., das gewöhnlich auch mit dem Namen dieser Stadt bezeichnet ward.

Im jetzigen Königreich Hellas bildet B. einen Teil des Nomos Attikoviotias (Attika und Böotien, s. Attika) und ist in zwei Eparchien (Bezirke) geteilt: eine östlichere mit Theben (Thivä) und eine westlichere mit Livadia als Hauptort; erstere zählte (1879) 23358, letztere 20668 E. Die Bevölkerung, im östlichern Teile der Landschaft größtenteils albanes. Abstammung, beschäftigt sich hauptsächlich mit Getreide- und Weinbau, im SW. (dem Gebiete des Helikon) mit Viehzucht. In den Hügeln bei Theben findet sich Meerschaum, der von den Türken eifrig ausgebeutet worden ist. – Vgl. Bursian, Geographie von Griechenland, Bd. 1 (Lpz. 1862).

Bootle (spr. buhtl), Municipalborough in der engl. Grafschaft Lancashire, rechts am Ästuarium

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 297.