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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Borny - Borohrádek

Südende und im Süden des Tsadsees, ferner im Westen am Waube. Zu den volkreichsten gehören Ngornu (Angornu) und Gudschba mit 20 000 E., Maschena und Gummel mit 12 000 E., Surrikulo mit mehr als 10 000 E., Borsari mit 7500 E.; ferner in den tributären Landschaften Logone und Dikoa mit je 15 000 E. und Doloo in Mandara sogar mit 30 000 E. Die ehemalige Haupt- und Residenzstadt Birni oder Ghasr-Eggomo, am rechten Ufer des Waube, liegt seit der Zerstörung durch die Fulbe 1808 in Trümmern.

Geschichte. B. war einst ein Teil des Reichs Kanem (s. d.), das, im 9. Jahrh. gegründet, seit Ende des 11. Jahrh. mohammedanisch, sich in der ersten Hälfte des 12. Jahrh. vom Niger bis zum Nil, über ganz Fessan und südlich bis weit jenseit des Tsad erstreckte. Aus seinen Trümmern gründete der König Ali-Dunámami (1472-1505) das eigentliche Reich B. Dessen Sohn Edriß Katakarmábi (1505-26) eroberte sogar Kanem wieder, das nun bis zum Anfang des 19. Jahrh. eine Provinz von B. blieb. Die höchste Blüte erreichte B. unter Edrih Alaóma (1571-1603), welcher Damerghu, die Tuareg im NW., die Tibbo (Tebu) um Bilma, die heidn. Grenzvölker der Budduma, Marghi und Mandara im S. unterwarf und die Verbindung mit der Küste wiederherstellte. Unter den nachfolgenden friedlichen und üppigen Königen sank jedoch die Macht B.s rasch, sodaß es dem 1808 begonnenen Angriffe der Fellata nicht widerstehen konnte. Die Hauptstadt Birni fiel in deren Hände, und der schwache Ahmed ibn Ali (1793-1810) verlegte seine Residenz. Ein frommer Araber aus Fessan, Mohammed el-Kanemi, rettete den Staat durch seinen Sieg bei Ngornu, und sein Sohn Omar (seit 1835) beseitigte die alte Dynastie, indem er den König Ibrahim 1846 ermordete und dessen Sohn Ali auf dem Schlachtfelde tötete. Omar residierte in dem von ihm neuerbauten Kuka, aber ohne den energischen Geist seines Vaters, weshalb nicht nur die nördl. Provinzen von den Tuareg, wie Kanem von den Tibbo und dem Beherrscher von Wadai (s. d.) bedrängt wurden, sondern auch der Kern des Reichs durch innere Unruhen erschüttert ward. 1853 mußte Omar seinem Bruder Abd e'-Rahmán weichen, der sich in offenem Aufruhr des Throns bemächtigt hatte, aber im Dez. 1854 überwunden und getötet wurde, sodaß Omar seitdem unbehindert bis zu seinem gegen Ende 1881 erfolgten Tode herrschte. B. wurde 1823 zum erstenmal von Europäern bereist und zwar von Denham, Clapperton, Oudney, Hillmann, Toole; 1852 von Richardson, Barth und Overweg; 1853 von Vogel und Beurmann. Die eingehendste Kenntnis verdanken wir aber Nachtigal (1871 und 1872). Matteucci und Massari gehören zu den jüngsten Besuchern des Landes (1880).

Litteratur. Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Centralafrika (5 Bde., Gotha 1855-58); Rohlfs, Quer durch Afrika (2 Bde., Lpz. 1874-75); Nachtigal, Sahara und Sudan (3 Bde., Berl. u. Lpz. 1879-89).

Borny, Dorf im Landkreis und Kanton Metz des Bezirks Lothringen, 4 km östlich von Metz, ehemals zum Besitz der Bischöfe von Metz gehörig, hat (1890) 1511 E., darunter 100 Reformierte und 56 Lutherische, ein Schloß in Barockstil und eine Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder. - B. wird 960 als Burnen in comitatu Metensi erwähnt. Östlich von B. fand die Schlacht des 14. Aug. 1870 statt, welche von den Franzosen Schlacht bei B., von den Deutschen Schlacht bei Colombey-Nouilly (s. d.) genannt wird.

Borö, auch Bordö, eine der Färöer, mit dem Hafen Klak an der nördl. Westküste.

Boro-Budor oder Boro-Bodo, pyramidenförmiger, großenteils wohlerhaltener Buddhatempel in der Residentschaft Kedu auf Java, das merkwürdigste und großartigste Hindubauwerk daselbst, liegt auf dem rechten Ufer des Progo, unweit der Einmündung des Ello in denselben. Auf einer an jeder Seite 153 m langen Plattform erheben sich übereinander fünf 20eckige, von einer 1,50 m hohen Steinmauer umgebene Terrassen. Die äußerste ist auf jeder Seite 123 m lang; alle haben in ihrer Mitte ein reichverziertes, überwölbtes Thor, von dem einige Stufen zu der nächstobern Terrasse hinaufführen, und sind mit architektonischen Zieraten und einer Fülle von Bildhauerwerken ausgestattet. In der Mitte der innern Terrasse sind, in drei konzentrische Kreise geordnet, deren jeder sich einige Fuß über den nächstuntern erhebt, 72 Dagops (s. d.) errichtet, mit ebenso vielen Buddhabildern. Ein 6 m hoher, teilweise eingestürzter Dagop mit einer über 4 m hohen Statue des Gottes bildet den Mittelpunkt und zugleich den Gipfel des ganzen, 37,18 m hohen, sich mit seinen vier Seiten an einen teilweise abgetragenen Hügel anlehnenden Bauwerks. 1885 wurden von dem Ingenieur Yzerman etwa 160 Reliefs mit Inschriften, die auf das 9. Jahrh. zurückweisen, ausgegraben. Das Material aller architektonischen und Skulpturarbeiten ist Trachyt. Der Name B. kann auf Bara Budha, d. h. großer Buddha im Sanskrit, oder auf Boro Bodo, d. h. altes Boro (Ortsname), zurückgeführt werden. - Vgl. Crawfurd, On the ruins of B. in Java, in den "Transactions of the Literary Society of Bombay", Bd. 2, Lond. 1823); Raffles, The history of Java, Bd. 2 (2. Aufl., ebd. 1830, mit Atlas); Mieling, Prachtuitgave van Javasche Oudheden (Haag 1852); Leemans, Boro-Boedoer op het eiland Java (Leid. 1873).

Borocalcit, s. Boronatrocalcit.

Borodin, Alexander, russ. Komponist, geb. 12. Nov. 1834 zu Petersburg, war daselbst Militärarzt, später Professor der Chemie an der Medico-Chirurgischen Akademie und starb 27. Febr. 1887. B. beschäftigte sich eifrig mit musikalischen Studien und Kompositionen und gilt als Anhänger der Wagnerschen Richtung, besitzt aber eine große Selbständigkeit in der Durchführung von Stimmungen sowohl als Kontrapunktiker wie als Kolorist. Sein Hauptwerk ist die Sinfonie in Es-Dur. Daneben sind zu nennen: eine zweite Sinfonie in H-moll, die sinfonische Dichtung "Mittelasien", die Oper "Prince Igor" (1887), ferner Klaviersachen, Streichquartette u. s. w.

Borodino, Dorf im Kreis Moshajsk des russ. Gouvernements Moskau, 110 km westlich von Moskau, an der Eisenbahn Moskau-Brest und an der Straße von Smolensk nach Moskau, die hier von den Flüßchen Kolotscha (Zufluß der Moskwa), Wojna und Stonez durchschnitten wird, mit etwa 128 E. und Post. - Zwischen B. und dem Orte Utiza lieferten die Russen unter Kutusow 7. Sept. 1812 Napoleon I. eine blutige Schlacht, gewöhnlich Schlacht an der Moskwa (s. d.) genannt.

Borohradek, Markt im Gerichtsbezirk Adlerklostelez der österr. Bezirkshauptmannschaft Reichenau