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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Boulay de la Meurthe (Henri, Graf) - Boulogner Holz

Lpz. 1830, ein für die Geschichte Napoleons I. wichtiges Werk, in dem er die Irrtümer in Bourriennes "Mémoires sur Napoléon" (10 Bde., Par. 1829) zu berichtigen sucht. Seine Memoiren erschienen noch nicht, ein Bruchstück hat er 1836 als "Théorie constitutionelle de Sieyès, Constitution de l'an VIII, Extrait des Mémoires de M. B." veröffentlicht.

Boulay de la Meurthe (spr. bulä dě la möhrt), Henri, Graf, franz. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 15. Juli 1797 zu Paris, studierte die Rechte und beteiligte sich lebhaft am Kampfe während der Julitage 1830. Von 1837 bis 1848 Kammermitglied, gehörte er zur Linken. Die Gründung der Zufluchtshäuser (salles d'asile), die Erweiterung des Elementarunterrichts, manche Verbesserung in der Lage der arbeitenden Klassen ward von ihm angeregt und unterstützt. 1848 trat er in die Nationalversammlung, wo er sich zu den gemäßigten Republikanern hielt, und wurde 20. Jan. 1849 von der Versammlung zum Vicepräsidenten der Republik erwählt. B. fügte sich widerstandlos Napoleons Staatsstreich vom 2. Dez. 1851, der ihm seine Stellung kostete, und nahm an der sog. Konsultativkommission teil, aus der er 26. Jan. 1852 in den neuen Senat trat. Er starb 24. Nov. 1858 zu Paris.

Boule, André Charles, s. Boulle.

Boulette (frz., spr. bulétt), Fleischklößchen aus feingebacktem Fleisch, Semmel und Eiern.

Boulevards oder Boulevarts (spr. bul'wahr, abgeleitet vom deutschen Bollwerk) hießen in Frankreich die Walllinien der befestigten Städte. Mit der Zeit wurden die Wälle abgetragen, die Gräben ausgefüllt und die geebneten Räume zur Anlegung öffentlicher Spaziergänge benutzt. Berühmt sind die B. von Paris, besonders die ältesten, die zur Zeit Ludwigs XIV. auf der nördl. Seite der Stadt an die Stelle der Befestigungen traten und erst Spaziergang, dann Straße wurden. Sie erstreckten sich von der Madeleine-Kirche nach dem Bastilleplatz, von wo Napoleon I. sie mit einer neuen Boulevardanlage bis zur Seine verlängerte. Dieser Verlängerung begegnen die B. gegenüber in dem jenseitigen Paris bei der Salpêtriere und dem Jardin des Plantes, und laufen von da nach dem Invalidenhause und der Militärschule hin. Die Zeit ihrer Gründung fällt in die Regierung Ludwigs XV. Unter Calonnes Ministerium (1786) entstanden die sog. Äußern B., die aber auch zum Innern der Stadt gehören, seitdem 1860 die Zollmauer niedergerissen ist und die jenseit derselben liegenden Vorstädte und Dörfer durch die gemeinschaftliche Ringmauer der neuen Befestigungswerke mit Paris verbunden sind. In jüngster Zeit wurde die Benennung B. auf viele Straßen übertragen, die durch alte Häusermassen durchgebrochen oder in neuen Stadtvierteln angelegt wurden. Alle diese B. haben jedoch mit den ältesten B. nur so viel gemein, daß sie breite, mit Bäumen bepflanzte Straßen sind. Sie liegen meistens entfernt von den großen Verkehrsadern und werden weniger besucht als die ältesten eigentlichen B., die ihre stattlichen Häuser, breiten Fußwege, ihre prächtigen Kaufläden, Kaffee- und Speisesäle, ihre Theater und Schaubühnen aller Art, ihr Menschengewimmel zum Glanz- und Mittelpunkt des Pariser Lebens machen. Die belebtesten und elegantesten B. sind die auf der nördlichen, von der Madeleine-Kirche nach dem Bastilleplatz hinlaufenden Linie, die B. de la Madeleine, des Cavucines, des Italiens und Montmartre.

Bouleversieren (frz., spr. bulw-), umstürzen, zerstören; Bouleversement (spr. bulwärß'máng), Umstürzung, Zerstörung.

Bouleyn, andere Schreibung für Boleyn (s. d.).

Bouliac (spr. bulĭáck), ein roter Burgunderwein.

Bouline (frz., spr. bulihn), s. Bulins.

Boulingrin (spr. bulängräng), s. Bowlinggreen.

Boulle oder Boule (spr. buhl), André Charles, franz. Kunsttischler, geb. 11. Nov. 1642 zu Paris, erlernte das Tischlerhandwerk und entwickelte bald sein künstlerisches Talent. Mit farbigen Holzarten aus Indien und Brasilien, mit Metallen und Schildpatt ahmte er Blumen, Früchte, Tiere nach, komponierte daraus Gemälde mit Stillleben, Jagden, Schlachten u. s. w., die er mit geschmackvollen Verzierungen einfaßte. Er war in Entwurf und Ausführung seiner vergoldeten, gravierten, polierten und lackierten Arbeiten durchaus selbständig, wenn er gleich seine große Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen alter Meister vielfach zu Rate zog. Später trat er seine Werkstätte seinen vier Söhnen ab, die in seinem Geschmack fortarbeiteten. B. starb 29. Febr. 1732 zu Paris.

Boullearbeiten nennt man diejenigen Erzeugnisse, die noch heute in der Weise Boulles (s. d.) fabriziert werden, nämlich Marqueterie in Metall, Schildkrot und verschiedenfarbigem Holze. Das Genre ist in Paris mit dem Geschmack und der Vorliebe für die Kunstweisen und den Stil des 17. und 18. Jahrh. wieder aufgelebt und wird jetzt sehr gut gearbeitet und viel zu denselben Gegenständen wie sonst verwendet. Auch in Wien und Dresden fertigt man gegenwärtig B. Die Technik der B. ist durch eine bemerkenswerte Ökonomie der verwendeten Materialien charakterisiert. Soll z. B. ein Ornament durch den Kontrast von Messing und Schildkrot zum Ausdruck kommen, so wird zunächst der Entwurf der Zeichnung in solcher Art ausgeführt, daß es für die Wirkung ungefähr gleichgültig ist, ob man das Ornament in Schildkrot auf Messinggrund, oder in Messing auf Schildkrotgrund erscheinen läßt. Man legt nun auf ein Stück Messingblech von erforderlicher Größe ein dünnes Blatt von Schildkrot (das in der Regel durch Zusammenkitten mehrerer kleiner Stücke gebildet ist) und darüber den Zeichnungsentwurf und zerschneidet auf einer Sägemaschine mit recht dünnem Blatt nach Maßgabe der Zeichnungslinien beide Materialschichten, worauf man auf zwei Papierblättern die erhaltenen Teilstücke so zusammenordnet und festleimt, daß das eine Blatt die Figuren in Schildkrot auf Messinggrund, das andere in Messing auf Schildkrotgrund darbietet. Diese erlangten beiden Gebilde werden nun mit der Papierseite nach außen auf das zu verzierende Blindholz aufgeleimt und nachher durch Abwaschen von der Papierschicht befreit, endlich durch Feinschleifen spiegelglänzend gemacht. Man erhält so das entworfene Ornament in zwei Ausführungen, die nur in der Verteilung der Materialien auf Grund und Figur sich unterscheiden, unter vollständiger Verwendung des zerschnittenen Schildkrots und Metalls. - Vgl. Scherer, Technik und Geschichte der Intarsiaarbeit (Lpz. 1891).

Boulogne, Stadt, s. Boulogne-sur-Mer.

Boulogne (spr. bulónnj), Jean, s. Bologna, Giovanni da.

Boulogner Holz (Bois de Boulogne), so benannt nach der Stadt Boulogne-sur-Seine, ein Ge-^[folgende Seite]