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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bourbon (Geschlecht)

Amadeus I., Herzoq von Savoyen; 5) Henriette Marie, Gemahlin Karls I. von England. Ludwig XIII., vermählt mit Anna von Österreich, der Tochter Philipps III. von Spanien, hinterließ bei seinem Tode 1643 zwei Söhne: 1) Ludwig XIV., seinen Nachfolger, und 2) Philipp, der von seinem ältern Bruder den Titel eines Herzogs von Orléans erhielt und der Stammvater der jüngern bourbonischen Dynastie der Orléans wurde. Ludwigs XIV. Sohn aus seiner Ehe mit Marie Therese, Tochter Philipps IV. von Spanien, der Dauphin Louis, starb 1711 und hinterließ aus seiner Ehe mit Maria Anna von Bayern drei Söhne: 1) Louis, Herzog von Bourgogne (s. d.); 2) Philipp, Herzog von Anjou, der 1700 König von Spanien wurde; 3) Charles, Herzog von Berry, gest. 1714. Der einzig überlebende Sohn des Herzogs Louis von Bourgogne war Ludwig XV., der 1715 Ludwigs XIV. Nachfolger wurde. Ludwig XV. hatte von Maria Leszczynska, der Tochter des entthronten Königs Stanislaus von Polen, den Dauphin Louis. Dieser verheiratete sich mit Marie Josephe von Sachsen, starb aber schon 1765 und hinterließ drei Söhne: 1) Ludwig XVI., der 1774 seinem Großvater Ludwig XV. in der Regierung folgte; 2) Louis Stanislaus Lavier, der spätere König Ludwig XVIII.; 3) Charles Philippe, Graf von Artois, später Karl X. Ludwig XVI. hatte von seiner Gemahlin Marie Antoinette von Österreich folgende Kinder: 1) den Dauphin Louis, gest. 1789: 2) Louis, genannt Ludwig XVII., gest. 1795; 3) Marie Therese Charlotte, genannt Madame royale, später Herzogin von Angoulême, gest. 19. Okt. 1851 zu Frohsdorf. Ludwig XVIII. war kinderlos; Karl X. hatte zwei Söhne: 1) Louis Antoine de B., Herzog von Angoulême (s. d.); 2) Charles Ferdinand, Herzog von Berry (s. d.). Dieser hatte zwei Kinder: 1) Marie Louise Therese, genannt Mademoiselle d'Artois, vermählte Herzogin von Parma, gest. 1. Febr. 1864 zu Venedig; 2) Henri Charles Ferdinand Marie Dieudonné, Herzog von Bordeaux, später Graf von Chambord (s. d.), seit 1830 als Heinrich V. bezeichnet, gest. 24. Aug. 1883 zu Frohsdorf. Mit ihm erlosch die Hauptlinie des Hauses.

Der in Frankreich 1830 auf den Thron gehobene, aber 1848 ebenfalls entthronte Zweig der B. stammt ab von dem zweiten Sohne Ludwigs XIII. und einzigen Bruder Ludwigs XIV., Herzog Philipp I. von Orleans (s. d.), gest. 1701. Über diesen Zweig des Hauses Bourbon s. Orléans (Haus).

Ludwig XIV. erhob 1700 seinen Enkel Philipp, Herzog von Anjou, auf den span. Thron, und dieser stiftete als Philipp V. die span.-bourbonische Dynastie. Auf ihn folgte 1746 sein Sohn Ferdinand VI., der 1759 ohne Nachkommen starb und die Krone seinem Bruder, Karl III., vererbte. Dieser vermählte sich mit Marie Amalie von Sachsen und hinterließ 1788 die Krone seinem Sohne Karl IV., der 1808 dem Throne zu Gunsten Joseph Bonapartes entsagte und 1819 zu Neapel starb. Seine Gemahlin, Marie Luise von Parma, gebar ihm folgende Kinder: 1) Carlotta Joaquina, Königin von Portugal, geb. 1775, gest. 1830; 2) Don Fernando, Prinzen von Asturien, später König Ferdinand VII. von Spanien; 3) Don Carlos (s. d.), seit 1833 Prätendent des span. Throns, gest. 10. März 1855 mit Hinterlassung dreier Söhne, von denen der zweite, Don Juan Carlos Maria Isidor (geb. 15. Mai 1822, gest. 21, Nov. 1887). 3. Okt. 1868 auf seine Thronrechte zu Gunsten seines Sohnes Don Carlos (s. d.), geb. 30. März 1848, verzichtete. Sein Bruder ist der am 12. Sept. 1849 geborene Infant Alfons, der seit 1871 mit Maria das Neves, Tochter des verstorbenen Regenten Dom Miguel von Portugal, vermählt ist; 4) Isabella Maria, Königin von Sicilien, geb. 1789, gest. 13. Sept. 1848; 5) Franz de Paula Anton Mana, geb. 1794, gest. 1865. Ferdinand VII. hinterließ bei seinem Tode 29. Sept. 1833 aus seiner dritten Ehe mit Marie Christine, Tochter des Königs Franz I. von Sicilien, zwei Töchter: a. Isabelle Maria Luise, die ihm als Isabella II. auf dem Throne folgte; ihr Sohn war Alfons XII., König von Spanien (geb. 28. Nov. 1857, gest. 25. Nov.1885). Sein Sohn aus zweiter Ehe mit Marie Christine von Österreich, Alfons XIII. (geb. 17. Mai 1886), ist der gegenwärtige König von Spanien, d. Luise Marie Ferdinande, geb. 30. Jan. 1832, 1846 mit Anton, Herzog von Montpensier, vermählt, seit 1890 Witwe. Die span. Linie der B. steht durch Familienverträge der Dynastie Orléans in der Erbfolge in Frankreich nach.

Der jüngere Sohn Philipps V., Don Carlos, wurde 1735 als Karl III. König beider Sicilien und Begründer der sicilianischen Linie der B. Sein Sohn war Ferdinand I., König beider Sicilien. Ihm folgte 1825 sein Sohn Franz I., dessen Sohn war Ferdinand II., der von Marie Christine von Sardinien einen Sohn, Franz II. (s. d.), König beider Sicilien, von Marie Therese von Österreich sechs Söhne und vier Töchter hatte. Franz II. wurde 1860 durch Garibaldi vertrieben und durch Volksabstimmung 21. Okt. 1860 vom Throne gestoßen.

Philipps V. von Spanien jüngster Sohn, Don Philipp, erhielt 1748 im Aachener Frieden Parma und Piacenza und begründete die herzogl. Linie von Parma. Ihn beerbte 1765 sein Sohn Ferdinand I. Dessen Sohn, Ludwig, erhielt 1802 Toscana mit dem Titel eines Königs von Etrurien, er starb 27. Mai 1803, ihm folgte sein Sohn Karl Ludwig Ferdinand, unter der Vormundschaft seiner Mutter, Marie Luise, Infantin von Spanien; doch mußten beide sehr bald, als Etrurien Frankreich einverleibt wurde, verzichten, wie sie schon vorher auf die erblichen Herzogtümer verzichtet hatten. Durch den Wiener Kongreß wurden die Herzogtümer der Gemahlin Napoleons, Marie Luise, zugesprochen, die Infantin Marie Luise aber für sich und ihre männlichen Nachkommen mit dem Herzogtum Lucca entschädigt. Nach dem Tode der Gemahlin Napoleons (17. Dez. 1847) fielen Parma und Piacenza wieder der bourbonischen Linie zu, die ihrerseits Lucca zwei Monate früher an Toscana abgetreten hatte. Der Infantin Marie Luise folgte bei ihrem Tode, 13. März 1824, in Lucca ihr Sohn, Herzog Karl II. Ludwig Ferdinand von B., geb. 23. Dez. 1799, diesem 1847 sein Sohn Herzog Karl III. Ferdinand Maria Joseph Victor von B., geb. 14. Jan. 1823. Er hinterließ vier Kinder, wovon das älteste, Robert Karl Ludwig Maria, geb. 9. Juli 1848, ihm 1854 unter Vormundschaft seiner Mutter folgte, jedoch 1859 vertrieben wurde (s. Parma). Aus der Ehe mit Maria Pia, Prinzessin von Sicilien (gest. 1882), hat er drei Söhne und sechs Töchter, aus zweiter Ehe mit Marie Antonie, Prinzessin von Braganza, zwei Söhne und eine Tochter. - Vgl. Coissier-Demoret, Histoire du Burbonnais et des Bourbons (2 Bde., Par. 1814-16: 2. Aufl. 1824); Achaintre, Histoire