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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bowring - Boxtel

cal Times". B. war der erste Präsident der Ophthalmologischen Gesellschaft des Vereinigten Königreichs.

Bowring (spr. bauring), Sir John, engl. Staatsmann, Reisender und Schriftsteller, geb. 17. Okt. 1792 als der Sohn eines Tuchfabrikanten zu Exeter in Devonshire, war erst im Geschäft seines Vaters thätig und besuchte dann als Handelsreisender den größten Teil des europ. Kontinents. Mit ungewöhnlichem Sprachtalent begabt, beschäftigte er sich zugleich mit der Litteratur der von ihm bereisten Länder und erwarb sich durch die Sammlung und gewandte Übersetzung von ältern und neuern Volksliedern aus fast allen Gegenden Europas, wie die "Specimens of the Russian poets" (2 Bde., Lond. 1821-23), "Ancient poetry and romances of Spain" (ebd. 1824), "Batavian Anthology" (ebd. 1824), "Specimens of the Polish poets" (ebd. 1827), "Servian popular poetry" (ebd. 1827), "Esthonian Anthology" (ebd. 1832), "Poetry of the Magyars" (ebd. 1830), einen ausgebreiteten Ruf. Beziehungen zu den engl. Radikalen, besonders zu Bentham, bestimmten ihn, sich ganz der Politik zu widmen. 1824-30 war er Mitarbeiter und Herausgeber der von Bentham gegründeten "Westminster Review". 1828 wurde B. nach Holland gesandt, um das Finanzsystem dieses Landes zu prüfen, wofür er von der Universität Groningen den jurist. Doktorgrad erhielt. 1832 trat er ins Unterhaus und als Mitglied einer zur Prüfung der beiderseitigen Handelsbeziehungen ernannten engl.-franz. Kommission verfaßte er 1834-35 mit Villiers (s. Clarendon) zusammen die trefflichen für das Parlament bestimmten "Reports of the commercial relations between France and Great-Britain" (2 Bde., Lond. 1835-36); die gleiche Freihandelstendenz vertrat sein "Bericht über Handel, Fabriken und Gewerbe der Schweiz" (deutsch, Zür. 1837). Spätere amtliche Reisen nach Belgien, Italien, besonders nach Toscana 1836, dann nach Ägypten und Syrien und endlich durch das Gebiet des Deutschen Zollvereins veranlaßten neue Berichte an das Parlament, von denen namentlich der über den Zollverein (1840) in Deutschland großen Anstoß erregte. Bei den Neuwahlen von 1837 verlor B. seinen Parlamentssitz, kam aber 1841 abermals ins Unterhaus. Hier nahm er hervorragenden Anteil an dem fünfjährigen hartnäckigen Kampfe gegen die Kornzölle. 1849 wurde er Konsul in Kanton und wegen der Festigkeit, mit der er dort die engl. Handelsinteressen vertrat, 1854 zum Baronet und zum Gouverneur von Hongkong und Oberaufseher des engl. Handels in China befördert. Eine Reise nach Bangkok, die er zu dem Zwecke unternahm, einen Handelsvertrag mit dem König von Siam abzuschließen, beschrieb er in "The kingdom and people of Siam" (2 Bde., Lond. 1857). Das von B. im Okt. 1856 ohne Kriegserklärung über Kanton verhängte Bombardement führte zu seiner Abberufung. Auf der Rückreise nach England besuchte er die Philippinen, die er in dem anziehenden "Visit to the Philippine islands" (Lond. 1860) schilderte, und zog sich schließlich 1859 aus dem Staatsdienste zurück. Er erhielt jedoch 1861 den Auftrag, einen Handelsvertrag mit dem Königreich Italien zu unterhandeln und schloß später als diplomat. Vertreter der Regierungen von Siam und Hawaii eine Reihe von Handelsverträgen dieser Länder mit Belgien, Holland, Spanien, Schweden, Italien und der Schweiz ab. B. starb 23. Nov.1872 in Claremont bei Exeter. Seine Witwe gab aus seinem Nachlaß heraus: "A memorial volume of sacred poetry, with a memoir of the author" (Lond. 1873) und "Autobiographical recollections" (1877).

Box (engl.) nennt man in Pferdeställen einen Verschlag, in dem die Pferde sich frei bewegen können (Laufstall).

Boxberg in Baden, Stadt im Bezirksamt Tauberbischofsheim des bad. Kreises Mosbach, rechts an dem links zur Tauber gehenden Umpferbache, an der Linie Mosbach-Würzburg der Bad. Staatsbahnen (Bahnhof B.-Wölchingen 2 km entfernt), hat (1890) 685 E., darunter 290 Katholiken; Post, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Mosbach), kath. Pfarrkirche und unbedeutende Trümmer der 1850 abgebrochenen Burg B., die sich auf einem die Stadt um 100 m überragenden Felsen befand, Schweinezucht und Weinbau. Das nahe Dorf Wölchingen (634 E.) hat eine kreuzförmige Pfeilerbasilika im Übergangsstile des 13. Jahrh., mit Grabsteinen einiger Ritter von Rosenberg aus dem 14. und 15. Jahrh.

Boxberger, Hans, Maler, s. Bocksberger.

Boxen, eine Art Faustkampf, der zu den nationalen Eigentümlichkeiten Englands gehört und in der Fertigkeit besteht, dem Gegner Stöße mit der Faust von der Stirn ab bis zum Unterleib herunter beizubringen. Der eine gebeugte Arm (gewöhnlich der linke) führt die Stöße aus, während der andere, vorgehaltene die Deckung übernimmt. Das B. wird kunstgerecht geübt und hat bestimmte, allgemein beobachtete Regeln. In den größern Städten giebt es sog. Boxing Saloons, in denen Räume für den Unterricht im B. eingerichtet sind. Geübte Boxer, die aus ihrer Fertigkeit ein Gewerbe machen, treten nicht selten in öffentlichen Wettkämpfen auf, wobei Preise ausgeworfen und Wetten abgeschlossen werden. Diese Wettkämpfe zerfallen in zwei Klassen. Bei der einen, an der sich Leute aus den besten Ständen beteiligen, handelt es sich nur darum, wer dem Gegner während einer bestimmten Zeit die meisten Stöße beibringt; bei der andern (Knock out genannt) hört der Kampf erst auf, wenn der Gegner während einer bestimmten Zeit unfähig ist, sich zu bewegen. Letztere Art ist ihrer Natur nach roh und führt häufig zu ernsthaften Verwundungen, weshalb jetzt auch die Personen, welche solche Kämpfe veranstalten oder sich an ihnen beteiligen, strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Neuerdings hat man die nach Regeln betriebene Boxkunst auf deutsche Turnplätze zu verpflanzen versucht, aber ohne große Erfolge. - Vgl. Pierce Egan, Boxiana, or Sketches of ancient and modern Pugilism (4 Bde., mit Kupfern, Lond. 1824); Attanson-Win, Boxing (ebd. 1889); Donnelly, Selfdefence or the art of boxing (ebd. 1889); Happel, Die Boxkunst. Anleitung zur selbständigen Erlernung des Hand- und Fußboxens (Lpz. 1863).

Boxer-Shrapnel, ein in der engl. Artillerie eingeführtes Bodenkammer-Shrapnel mit Holzspitze.

Boxtel, Flecken in der niederländ. Provinz Nordbrabant, an der Mündung der Beerse in die Dommel und an den Linien Venlo-Breda und B.-Utrecht der Niederländ. Staatsbahnen, sowie der Linie B.-Wesel der Nordbrabant-Deutschen Eisenbahn, hat (1890) 6082 E., darunter viele Damastweber; Post, Telegraph und eine schöne, dem St. Peter gewidmete Kirche mit prachtvollem Hauptaltar. In der Nähe liegt das stattliche Schloß von Stapel.