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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brabo - Brachelli

Brabo, Don Luis Gonzalez, span. Staatsmann, s. Gonzalez-Brabo.

Braça, portug. Längenmaß, s. Faden.

Bracara Augusta., s. Braga.

Bracciano (spr. bratschahno), Stadt im Kreis Rom der ital. Provinz Rom, 34 km nordwestlich von Rom, in 288 m Höhe, hat (1881) 3050 E., Post, Telegraph, Eisenwerke und warme Quellen mit Badeeinrichtungen. Hoch auf einem Felsen über B. das Schloß der Orsini, einer der schönsten Paläste Mittelitaliens; dasselbe ist ein großes Fünfeck mit fünf runden krenelierten Türmen und wurde Ende des 15. Jahrh. von Napoleon Orsini erbaut, 1696 an Livio Odescalchi verkauft, Anfang des 19. Jahrh. von dem Fürsten Torlonia erworben, 1846 aber wieder von der fürstl. Familie Odescalchi, die von B. den Herzogstitel führt, zurückgekauft. In den Kämpfen Eugens IV., Innocenz' VIII. und Alexanders VI. mit den röm. Baronen spielte B. eine Rolle. Zum Fürstentum wurde es zu Gunsten der Orsini durch Pius IV. 1560 gemacht. B. ist der Geburtsort von Mamiani. - Der nordöstlich von B., 164 m über dem nur 18 km entfernten Meere gelegene, fischreiche, fast kreisrunde, 50 qkm große See von B. (Lacus Sabatinus) ist der eingestürzte Krater eines ausgebrannten Vulkans, hat eine Tiefe bis zu 300 m und durch den Arrone Abfluß zum Mittelmeer. Am südöstl. Ufer liegt Anguillara, einst der Sitz eines eigenen Grafenhauses, welchen Innocenz VIII. 1484 seinem Sohn Franceschetto Cybò verlieh. Dieser verkaufte Anguillara 1493 an Virginio degli Orsini, dessen Linie 1548 erlosch. Benedikt XIV. erhob Anguillara zum Fürstentum und verlieh es den del Grillo.

Braccio (ital., spr. bratscho), Elle.

Bracciolini (spr. bratscho-), Francesco, ital. Dichter, geb. 26. Nov. 1566 zu Pistoja, war Sekretär bei dem Kardinal Barberini (nachmaligem Papst Urban VIII.), später bei dessen Bruder, dem Kardinal Antonio. B.s Schäferspiel "L'amorosa sdegno" (Vened. 1598) wurde günstig aufgenommen und zweimal ins Französische übersetzt. Seine bekanntesten Werke sind: das Epos "La croce racquistata" (Par. 1605 in 15, Flor. 1618 in 35 Gesängen, eine Nachahmung von Tassos "Gerusalemme" und diesem mit Unrecht an die Seite gestellt) und "Lo scherno degli Dei" (Flor. 1618, der "Secchia rapita" des Tassoni nachgeahmt). Von seinen Dramen sind zu nennen: "Evandro", "Arpalice", "Pentesilea" (Flor. 1612, 1613, 1615) und "Il Monserrato" (Vened. 1629). Das Lobgedicht "L'elezione di Urbano VIII" trug ihm die Erlaubnis ein, die drei Bienen des Barberinischen Wappens auf dem seinigen zu führen, weshalb er sich B. delle Api nannte. Er starb 31. Aug. 1646 zu Florenz.

Bracciolini (spr. bratscho-), Poggio, s. Poggio.

Brace (spr. brehß), Charles Loring, amerik. Philanthrop und Schriftsteller, geb. 19. Juni 1826 in Litchfield (Connecticut), Direktor des Hartford Female Seminary, studierte Theologie, machte 1850 und 1851 eine Reise durch Europa und gründete 1853 in Neuyork die Kinder-Hilfsgesellschaft ("Children's Aid Society"), mit der Aufgabe, verwahrloste Kinder im Lande unterzubringen und der armen Jugend Neuyorks Unterricht und Unterkommen zu gewähren. Während die Gesellschaft 1853 4732 Doll. einnahm, verfügte sie seit 1872 jährlich über 200 000 Doll.; ihre Ausgaben beliefen sich bis zum 1. Nov. 1880 auf 2 958 949 Doll., wofür über 50 000 Kinder bei ehrbaren Leuten untergebracht, in 11 Schulen der Gesellschaft in Neuyork unterrichtet und in ihren Kosthäusern verpflegt wurden. 1880 allein wurden 3764 Kindern Stellen verschafft. Eine besondere Abteilung bildet das Logierhaus für Zeitungsjungen, die hier für Weniges Bäder, Betten, Turnanstalten, Wäsche und Speisesäle haben. B. starb 11. Aug. 1890 zu St. Moritz im Engadin. Seine Schriften sind: "Hungary in 1851" (1852), "Home life in Germany (1853), "Norse Folk" (1857), "The Races of the Old World" (1863), "The New West" (1869), "Short sermons for newsboys" (1872) und "The dangerous classes of New York" (1872).

Bracelet (frz., spr. braß'leh), Armband.

Brachdistel oder Mannstreu, s. Eryngium.

Brache heißt in der Landwirtschaft der Zustand, in welchem ein kulturfähiges und in Kultur genommenes Feldgrundstück sich befindet, welches längere Zeit hindurch unbebaut liegen bleibt, aber währenddessen beackert wird. Bleibt das Grundstück (Brachfeld) mehrere Jahre (Brachjahre) in diesem Zustande und wird zur Weide benutzt, so heißt es Dreesch. Über das Wesen der B. ist man erst in der neuern Zeit ins Klare gekommen. Die Thatsache, daß nach einer Periode des Nichtanbaues der Acker ohne weiteres Zuthun sich ertragsfähiger zeigte als früher, hatte zu der Annahme geführt, er bedürfe von Zeit zu Zeit der Ruhe, der Erholung. Dies ist jedoch unrichtig. Sobald einem Boden stets die mineralischen und stickstoffhaltigen Nährstoffe, welche ihm die Ernten entziehen, in anderer billigerer Form wiedergegeben werden, so bleibt er ertragsfähig, ohne Aufhören. Geschieht dies nicht, so kann ihn auch die B. vor Verarmung nicht schirmen, wenn sie gleich dieselbe verzögert, indem sie durch Aufnahme von Atmosphärilien, Erschließung von Nahrungsbestandteilen durch die Kohlensäure, Verwitterung und Verwesung (von Stoppeln, Wurzeln, Unkräutern u. s. w.) dem Acker wiederum für einige Zeit eine größere Produktionskraft verleiht. Unterstützt wird die Wirkung der B. durch die Beackerung (das Ruhren, neuerdings häufig auch mit dem Grubber oder Exstirpator) und die Düngung (gedüngte B.). Wird in der Brachezeit der Acker mit Hackfrüchten, Futterkräutern (Brachfruchten) bestellt, so nennt man dies bebaute oder besömmerte B. Ganze B. trägt der Acker, der ein volles Jahr unbestellt bleibt; halbe B. (Sommerbrache), wenn er erst mitten im Sommer umgebrochen wird und bis dahin zur Weide dient. Sobald der Umbruch des Landes geschehen ist, nennt man es schwarze B. Reine B. wird zuweilen nötig zum Behuf der Drainierung (s. d.); auch beim Übergang in ein anderes Wirtschaftssystem oder zur Vertilgung von Wurzelkräutern (Quecke). Die B. ist fast so alt als der Ackerbau. Schon Hesiod hat sie empfohlen, und die röm. Scriptores rei rusticae stellten sie als Regel auf. Noch jetzt ist sie allenthalben zu finden, wenngleich in verbesserter Form.

Unter Aufbrachen versteht man in der Forstwirtschaft das Aufreißen der Rinde der Nadelhölzer bei dem Harzscharren.

Brache, schweiz. Elle, s. Aune.

Brachelli (spr. brakélli), Hugo Franz, Ritter von, Statistiker, geb. 11. Febr. 1834 zu Brünn in Mähren, studierte an der Universität zu Wien Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaften. Noch als Student veröffentlichte er das statist. Werk "Die