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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brassier de Saint-Simon-Ballade - Brater

rungsmittel für Menschen und Vieh in allen Zonen, mit Ausnahme der Äquatorial- und Tropenzone, weshalb ihre Kultur über den größern Teil der Erdoberfläche verbreitet ist. (S. Blumenkohl, Blattkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl und Wirsing.)

B. Rapa L., Kulturpflanze von unbekannter Herkunft und einjähriger oder auch zweijähriger Dauer, mit grasgrünen, behaarten Wurzelblättern, blauduftigen Stengelblättern, mit anfangs in eine ebene Doldentraube, später in eine lange Traube gestellten Blüten, kleinern sattgelben Blüten und dünnem, pfriemenförmigem Schnabel, sonst der vorigen Art sehr ähnlich. Zu ihr gehören der Rübsen oder Rübsame, mit ölreichen Samen und schmächtiger Wurzel, unsere zweitwichtigste, vielfach angebaute Ölpflanze, und eine Abart (var. rapifera) mit fleischig-saftiger Wurzel (Rübe), deren zahllose Sorten sehr verschiedene Namen führen: Weiße Rübe (s. Tafel: Futterpflanzen I, Fig. 12-13), Mairübe, Wasserrübe, Stoppelrübe, Herbstrübe, Märkische Rübe, Teltower Rübe u. a. m. Sehr nahe verwandt ist der ebenfalls ölreiche Biewitz, welcher etwas früher reift und rauheres Klima erträgt.

B. Napus L. (s. Tafel: Rhöadinen, Fig. 1), Kulturpflanze, die wild im nordwestl. Deutschland vorkommt und unter der Bezeichnung Raps als Ölfrucht gebaut wird. Sie gleicht bezüglich der Anordnung, Größe und Farbe der Blüten sowie des Fruchtschnabels dem Rübsen, unterscheidet sich aber von diesem leicht durch die bläulich bereiften glatten Blätter. Als Kulturform stammt von ihr die Kohlrübe (s. d.). Nahe verwandt mit Raps und Rübsen ist der Awehl (s. d.).

B. nigra Koch, der schwarze Senf, eine einjährige, in Süd- und Westdeutschland wild wachsende und hier und da ihrer Samen halber kultivierte Pflanze mit lauter gestielten Blättern, von denen die untern leierförmig, grasgrün, zerstreut steifhaarig oder kahl, die obern länglich bis lineal-lanzettförmig und bläulich beduftet sind, mit langen Blütentrauben, abstehendem Kelch, hellgelben Blumenblättern und kurzgeschnäbelten, samt ihrem Stiel dem Stengel angedrückten Schoten.

Brassier de Saint-Simon-Vallade (spr. -ßĭeh dĕ ßäng himóng wallahd), Maria Jos. Ant., Graf von, preuß. Diplomat, aus einer südfranzösischen, wahrend der Revolution emigrierten Familie, geb. 8. Aug. 1798, studierte in Berlin und Heidelberg die Rechte. Die diplomat. Laufbahn führte ihn nach Petersburg, Lissabon und Konstantinopel, wo er als Geschäftsträger bedeutenden Anteil an der Einführung des nach preuß. System umgestalteten türk. Militärsystems hatte. 1833 zum Legationssekretär der preuß. Gesandtschaft in Paris ernannt, wirkte er dort bis 1837 mehrmals als Geschäftsträger, wurde dann Ministerresident in Griechenland und brachte mit der dortigen Regierung einen Handelsvertrag zu stande. Hierauf war er preuß. Gesandter in Stockholm und seit 1853 zu Turin, wo er in intimen Beziehungen zum Grafen Cavour stand. 1862 wurde er nach Konstantinopel versetzt, wo ihm namentlich die rumän. und die candiot. Angelegenheit sowie die Verwaltungs- und Justizreformen mehrfach zu einer eingreifenden Wirksamkeit Gelegenheit gaben. 1869 kam er als Gesandter des Norddeutschen Bundes nach Florenz, folgte dann der ital. Regierung nach Rom und starb 22. Okt. 1872 zu Florenz.

Brassikon, s. Geheimmittel.

Brassin (spr. -ßäng), Louis, Pianist, geb. 24. Juni 1840 zu Aachen, Sohn von Louis B.. der seit 1847 mehrere Jahre lang Baritonist am Leipziger Stadttheater war, Schüler von Moscheles in Leipzig, wurde 1866 Lehrer am Sternbergschen Konservatorium zu Berlin, dann an den Konservatorien zu Brüssel (1869) und Petersburg (1879), wo er 17. Mai 1884 starb. Unter seinen Pianoforte-Kompositionen sind die Etüden bemerkenswert.

Leopold B., Bruder des vorigen, Pianist, geb. 28. Mai 1843 zu Straßburg, wurde 1862 Hofpianist des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha, später Lehrer an der Musikschule zu Bern, ging 1887 nach Konstantinopel und starb daselbst 9. März 1890. Er schrieb gute Lieder und Chorgesänge, sowie Klavier- und Kammermusikstücke.

Gerhard B., der jüngste der drei Brüder, Violinist, geb. 10. Juni 1844 zu Aachen, wurde 1863 Lehrer an der Musikschule zu Bern, später Konzertmeister zu Gotenburg in Schweden, 1874 Lehrer am Sternbergschen Konservatorium zu Berlin, 1875 Leiter des Tonkünstlervereins zu Breslau. Er unternahm zahlreiche Konzertreisen in Deutschland, England und Skandinavien, teils mit seinem ältesten Bruder, teils mit Carlotta Patti, und komponierte gehaltvolle Stücke für die Violine.

Brassó, ungar. Name von Kronstadt in Siebenbürgen.

Braten, die Zubereitung des Fleisches, bei der es durch Erhitzen für sich oder mit Fett und ohne oder mit nur geringem Wasserzusatz zum Genusse geeignet gemacht wird. Der Unterschied in Geschmack und Nahrungswert zwischen gebratenem und gekochtem Fleische ist ein sehr wesentlicher. Während beim Kochen durch die angewendete verhältnismäßig große Wassermenge die auslöslichen, schmeckenden und nährenden Stoffe mehr oder minder ausgezogen werden und in die Brühe übergehen (s. Fleischbrühe), bildet sich beim B. ohne Wasser vermöge der Einwirkung der trocknen Hitze auf der Oberfläche eine gebräunte Kruste, innerhalb deren das Fleisch durch seine eigene Feuchtigkeit gleichsam gedämpft wird, seinen vollen Wohlgeschmack behält und in der abgesonderten Bratenbrühe nur einen mäßigen Teil seines Fettes und der Bestandteile der Fleischflüssigkeit verliert. Ohne Wasser geschieht das B. entweder frei vor dem Feuer oder mittels der Hitze eines Ofens in der Bratpfanne. Im erstern Falle verwendet man einen horizontalen Bratspieß, der mit der Hand oder durch eine mechan. Vorrichtung, den Bratenwender, gedreht wird, oder hängt den B. an einen vom Bratenwender gedrehten Haken, oder benutzt einen eisernen Bratrost. - Auf Eisenhüttenwerken heißt B. eine Vorbereitungsarbeit zur Frischarbeit, s. Eisenerzeugung.

Brater, Karl Ludw. Theod., liberaler Publizist und Politiker, geb. 27. Juni 1819 in Ansbach, studierte in Erlangen, Heidelberg und Würzburg die Rechte, wurde Nov. 1848 Bürgermeister von Nördlingen, legte aber dies Amt bereits Anfang 1851 nieder. Darauf widmete er sich einer eifrigen publizistischen Thätigkeit. 1851 begründete er in Nördlingen die "Blätter für administrative Praxis und Polizeigerichtspflege zunächst in Bayern", die er bis 1860 redigierte. 1855 siedelte B. nach München über und gab mit Bluntschli seit 1856 das "Deutsche Staatswörterbuch" heraus, für das er eine Reihe wertvolle Artikel schrieb. Gegen das reaktionäre System des Ministeriums von der Pfordten-Reigersberg rief er 1858 die "Zeitschrift für Gesetz-^[folgende Seite]