Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

469
Braunschweig (Stadt)
der Hagenmarkt ein von Howaldt in Bronze ge-
gossenes Vrunnenstandbild Heinrichs des Löwen
(von A. Vreymann), der Schloßplatz die von Ho-
waldt in Kupfer getriebenen beiden Reiterstand-
bilder (seit 1874) der Herzöge Karl Wilhelm Fer<-
dinand (von Pönninger) und Friedrich Wilhelm
(von Hähnel), der Monumentsplatz den den ge-
nannten beiden Herzögen 1822 errichteten 12 m
hohen eisernen Obelisk, der Lessingsplatz das 1853
enthüllte, von Howaldt gegossene Standbild Les-
sings (von Rietschel), der Siegesplatz das 1881
errichtete Landes-Siegesdenkmal für 1870/71, auf
einem mit Bronzereliefs geschmückten Obelisken die
Germania mit dem Lorbeerkranze (entworfen von
Vreymann, vollendet von Diez). Auf dem Wil-
helmsplatze steht das 1881 vollendete Justiz-, das
neue Polizeigebäude und die Dompfarre; auf dem
St. Leonhardplatz das Denkmal Schills, 1837 ihm
und den im Juli 1809 hier erschossenen 14 Unter-
offizieren und Soldaten seines Korps errichtet, deren
Gebeine nebst Schills Haupt hier beigesetzt sind.
Unweit des Wendenthores auf der Promenade am
Gaußberge das von Schaper modellierte und von
Howaldt gegossene Standbild von Gauh. Nörd-
lich vom Hoftheater wurde 1891 das von Echter-
meyer entworfene Denkmal Franz Abts errichtet.
Kirchen. Unter den 11 Kirchen zeichnen sich
aus: der von Heinrich dem Löwen 1173-88 im
roman. Stil begonnene, 1194 vollendete Dom (St.
Blasius- oder Burgkirche), eine gewölbte Pfeiler-
basilika mit neuer Tauskapelle (1892), Krypta (seit
1681 Erbbegräbnis des braunschw. Welfenhauses),
mit Wandmalereien im Chor, einem Geschenk von
Heinrichs Gemahlin Mechthildis (1188), aus dem
Ende des 12. Jahrh., den Grabdenkmälern des
Gründers und seiner Gemahlin aus dem Anfang
des 13. Jahrh., deren Deckelplatte mit herrlichen
Reliefbildern des herzogl. Paares geziert sind, so-
wie dem Grabe Kaiser Ottos IV.; die 1195 abge-
brannten Türme sind nicht wieder vollkommen her-
gestellt; ferner die Martinikirche, eine urfprünglich
roman. Pfeilerbasilika von 1180 bis 1190, in der
2. Hälfte des 13. Jahrh, im frühgot. Stil erweitert,
mit spitzgewölbten Seitenschiffen, got. Maßwerk
(1250-80), der prächtigen spätgot. Annakapelle
(1434), einem Chorschisf (1490-1500) und reichen
Portalen (Priesterthor, Braut- und roman. Turm-
portal); die Katharinenkirche, ursprünglich eine ge-
wölbte Säulendasilika, 1172 von Heinrich dem
Löwen begonnen, 1252 weiter gebaut, Chor um
1500 vollendet, mit zahlreichen Grabdenkmälern
des 16. bis 18. Jahrh.; die Brüderntirche, Chor 1361
geweiht, 1451 vollendet, 1861-65 unter Leitung
von Tappe und 1869-70 renoviert, mit spätgot.
messingenemTaufbecken(1450) und schönem Sctnütz-
altar aus dem Ende des 14. Jahrh.; das Refekto-
rium des zur Kirche gehörigen ehemaligen Franzis-
kanerklostcrs (1486), jetzt Militärmagazin, hat
ein schönes Renaissanceportal (1604); die um 1200
im Übergangsftil begonnene, 1360-1420 w spät-
got. Stil weiter gebaute Andreaskirche, eine ^äulen-
vasilika mit zwei ungleich hohen got. Türmen, von
denen der südliche (92 m) 1518-32 aufgeführt,
nach den Zerstörungen von 1551, 1680 (durch Blitz
und Sturm) und 1740 erneuert ist; die jetzt zu
Kunstausstellungen. Konzerten u. dgl. bestimmte
frühere Egidienkircye got. Stils, jetzt Ägidienhalle;
die Magnikirche, 1031 geweiht, der jetzige Bau
aus dem 13. und 15. Jahrh., 1877 erneuert. Die
Synagoge in maur.-byzant. Stil ist 1875 von
Uhde erbaut.
Weltliche Bauten. Das Residenzschloß,
1831-36 an Stelle des bei dem Aufstande im
Sept. 1830 niedergebrannten "Grauen Hofes" nach
Ottmers Plan im Renaissancestil erbaut und nach
dem Brande 1865 fast ganz neu aufgeführt; die
Hauptfacade ist 125 m lang, 34 m hoch; das
großartige Portal krönt eine von Rietschel ent-
worfene Quadriga der Vrunonia, von Howaldt
1868 nach dem Brande zum zweitenmal und noch
vollendeter in Kupfer getrieben. Die Sandstein-
statuen Kaiser Ottos IV. und Ottos des Kindes auf
den Zinnen, sowie die Gruppe im Giebelfeld sind
von Bläser. Das Altstadt-Rathaus in zierlichem
got. Stil, aus zwei rechtwinklig zusammenstoßenden
Flügeln (19 m und 17 m lang) bestehend, 1250 be-
gonnen, 1393-96 fortgesetzt, 1447-68 vollendet,
hat in beiden Stockwerken durchbrochene Lauben-
gänge, an deren neun Pfeilern die Standbilder
sächs. Fürsten von Heinrich I. bis zu Otto dem
Kinde nebst Gemahlin aufgestellt sind, die meisten
um 1455 von Hans Hesse gefertigt. Die Hofburg
Heinrichs des Löwen am Burgplatz, 1150-60 an
Stelle der alten Burg Dankwarderode erbaut, im
13. und 16. Jahrh, durch Brand beschädigt, im
17. Jahrh, im Renaissancestil erneuert, diente später
unter dem Namen Mosthaus der herzogl. Hofhal-
tung und bis zu einem abermaligen Brande 1873
als Kaserne. Jetzt wird die Burg mit ihrem zwei-
stöckigen Saalbau (40 m lang, 13 m breit) im ur-
sprünglichen roman. Stil unter Leitung des Vau-
rats Winter wiederhergestellt. Die alte Wage, ein
schöner spätgot. Fachwerkbau von 1534,1856 er-
neuert, das Gewandhaus mit Ostgiebel von 1590
im Renaissancestil von Magnus Klinge und ValZer
Kirchner, das Landschaftliche Haus, das Haupt-
bahnhofsgebäude, 1843-45 von Ottmer errichtet,
ebenso die Infanteriekaserne, das neue Theater von
Wolf, 1861 eröffnet, das Gymnasium Martino-
Katharineum von Fr. Krähe, die 1877 nach Plänen
von Uhde und Körner vollendete Technische Hoch-
schule, das 1878-81 von Raschdorsf erbaute Ober-
postdirektionsgebäude, die Polizeidirektion, 1879-
80 nach Plänen von Bohnsack erbaut, das Iustiz-
gebäude (1879-81), das Land- und Oberlandes-
gcricht (von Lilly), das neue herzogl. Museum, nach
Plänen von Oskar Sommer 1883-87 aufgeführt,
das Direktionsgebäude für das Feuerlöschwesen und
die Gas- und Wasserwerke im got. Stil (1880-82),
das Schlackthaus (1879), beide von L. Winter und
endlich die zahlreichen ^chulgebäude. Einen großen
Reichtum besitzt die Stadt an altertümlichen Wohn-
häusern, deren interessante Holzschnitzereien durch
! neuere buntfarbige Vemalung sehr gewonnen haben.
Außerhalb des Augustthores liegen die dem Her-
zoge von Cumverland zugehörigen Lustschlösser Rich-
moud (1768) mit Park und Villa Richmond, 1834
-35 in normann. Stil erbaut.
Verwaltung. Die Stadt wird verwaltet durch
einen Oberbürgermeister (Pockels, lebenslänglich,
12000 M.), 8 Stadträte (3 besoldete) und 36 Stadv
verordnete. Das städtische Wasserwerk besteht seit
1864, die ständige Feuerwehr seit 1875; letztere
verfügt über 43 ständige und 497 nicht ständige
Personen, 15 Spritzen, 1125 Hydranten und 136
Feuermelder und erfordert eine jährliche Ausgabe
von 56000 M. Die Kanalisation (60 km Kanal-
länge) ist in der AuNenstadt fast ganz, in der