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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bredstedt - Bregenz
und folgte 1809 einem Rufe au die Universität zu
Frankfurt a. O., mit der er 1811 uach Vreslau über-
siedelte, wo er 5. Sept. 1814 starb. Von V.s patrio-
tischeu und auf gründlichem philol. Studium be-
ruhenden Schriften sind zu erwähnen: "Handbuch
der alten Geschichte, Geographie und Chronologie"
(Mona 1803; 6. Aufl. von Kunisch, 1837), "Unter-
suchungen über einzelne Gegenstände der alten Ge-
schichte, Geographie und Chronologie" (2 Abteil.,
ebd. 1800-2), "Chronik des 19. Jahrh." (5 Bde.,
ebd. 1808-11), deren Fortsetzung er, da sie wegen
der freimütigen Sprache von der Censur beanstan-
det wurde, an Venturini überließ. Am meisten
verbreitet sind seine Schulbücher: "Merkwürdige
Begebenheiten aus der allgemeinen Weltgeschichte"
(Altona 1810; 37. Aufl. 1880) und "Umständliche
Erzählung der merkwürdigsten Begebenheiten aus
der allgemeinen Weltgeschichte" (ebd. 1810; 15. Aufl.
1866). Nach seinem Tode erschienen seine "Nach-
gelassenen Schriften; mit dem Leben des Verfassers",
hg. von Kuuisch (Vresl. 1823).
Bredstedt, Flecken im Kreis Husum des preuß.
Reg.-Vez. Schleswig, im alten Nordfriesland, 4 km
vom Wattenmeer der Nordsee, dicht am östl. Rande
der Marsch an der Linie Elmshorn-Heide-Widding
(Schlcswig-Holst. Marschbahn) der Preuß. Staats-
bahnen, hat (1890) 2041 evang. E., Post, Telegraph,
Amtsgericht (Landgericht Flensburg), Krankenhaus,
Sparkasse: Ackerbau, Viehzucht, Getreide- und Vieh-
handel, im Sommer einen Wollmarkt und im Herbst
wöchentliche Viehmärkte.
Bröe, Mattheus Ignatius van, vläm. Maler,
geb. 22. Febr. 1773 zu Antwerpen, bildete sich teils
dort, teils unter Vincent in Paris. Seine ersten
Gemälde behandelten vorwiegend antike und reli-
giöse Stoffe: Ziehung des Loses unter den dem Mi-
notaurus geweihten jungen Athenerinnen, Rückkehr
des Regulus nach Karthago (beide im Museum Zu
Brüssel), später malte er: Tod von Rubens (1804;
Museum in Antwerpen) und 1816 den aus der Zeit der
Hungersnot 1576 bekannten Leidener Bürgermeister
van der Werff (im Stadthause zu Leiden), ein Bild,
das durch die effektvolle Gruppierung und das lebhafte
Kolorit in Rubens' Manier Beifall fand. V. starb
15. Dez. 1839 als Direktor der Akademie der schö-
llen Künste zu Antwerpen. - Sein Bruder und
Schüler, Philipp Jakob van V., ebenfalls mit
Erfolg Historienmaler, geb. 6. Jan. 1786 zu Ant-
werpen, ging frühzeitig nach Paris und dann nach
Rom, von wo er 1818 nach Paris zurückkehrte.
Später lebte V. in Brüssel, wo er als Mitkonservator
des königl. Museums 16. Febr. 1871 starb.
Breeger Bodden, Breetzer Bodden, s.
Bodden.
Brefeld, Oskar, Botaniker, geb. 19. Aug. 1839
zu Telgte bei Müuster in Westfalen, war anfangs
als Apotheker thätig, studierte seit 1869 an den
Universitäten Halle, München und Würzburg Bo-
tanik und habilitierte sich 1875 in Berlin; 1878
wurde er Professor der Botanik an der Forstakademie
in Eberswalde und 1884 als solcher an die Univer-
sität Münster berufen. B. hat namentlich Unter-
suchungen auf dem Gebiete der Mykologie veröffent-
licht, fast alle Familien der Pilze sind von ihm
untersucht worden, und die Methoden, die er bei
seinen Pilzkulturen anwandte, haben für alle wei-
tern Forschuugen auf diesem Gebiete die größte
Nichtigkeit; so hat V. beispielsweise die sog. Gela-
Nnekulturen, welche zur Zeit in der Bakteriologie
>l^
die verbreitetste Anwendung finden, zuerst einge-
führt. Seine wichtigsten Untersuchungen sind in einer
Folge von Heften niedergelegt worden, die den Titel
^Untersuchungen aus dem Gesamtgebiete der Mp-
kologie" (Lpz. seit 1872) tragen.
Bregach oderBreg, Quellfluh der Donau(s.d.).
Bregaglia (spr. -älja), der ital. Name für das
Bergell (s. d.).
Bregenz. 1) Bezirkshauptmannschaft in Vor-
arlberg, hat 826,44 ykm, (1890) 41824 (20586
männl., 21238 weibl.) C'., darunter 40967 Katho-
liken und 845 Evangelische; 8849 Häuser, 9184
Wohnparteicn in 39 Gemeinden mit 51 Ortschaften
und unifaftt die Gerichtsbezirke Bezau und B. -
2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft B.
und von Vorarlberg, in 395 m
Höhe, am östl. Ende des Boden-
sces und am Fuße des Pfänder
(1056 m) und des Gebhards-
derges (593 m) mit den Trüm-
mern der alten Burg Hohen-
bregenz und alter Wallfahrts-
kirche, mit schöner Aussicht über
den See und seine weinbe-
kränzte Umgebung. Die Stadt
liegt an dcrLinieBludenz-Lindau derOsterr. Staats-
bahnen, besteht aus Alt- oder Oberstadt auf einer An-
höhe, demaltröm.Castrum,frühermit2Thoren, deren
südliches abgebrochen ist, und der jene auf 3 Seiten
umschließenden neuen Stadt und hat (1890) 6739
E., in Garnison (431 Mann) das 6. Fcldbataillon
des Tiroler Jägerregiments "Kaiser Franz Joseph",
Standort des 10. Landesschützen-Vataillons, Post,
Telegraph, Personendampferverbindung mit allen
Bodenseehäfen, Bezirksgericht (237 ykm, 18 Ge-
meinden, 37 Ortschaften, 27126 E.), Hauptzoll-,
Forst- und Steueramt, 3 kath. Kirchen und 2 Klöster
und eine kleine, aber schöne gotische evang. Kirche, bei
deren Erbauung Überreste röm. Bauten, besonders
eines Bades, und viele Gefäße und Münzen gefun-
den wurden. In der Nähe wurden schon früher röm.
Altertümer und (1866) 51 alte Gräber aufgedeckt.
Die meisten dieser Altertümer befinden sich in dem
sehenswerten Vorarlberger Landesmuseum. Ferner
sind zu erwähnen das Rathaus, die Pfarrkirche
mit altem Quaderturm und die großen Korn-
häuser. In neuester Zeit sind in der Neustadt der
große Bahnhof, Lagerhäuser und Viehhof, mehrere
Hotels sowie eine Reihe schöner Landhäuser (Villa
Raczinski erwähnenswert) erbaut. B. hat durch den
Bau der Arlbergbahn (s. Arlberg) großen Auf-
schwung genommen und ist durch den Bau einer
Dampferflottillc auf dem Bodensee ein wichtiger
Handelsplatz geworden. Die Industrie der Stadt er-
streckt sich aufBaumwollspinnerei, Weberei, Wachs-
bleicherei, Fabrikation von Seidenfoulard, Gold-,
Holz- und Eisenwaren, der Handel auf Getreide,
Fettwaren, Vieh und Holz. Ferner wird Acker-,
Obstbau und Viehzucht betrieben. In dem nahen
Wirtat obel ein Braunkohlenbergwerk (1886:
113 Arbeiter, 13 990 t Ausbeute), nördlich von der
Stadt auf dem gegen den See vorspringenden Felsen-
rücken des Pfänderbergs die Bregenz er Klause,
ein ehemals stark befestigter Vergpaß, durch den bis
1831 die Straße aus Schwaben nach Vorarlberg
und Tirol führte. Seitdem läuft die Straße hart
am Seeufer hin, wo sie in einer Länge von 890 m
gegen die wilde Brandung der oft hoch treibenden
Wellen durch einen Quaderdamm mit eisernem
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