Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

505
Brentford - Brenztraubensäure
Diesen begleitete B. 1868 auf einer Studienreise
in England, wo er die engl. Arbeiterverhältnisse,
namentlich die Gewerkvereine kennen lernte. Eine
Frucht dieser Reise ist sein Werk: "Die Arbeitcr-
gilden der Gegenwart" (2 Bde., Lpz. 1871-73).
Nachdem V. sich 1871 als Privatdocent an der
Berliner Universität habilitiert hatte, begab er sich
1872 wieder nach England, folgte noch in demselben
Jahre einem Nufe als außerord. Professor der
Staatswissenschaften an die Universität zu Vreslau
und ward 1873 zum ord. Professor daselbst ernannt.
1882 ward er Professor der Staatswisscnschaften in
Strahburg, 1888 in Wien, 1889 in Leipzig, 1891
in München. Bei Ausbruch des Streites zwischen
der sog. deutschen Freihandelsschule und den Kathe-
dersocialisten war B. einer der eifrigstenWortfübrer
der letztern. (Vgl. seine Streitschriften: "Über Eini-
gungsämter. Eine Polemik mit Dr. Alex. Meyer",
Lpz. 1873, und "Die wissenschaftliche Leistung des
Herrn L. Vambergcr", ebd. 1873.) Indes bestand
von Anfang an ein weitgehender Unterschied zwi-
schen seinen Anschauungen und denen der zum
Staatssocialismus neigenden Kathcdersocialisten.
Von B.s Schriften sind noch hervorzuheben: "Das
Arbeitsverhältnis gemäß dem heutigen Recht" (Lpz.
1877), "Die Arbciterversicherung gemäß der heuti-
gen Wirtschaftsordnung" (ebd. 1879), "Der Ar-
beiter-Versicherungszwang, seine Voraussetzungen
und seine Folgen" (Berl. 1881). Außerdem ver-
öffentlichte er histor. und nationalökonomische Auf-
sätze in den "Preuß. Jahrbüchern", in Hiloebrands
und Conrads "Jahrbüchern für Nationalökonomie
und Statistik", worunter besonders der über die engl.
Chartistenbewegung zu nennen ist, und in Schmol-
lers "Jahrbuck für Gesetzgebung, Verwaltung und
Volkswirtschaft im Deutschen Reiche". Auch ist der
Abschnitt über "Die gewerbliche Arbeiterfrage" in
der 1. Aufl. des von Schönberg herausgegebenen
"Handbuchs der polit. Ökonomie" (Tüb. 1882) von
B. bearbeitet.
Brentford, Hauptstadt der engl. Grafschaft
Middleser, 11 km im W. von London, links an der
Themse, an der Mündung der schiffbaren Vrent, be-
steht hauptsächlich aus einer 2 km langen, der Themse
parallelen Straße, hat (1891) 13736 E., Stadt- und
Markthalle, eine 1890 eröffnete Freibibliothek, Sei-
fen- und Malzfabrikation, Brennerei, Holzschneide-
rei, Töpferei, Wasserwerke der Junction-Company.
Brentlvood (spr. -wudd), ursprünglich Burnt-
wood, ^tadt in der engl. Grafschaft Esser, 17 km
im SW. von Chelmsford, hat (1891) als Zählbezirk
15 710 E., eine 1557 gegründete Lateinschule, Irren-
haus; Ziegelei, Brauerei, Vieh- und Pfcrdemärkte.
Brenz, 65 km langer linker Nebenfluß der
Donau in Württemberg, der in 501 m Höbe im
Aalbuch, nahe bei der Kocherquelle, entspringt und
in 442 m Höbe im SW. von Lauingen in Bayern
mündet; in sie ergießt sich die Lone. An ihr liegt
im württemb. Iagstkreise, Oberamt Heidenbeim, der
Ort V. mit einem Schlosse und über 800 E., welche
Viehzucht, Weberei und Korbflechterei treiben.
Vrenz, Joh., schwäb. Reformator, geb. 24. Juni
1498 zu Weilderstadt, studierte seit 1512 in Heidel-
berg, wurde 1522 an der dortigen Heiliggeistkirche
Kanonikus, trat auf Luthers Seite und wandte
sich 1522 als Prediger nach Schwäbisch-Hall, wo
er die Kirchenverbesserung durchführte, um dann
auch bei der Einführung der brandenb.-ansbachi-
schen, nürnbergischen und württemb. Kirchenord-
nung mitzuwirken. Er schrieb 1527 den ersten
evang.Katechismus: "Fragstück des christl. Glaubens
für die Jugend zu Schwäbisch-Hall", verteidigte
gegen die Schweizer im "^uArammH Luevioum"
1525 die substantielle Gegenwart des Leibes Christi
im Abendmahl, wohnte dem Neligionsgespräch zu
Marburg 1529, dem Reichstage zu Augsburg 1530,
den Neligionsgesprächen zu Worms 1540 und zu
Negensburg 1546 bei. Vor dem Interim floh er
aus Schwäbisch-Hall und irrte umher, bis ihn
Herzog Christoph 1552 als Propst nach Stuttgart
berief. Im März 1552 war er in Trient zur Über-
gabe eines von ihm verfertigten Bekenntnisses der
Württemberger l^out'eLLio ^Vu6i't6mI)6lFica. oder
8u6vica). V. starb 11. Sept. 1570. Seine Werke sind
(unvollständig) gesammelt in "Vl6iitii opera" (8 Tle.,
Tüb. 1576-90: Amsterd. 1666). - Vgl.Zartmann
und Jäger, I. V., nach gedruckten und ungedruck-
ten Quellen (2 Bde., Hamb. 1840); Hartmann,
I. B., Leben und ausgewählte Schriften (Elberf.
1862); Pressel, ^uOcäota lirontiHug. (Tüb. 1868).
Brenzbahn, von Aalen nach Ulm (72,5 km,
1864-76 eröffnet), ist württemb. Staatsbahn (s.
Württembergische Eisenbahnen).
V'renze, s. Brennbare Mineralien.
Brenzesfigäther, soviel wie Aceton (s. d.).
Brenzaallussäure, soviel wie Pyrogallus-
Brenzharz, s. Vrandharz. ^säure (s. d.).
Brenzkatechm, Pyrokatechin, ist Ortho-
Diorybenzol, Og 114(011)2, eine in weißen Prismen
krystallisierende Verbindung, die in Wasser, Alkohol
und 'Äther leicht löslich ist, bei 104° schmilzt und bei
245° siedet. Es löst sich in Alkalien; die Lösungen
werden an der Luft zuerst grün, dann braun und
schwarz. Eisencklorid färbt die wässerige Lösung
grün. Das B. wurde zuerst durch Destillation von
Katecbu (s. d.) erhalten und entsteht ebenfalls bei
der Destillation von Katechinsäure und Moringa-
gerbsäure. Überhaupt ist es im Pflanzenreich ziem-
lich verbreitet, und findet sich auch im rohen Holz-
teer. Sein Methyläther ist das Guajakol (s. d.). In
der Neuzeit hat es Verwendung als Entwickler in
der Photographie gefunden.
Brenzlich, Bezeichnung für den eigentümlichen
Geruch, den organische Substanzen beim Erhitzen
wahrnehmen lassen. ^(chem.).
Vrenzliche Dle, Brenz öle, s. Vrandöle
Brenzlicher Gfsiqgeist, soviel wie Aceton (s.d.).
Brenzfäuren, s. Brenzverbindungen.
Brenzschleimsäure, Furfurancarbon-
säure, (^I^Og, eine einbasische organische Säure,
die durch Oxydation von Furfurol und durch De-
stillation von Schleimsäure und Zuckersäure ge-
wonnen wird. Die V. krystallisiert bei 134° in
schmelzenden farblosen Nadeln. (S. auch Furfuran.)
Vrenztraubensäure, Acetylcarbonsäure,
0I1g- co.cnoiloder^H^o^a-Ketopropion-
säure, eine organische Säure, die sich bei der De-
stillation von Traubensäure und Weinsäure bildet
und auf mehrern Wegen synthetisch dargestellt wer-
den kann. Die V. ist eine ölige Flüssigkeit von
essigsäureäbnlickem Geruch, löst sich ungemein leicht
in Wasser, Alkohol und Äther und siedet bei 165-
170°. Sie ist einbasisch und bildet Salze, die nur
schwierig krystallisieren. Mit besonderer Leichtigkeit
läßt sich die V. zu kompliziertern Verbindungen
kondensieren. Sehr charakteristisch ist die in Wasser
sckwer lösliche Phenylhydrazinverbindung, die aus
Alkohol in gelblichen Prismen krystallisiert.