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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Breviarium - Brewster
Bezeichnung, mit welcher in Frankreich patentierte
Artikel versehen sind.
Nroviarinin (lat.), kurze Übersicht übcr etwas,
Auszug, Wirtschaftsbuch, dann auch kurzer Auszug
aus größeren Werken. Das V. ^uFusti, von den
spätern röm. Kaisern als L. Imperii fortgesetzt, ent-
hält statist. Notizen übcr die Armee, die Einnah-
men u. s. w. Das N. ^Iln'icilluuin ist eine Samm-
lung röm. Ncchtsbestimmungen, welche König Ala-
rich II. 506 für die im wcstgot'. Reiche lebenden Römer
veranstalten ließ. Vor dem 16. Jahrh, hieß diese
Sammlung auch leider le^uin, I^ex I^omHUtl. Visi-
^otlioi-uw, I^ex 11i60ä08i3,NÄ, I^6X muudiiull.. Sie
enthält namentlich den (^oäex 11i60ä08iaiiu3 nebst
einer Anzahl späterer Novellen, eine Bearbeitung
von Gajus' Institutionen u. s. w. Die neueste Aus-
gabe veranstaltete Häncl ("I^xKomauaV^ig'otko-
rum", 2 Bde., Verl. 1847 - 49). - Über das 1).
Koinaiiuin s. Brevier.
Brevier (Lrevi^riinn, von lat. di-oviä, "kurz"),
das für den Gebrauch der röm.-kath. Geistlichen bei
dem gemeinschaftlichen Gebet (s. Chordienst) zu den
vorgeschriebenen Gebetstuudcn (s. IIoi-^ caiwuica)
oder bei dem täglichen Privatgebet bestimmte lat.
Gebetbuch, das die Psalmen, Abschnitte der Zeiligen
Schrift und der Kirchenväter, Hciligcngeschichten,
Hymnen, Gebete und andere Formeln umfaßt. Das
unter Gregor VII. im 11. Jahrh, zusammengestellte
römische V. (Lrovi^i-ium Nomluiuin), das durch
Pius V. 1568 in verbesserter Ausgabe veröffentlicht
und allgemein vorgeschrieben, unter Clemens VIII.
1602 und zuletzt unter Urban VIII. 1634 revidiert
wurde, verdrängte allmählich alle andern in ein-
zelnen Orden oder Diöcesen früher gebräuchlichen
V. Nach den vier Jahreszeiten zerfällt es meist in
die vier Teile Iii6MHii8, v6i'H3.1i8, H63tivlrli8 und
Hucwinnüli8, von denen jeder aus vier Abschnitten
besteht: 1) Psalterium, für die sieben Tage der
Woche; 2) I'^oprium ä6 toinpors, für die einzelnen
Zeiten des Kirchenjahres und die Feste, die sich
auf Christus beziehen; 3) I'io^rium äs 8aucti8 und
4) Commune ^nctoruin, für die Heiligenfeste. Hierzu
kommen noch Anhänge, wie das OMcwni ^arvuin
Z. ^Iki'iae, das ONcinin äeluncwi'uin, Itiuei'a.-
rium (Reisegebet), Tischgebete u. s. w. Nach den
päpstl. Verordnungen ist jeder Geistliche, der die
höhern Weihen empfangen hat, zum Gebrauche des
B. verpflichtet, und die Auslassung eines der acht
Stücke, aus denen die tägliche Andacht besteht, eine
Todsünde. Zahllose Ausgaben des B. sind erschie-
nen, eine deutsche Übersetzung von M. A. Nickel
(Franks. 1842). - Vgl. Probst, V. und Brevier-
gebet (2. Aufl., Tüb. 1868); Pleittner, Älteste Ge-
schichte des Breviergebcts (Kcmpten 1887).
Brevier (spr. brewihr) ist die engl. Bezeichnung
für Petitschrift, mit der die röm. Breviarien (zuerst
von Plantin in Antwerpen) gedruckt wurden.
Brevik, Stadt in der Vogtci Nieder-Telemar-
ken des norweg. Amtes Vratsbcrg, in schöner Lage
am Skicnsfjord, mit lebhaftem Handel und Schiff-
fahrt, erhielt 1845 Stadtprivilegien, hat (1891)
1998 E., Post und ist Geburtsort des Seehelden
Kort Adelaer.
VrSvilinFnia, s. Kurzzüngler.
Brcviloqucnz (lat. di-evilociuentia.), Kürze des
Ausdrucks, Wortkargheit, s. Vrachylogie.
Vrevi lnanu (lat.), kurzer Hand, kurzweg,
ohne Umstände, im Geschäftsstil der Behörden
gebräuchlich, wenn die durch ein Schriftstück ver-
anlaßte Verfügung auf das Schriftstück im Ori-
ginal gesetzt wird und nun mit demselben an den
Adressaten geht; z. B.: "wird dem Einsender L. m.
mit der Eröffnung zurückgegeben, daß" u. s. w. -
Wird einem Inhaber, welcher die Sache für einen
andern besitzt, z. V. einem Verwalter, Mieter, De-
positar von demjenigen, für welchen er besitz^, der
Besitz überlassen, etwa weil ihm derselbe die ^ache
verkauft oder fchcnkt, fo bedarf es keiner förmlichen
Übergabe. Die Innehabung verwandelt sich mit Zu-
stimmung des bisherigen Besitzers durch bloßen
Willen des bisherigen Inhabers, welcher sich bereits
der Verkäufer oder Schenkgcber Eigentümer, so er-
wirbt der bisherige Inhaber auf diesem Wege Eigen-
tum. Der Vorgang ist der umgekehrte vom ^ou3ti-
tMum P08868801'ium (s. d.).
NrsviVVQliVZ (lat.), Kurzschwinger, soviel wve
Straußvögel (s. d.).
Nrovis (lat., zu ergänzen now; frz. Lr6v6 als
Substantiv) heißt in der ältern Notenschrift eine "kurze
Note", im Gegensatz zur I.ouZg. (s. d.); sie entspricht
der gegenwärtigen doppelten ganzen Taktnote und
findet noch im sog. großen Allabrevetatt (s. ^113.
di'6V6) Anwendung. Wichtig war sie in der 3. c^-
poli".-Musik des 16. und i?. Jahrb. und wurde
f^ geschrieben. Sie galt in dieser Zeit als Takt-
einheit und wurde auch bisweilen als 'I"inM3 oder
HIoii8Ut-3. tömpor^ bezcickuct. Das Zeichen für
die V. als Zeiteinheit ist: (^ ; es verlangt schnelles
Tempo. Der L. entsprechend hieß frühcreine ganze
Note von vier Vierteln 36mi-di'6vi3.
Nrovitsr (lat.), kurz, in wenig Worten.
Brew, Georg, Maler, s. Breu.
Brewer (spr. bruer), John ^Herren, engl. Histo-
riker, geb. 1810 in Norwich, studierte in Oxford und
wurde 1841 Professor der cngl. Litteratur und Pre-
diger an I^oU'ä (Äiapol in London. Er gab Füllers
Kirchengcschichte neu heraus und beteiligte sich an
der amtlichen Herausgabe derNcgestensammlungcn:
"I'1i6 Olllenäll.I'Z Ot' 3t5tt0 ?^P61'3, 1'6iatinF t0 tilö
rei^n ol llenr^ VIII.v und "^alenälli' ol tll6 lüare^v
NHnu80,ript8, pi'036rvL(1 in tl^6 ^rclli6^i3c0p^1
I^idrar^ oll^mdetii". Außerdem veröffentlichte er
mehrere kirchengefchichtliche Arbeiten: "NoimmoiitI.
I^i-3.nci3c9.nli" (1858) und ""1^16 ^tli^nll8i3.n oi-iZin
ok t^6 ^t1^!iQ3.8iHii croocl" (1872). 1877 trat er in
den Ruhestand und zog sich nach Toppesficld in
Esser zurück, wo er 16. Febr. 1879 starb. Nach
seinem Tode erschienen von ihm noch: "TnFliLii
8tuäi68, or 633Ä^3 in UnFli3ii 1ii3t0i')' ai^ä Iitei'3.'
Wl6" (Lond. 1881).
Brewster (spr. bruhster), Sir David, cngl. Phy-
siker, geb. 11. Dez. 1781 zu Icdburgh in Schott-
land, studierte in Edinburgh Naturwissenschaften
und widmete seine ersten Untersuchungen der Po-
larisation des Lichts oder der doppelten Strahlen-
brechung. Dieselben erschienen in den "'Ii'll.Q^e-
tioii8" der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu
Edinburgh, deren Mitglied er 1808 wurde, und bei
der er später das Amt eines Vicepräsidcnten er-
hielt. Er übernahm 1808 die Redaktion der "^äw-
diir^ii Nuc^eiopNäia.", die bis 1830 in 18 Quart-
bänden herauskam und die ihm eine Reihe vor-
trefflicher Aufsätze verdankt. In Gemeinschaft mit
Iameson gründete er 1819 das "Zäiudu!-^ ?ki>
1o80pkic3i ^ouriiHi", das er von 1824 bis 1832