Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

553

Britisches Museum

steht und, im roman. Stile gebaut, eine der architektonischen Zierden Londons ist. Die Sammlungen zerfallen in vier Departements: Zoologie, Geologie, Botanik und Mineralogie. Die zoolog. Sammlungen stehen schon seit vielen Jahren unter einem Deutschen, Dr. Albert Günther und haben unter seiner Leitung einen in keinem andern Museum erreichten Aufschwung erhalten; sie zerfallen in zwei Abteilungen, von welchen die eine die zur Belehrung des Publikums aufgestellten Exemplare in 11 Sälen und Galerien umfaßt, die andere, bei weitem größere, nur zum wissenschaftlichen Studium dient. Der numerische Stand dieser Sammlungen, welche durchschnittlich einen jährlichen Zuwachs von 54 000 Exemplaren erhalten, läßt sich nur annähernd angeben. Die Zahl der Säugetiere belauft sich auf etwa 16 000, die der Vögel auf 170 000, die der Amphibien auf 25 000, die der Fische auf 45 000, die der Mollusken auf 250 000, die der Insekten auf nicht weniger als 1½ Millionen; die Anzahl der niedern Tiere wird auf 200 000 geschätzt. Namentlich in der neuern Zeit hat dieses Departement besonders durch Schenkung, aber auch durch Ankauf viele der wichtigsten Privatsammlungen absorbiert. Die Erwerbung der massenhaften Ergebnisse der Challenger-Expedition machte es notwendig, ein besonderes großes Gebäude, welches nur für die in Spiritus aufbewahrten Exemplare in etwa 80 000 Flaschen bestimmt ist, um die Hälfte zu verlängern. In der Verwaltung und Bearbeitung dieser Sammlungen ist der Vorstand unterstützt durch einen Assistant-Keeper und 13 Assistenten, von denen jedem ein gewisser Teil des zoolog. Materials zugewiesen ist. Unter dem gegenwärtigen Vorstande haben die Kataloge der zoolog. Abteilung einen bestimmten Charakter angenommen, der sie zu Hauptwerken in den betreffenden Sektionen macht. Es sind Monographien, in denen nicht allein die vorhandenen Exemplare aufgezählt sind, sondern alle bekannten Arten beschrieben und die wichtigsten Exemplare abgebildet sind. Solche Kataloge bestehen von den Säugetieren (mehrere Bande), von den Vögeln (22 Bde., noch nicht vollendet), den Reptilien (7 Bde.), Fischen (8 Bde.), von Lepidopteren und andern Insekten (10 Bde.), von Korallen (1 Bd.). Viele andere von Nichtmitgliedern des Museums verfaßte Werke sind ausschließlich auf das Material des Museums basiert. Die mineralogische Sammlung, eine der vorzüglichsten Europas, jetzt nach chem. Grundsätzen angeordnet, gewann erst 1810 durch die Sammlung von Oberst Greville eine höhere Bedeutung. Durch Georg IV. erhielt sie ein wertvolles Sortiment von Mineralien des Harzes und 1859 die Allan-Greg-Sammlung von mehr als 9000 Stück. Sie umfaßt auch eine vorzügliche Suite von Aërolithen (220 Stück), die größte unter allen vorhandenen. Die geologische und paläontologische Abteilung ist seit 1830 in raschestem Wachstum begriffen; 1831 und 1840 wurden ihr die Fossiliensammlung von Thomas Hawkins, 1839 das besonders an schönen Exemplaren engl. Fossilien reiche Museum des Dr. Mantell einverleibt. Bemerkenswert sind auch die tertiären Fossilien aus Indien, von Falconer beigesteuert, und die Reste ausgestorbener Vögel aus Neuseeland. Eine Sammlung der Reste von Menschen und Tieren, wie von Waffen und Geräten aus Knochen und Stein, die in einer Hohle von Bruniquel im südl. Frankreich aufgefunden wurden, kam 1864 hinzu. Die botanische Abteilung wurde 1827 gegründet, als das Herbarium des Sir J. Banks Nationaleigentum wurde. Dieses Herbarium enthielt außer andern Schätzen die von Cooks Expeditionen stammenden Sammlungen. Seit dieser Zeit wurden wichtige andere Sammlungen geschenks- oder kaufsweise erworben: so die von Robert Brown, Welwitsch, Miers, Hance, Triana, W. Wilson, Hampe, Broom u. a. Dieses Departement besitzt auch 300 große Bände mit den Herbarien des Sir H. Sloane (Kamel, Kaempfer), auch Hermanns Pflanzen von Ceylon, auf welche Linné seine Flora zeylonica basierte. Die Reihe dieser histor. Herbarien ist von einem wissenschaftlichen Wert, der von keinem andern Museum übertroffen wird. Seit 1871 steht dieses Departement unter W. Carruthers als Keeper. 1891 wurden die naturgeschichtlichen Sammlungen durch 103 187 Gegenstände vermehrt, wovon 48 771 auf die zoolog., 15 211 auf die geolog., 1205 auf die mineralog, und etwa 38 000 auf die botan. Sammlung entfallen.

Die Verwaltung des B. M. stand von jeher unter einer Aufsichtskommission (Board of trustees) von 50 Mitgliedern, deren eine Hälfte von den um das Museum meist verdienten Familien (Sloane, Cotton, Townley, Elgin u. a.) gestellt wird, während die andere Hälfte stets gewisse höhere Beamte sind, darunter der Erzbischof von Canterbury, der Lordkanzler und der Sprecher des Hauses der Gemeinen. Diese drei sog. Oberaufseher (Principal trustees) haben allein das Recht, alle Beamte des Museums zu ernennen, mit Ausnahme des Oberbibliothekars (Principal librarian), den der König oder die Königin aus zwei durch die Oberaufseher vorgeschlagenen Personen erwählt. Der Oberbibliothekar ist der höchste Beamte des ganzen Instituts, während jedes der 12 einzelnen Departements einem Vorstand (Keeper), dem nötigenfalls Hilfsvorstand (Assistant-keepers) beigegeben werden, anvertraut ist. Das offizielle Bureau des Naturwissenschaftlichen Museums in South-Kensington wird von einem besondern Direktor, W. H. Flower, geleitet. Wie das Institut überhaupt, so ist die Zahl der Beamten in stetiger Zunahme begriffen. Während des 18. Jahrh. reichten 7 Beamte (1 Oberbibliothekar, 3 Unterbibliothekare und 3 Hilfsbibliothekare) aus. Gegenwärtig erreichen die Beamten, Diener und Arbeiter des B. M.die Gesamtzahl von 321; die wöchentliche Zahl der Arbeitsstunden ist 36 im Winter, 54 im Sommer; das Gehalt des Oberbibliothekars beträgt 1200, das der höhern Beamten 4-800 Pfd. St. u. s. w. Der Oberbibliothekar, dessen unermüdlicher Thätigkeit und glänzendem Verwaltungstalent das Museum, besonders die Bibliothek, seinen erstaunlichen Aufschwung am meisten verdankt, Antonio Panizzi (s. d.), zog sich 1866 in den Ruhestand zurück und wurde bald darauf in Anerkennung seiner Verdienste zum Ritter geschlagen. Ihm folgte sein vieljähriger Freund und Mitarbeiter Winter Jones und diesem 1878 E. A. Bond (s. d.), diesem 1888 E. Maunde Thompson; neben letzterm ist zu nennen der derzeitige First keeper of the printed books, Dr. R. Garnett (s. d.). Bemerkenswert ist, daß in der Reihe der frühern Oberbibliothekare regelmäßig ein Ausländer einem Engländer folgte. Dem ersten, Dr. Gavin Knight (1756-72), folgte der Holländer Dr. Maty (1772-76), dem dritten, Dr. Morton (1776-99), der Schweizer Joseph Planta (1799-1827), und dem fünften, Sir Henry Ellis (1827-36), der Italiener Sir Antonio Panizzi. Über-^[folgende Seite]