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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Brumal; Brumataleim; Brumath; Brummeisen; Brummer; Brummerkrankheit; Brun; Brün; Bruna; Brunck; Brundisium; Brune

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Brumal - Brune

Gregorianischen Kalenders anfing und bez. mit dem 20., 21. und 22. Nov. endigte. Ein welthistorisch berühmter Tag ist der 18. B. des J. VIII (9. Nov. 1799), an dem der General Bonaparte das Direktorium stürzte und als Erster Konsul die Regierung übernahm. (S. Napoleon I.)

Brumal (lat.), winterlich.

Brumataleim, Klebmasse zum Fangen und Vernichten der den Obstbäumen und andern Laubhölzern schädlichen Insekten, namentlich der Frostspanner, auch Reifmotten (Cheimatobia brumata L.), von Ende Oktober bis Ende November. Man bindet um die Stämme einen 10-12 cm breiten, vorher mit verdünntem Tischlerleim grundierten Papierring oben mit Bindfaden fest, umstreicht dann den Ring mit dem lange klebrig bleibenden B., mit dem dann die ungeflügelten weiblichen Schmetterlinge, die als Puppen in der Erde zugebracht haben und nach dem Auskriechen am Fuße des Baumstammes befruchtet worden waren, gefangen werden. Erforderlich ist sorgsame Berücksichtigung des Erscheinens der Tiere, um den Ring zu rechter Zeit anzulegen. Der B. kann aus denselben Materialien wie der zur Bekämpfung des Kiefernspinners dienende Raupenleim (s. d.) hergestellt werden.

Brumath, Hauptstadt des Kantons B. (199,71 qkm, 21 Gemeinden, 24 367 E.) im Landkreis Straßburg des Bezirks Unterelsaß, an der Zorn und der Linie Straßburg-Avricourt der Elsaß-Lothring. Eisenbahnen, 17 km nordwestlich von Straßburg, hat (1890) 5548 E., darunter 2185 Katholiken und 465 Israeliten, Post, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Straßburg), Steueramt, kath. Dekanat, ein Konsistorium Augsburgischer Konfession,Bürgerspital, kath. Krankenhaus, Gerbereien, Ziegeleien, Wein-, Hanf- und Tabakbau. In der Nähe die kaiserl. Obstbauschule Grafenburg und 1 bez. 7 km südlich die Bezirksirrenanstalten (Direktion in B.) für Unter-und Oberelsaß Stephansfeld und Hördt (1888: 1527 Kranke, 127 Wärter, 42 kath. Schwestern). - B., das Brocomagus der Römer, wurde 1336 vom Kaiser Ludwig dem Bayer zur Stadt erhoben, gehörte seit 1480 den Grafen von Hanau-Lichtenberg, dann bis 1789 den Landgrafen von Hessen-Darmstadt und wurde 1801 an Frankreich abgetreten. Im Deutsch-Französischen Kriege besetzten es die Badenser 8. Aug. 1870 und begannen von hier aus die Operationen gegen Straßburg.

Brummeisen, s. Maultrommel.

Brummer, s. Schmeißfliege.

Brummerkrankheit, s. Stiersucht.

Brun, Heiliger, s. Bruno.

Brun, Charles le, s. Lebrun.

Brun, Friederike Sophie Christiane, Reiseschriftstellerin und Dichterin, geb. 3. Juni 1765 zu Gräfentonna im Gothaischen, kam früh mit ihrem Vater, B. Münter (s. d.), nach Kopenhagen und ward 1783 Gattin des Geb. Konferenzrats Konstantin B. (gest. 19. Febr. 1836) in Kopenhagen; 1788 verlor sie das Gehör. Sie unternahm mit ihrem Gatten öfter Reisen nach dem Süden und brachte 1801 längere Zeit in Coppet bei Necker und dessen Tochter, Frau von Staël, zu. Sie starb 25. März 1835 in Kopenhagen. Ihre ersten "Gedichte" (Zür. 1795) stehen unter dem Einflusse Matthissons; später begeisterte sie sich auch für die Sache der Griechen poetisch. Eine Beschreibung ihres Jugendlebens enthält ihr letztes Werk, "Wahrheit aus Morgenträumen und Idas ästhetische Entwicklung" (Aarau 1824). Ihre zahlreichen Reiseschilderungen ("Prosaische Schriften", 4 Bde., Zür. 1799-1801; "Episoden", 4 Bde., ebd. 1807 fg.; "Briefe aus Rom", Dresd. 1816; "Röm. Leben", 2 Bde., Lpz. 1833) sind anziehend durch Mitteilungen über ihr Zusammentreffen mit Klopstock, Matthison, Johs. von Müller, Bonstetten, Zoëga, Fernow, Angelika Kauffmann u. a.

Brün., bei zoolog.Namen Abkürzung für Martin Thrane Brünnich (geb. 1737 in Kopenhagen, gest. daselbst 1827).

Bruna, der 290. Planetoid.

Brunck, Rich. Franz Phil., philol. Kritiker, geb. 30. Dez. 1729 zu Straßburg, erhielt seine Bildung bei den Jesuiten in Paris und machte als Kriegskommissar die Feldzüge des Siebenjährigen Krieges mit. Nach Straßburg zurückgekehrt, widmete er seit 1760 alle freie Zeit dem Studium des Griechischen. Während der Französischen Revolution war B. eins der ersten und mäßigsten Mitglieder der Volksgesellschaft in Straßburg. In der Schreckenszeit wurde er verhaftet, nach Besançon in das Gefängnis gebracht und erst nach Robespierres Sturz wieder freigegeben. Er starb 12. Juni 1803. Seine Arbeiten bezogen sich namentlich auf die Kritik der griech. Dichter. Zuerst erschienen von ihm die "Analecta veterum poetarum Graecorum" (3 Bde., Straßb. 1772-76; 4. Aufl. 1785), dann der Anakreon (ebd. 1778 u. 1786), und hierauf mehrere Stücke der griech. Tragiker in einzelnen Zusammenstellungen; ferner die Ausgaben des Apollonius Rhodius (ebd. 1780), des Aristophanes (3 Bde., ebd. 1781-83), der "Poetae gnomici" (ebd. 1784), des Virgilius (ebd. 1785) und die epochemachende des Sophokles (2 Bde., 1786; 4 Bde., 1786-89; 3 Bde., 1788-89). Von röm. Dichtern hat B. außer Virgil auch den Plautus (1788, nach der Bipontiner Ausgabe) und den Terentius (Basel 1797) bearbeitet.

Brundisium (Brundusium), s. Brindisi.

Brune, im Schiffbau, s. Brunnen.

Brune (spr. brün), Guillaume Marie Anne, franz. Marschall, geb. 13. März 1763 im Depart. Corrèze, lebte beim Ausbruch der Revolution als Buchdrucker und Litterat in Paris, wurde 1793 Oberst im Heere der Republik, ging 1796 unter Massena mit nach Italien, zeichnete sich besonders bei Rivoli aus und trat an Augereaus Stelle an die Spitze einer Division. Nachdem er 1798 die helvetische Republik im franz. Interesse und nach franz. Muster errichtet hatte, erhielt er den Oberbefehl in Italien, wurde dann Obergeneral in den Niederlanden, schlug die Engländer bei Bergen und erzwang die Kapitulation von Alkmar 18. Okt. 1799. Nach der Schlacht bei Marengo wieder in Italien Obergeneral, schlug B. die Österreicher mehrfach und schloß mit Bellegarde einen Waffenstillstand, dem der Friede von Lunéville folgte; doch hatte er hierbei nicht die Zufriedenheit Napoleons gewonnen, ebensowenig war dieser zufrieden mit B.s Thätigkeit als Gesandter bei der Pforte 1802-4 und als Generalgouverneur der Hansestädte und Befehlshaber in Pommern 1806 und 1807. B. war 1804 zum Marschall von Frankreich ernannt worden. 1814 ging B. zu Ludwig XVIII. und dann wieder zu Napoleon über und war dann von rücksichtsloser Strenge gegen die Königlichen. Am 2. Aug. 1815 wurde er in Avignon vom Volke ermordet, als er auf der Reise von Toulon nach Paris dort erkannt wurde. - Vgl. Vermeil de Conchard, L'assassinat du maréchal B. (Par. 1887).