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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Buch der Bücher; Buch der Richter; Buchbinderleinwand; Buchdrucker; Buchdrucker-Berufsgenossenschaft; Buchdruckerkunst

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Buchbinderleinwand – Buchdruckerkunst

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Buchbinderei'

rieren Postpapiere, erzeugen alle Arten abgesetzte Liniaturen und eignen sich zum Liniieren der kompliziertesten Geschäftsbücher.

Neben der Bekleidung mit verschiedenem Material verdient auch die sonstige Ausstattung als ein wesentlicher Teil des Buches Beachtung. Zu den Farben- und Goldschnitten gesellt sich der Präge-, Gold- und Farbendruck, der in der B. und den verwandten Zweigen als Verzierungstechnik von Buchdecken, Mappen, Albums u. dgl. häufig angewendet wird. Die viel Erfahrung und Kenntnisse erfordernde Technik des Handvergoldens besteht im wesentlichen darin, daß auf einen Stoff, der mit einem durch Wärme lösbaren Bindemittel bestrichen ist, dünnes Blattmetall mittels des Goldmessers geschnitten, mit erhitzten Messinggravuren (Fileten oder Stempel), die mit einem, mit Handgriff versehenen Schriftkasten (Taf. II, Fig. 9) zusammengestellt und -geschraubt sind, aufgepreßt und so zum Halten gebracht wird. Zum Erhitzen der Fileten und Stempel dient der Leim- und Vergoldeapparat (Fig. 11). Der Druck muß sicher, energisch und schnell erfolgen, und nur der richtig angewendete Wärmegrad und die sichere kräftige Führung der Filete oder des Schriftkastens wird einen reinen, glänzenden und vollkommenen Golddruck erzeugen. Lange Linien oder Ornamente werden meist statt der Filete, mit der Rolle (Taf. III, Fig. 5) erzeugt, einem Instrument, auf dessen Kreislinie ein fortlaufendes Ornament graviert ist oder das aus Linienrollen besteht, die an einer Stelle durchbrochen und in Gehrungen zugefeilt sind, um gefällige Eckverbinduugen zu erzeugen. Zum schnellen und sichern Vergolden haben Bolle + Jordan in Berlin einen Kantenvergoldeapparat konstruiert, der sich vorzüglich zum Vergolden gerader Flächen, wie auch abgeschrägter Kanten eignet. Das Preßvergolden, also der Maschinengolddruck, wird besonders bei Massenherstellung von Buchdecken u. dgl. sehr erfolgreich augewendet. Hier werden nicht wie beim Handvergolden die Ornamente und Schriften einzeln oder nach und nach aufgepreßt, sondern gleich vor dem Druck zu einer ganzen Druckstäche vereinigt. Infolge des kräftigen gleichmäßigen Druckes und der sicher regulierbaren Hitze bietet der Pressendruck weit weniger technische Schwierigkeiten als der Handdruck, und seine quantitative Leistung ist gegenüber letzterm außerordentlich groß. Die früher viel ausgeführten Balancierpressen, als Vergolde-, Blinddruck- und Prägepressen, baut man heute mit Hebeleinrichtung (Taf. II, Fig. 16), wenn man nicht Dampfbetrieb wählt. Zu außerordentlich schweren Drucken, wie zum Vergolden von Buntpapieren, zum Pressen von Leder, Tapeten u. s. w., gebraucht man viel die hydraulischen, von J. Heim in Offenbach gebauten Prägepressen, die einen überaus starken Kraftaufwand ermöglichen. Der Drucktiegel ist durch Dampf oder Gas heizbar eingerichtet. Um die Decken von dem lose auf ihnen haftenden überschüssigen Golde zu reinigen und um Verlust und Verunreinigung dieses Materials zu verhindern, kommen die vergoldeten Decken in die Goldabkehrmaschine (Taf. I, Fig. 10), welche in der Hauptsache aus einem dicht schließenden Schrank besteht, in dessen Innern eine Bürstenwalze gelagert ist, die, in rotierende Bewegung gesetzt, das lockere Gold abkehrt, welches durch ein Gitterwerk in einen verschlossenen Kasten fällt.

Zur Ausführung des in neuester Zeit zu hohen Vollkommenheit gelangten Farbendruckes dienen ebenfalls die vorerwähnten Pressen. Seine Technik ist vielfach dem Buchdruck entlehnt und die dazu benutzten Platten sind entweder gravierte Messing- oder geätzte Zinkplatten. Die erstern sind sehr dauerhaft, die letztern bedeutend billiger. Die geringere Haltbarkeit der Zinkplatten ist auch beim Farbendruck kein Hindernis, da die Narben des Kaliko mit einer blanken Messingplatte erst niedergedrückt werden und eine glatte Fläche keinen heißen Vordruck erfordert. Jeder Farbendruck verlangt einen scharfen, spiegelblanken Vordruck mit heißer Presse, der wesentlich zum guten Gelingen beiträgt. Auf dunklem Grunde sind weiße oder sonst helle Farben schwer oder nur unter Anwendung besonderer Maßregeln zum Decken zu bringen. In der Regel ist erst ein mit Gold- oder Silberbronze eingestaubter Unterdruck nötig, der so eine helle, vollständig den dunklen Grund deckende Fläche erzeugt, auf der dann die aufzudruckenden hellen Farben sehr gut stehen. Die Reihenfolge der Farbenplatten giebt meist der Graveur. Die Anwendung von Deck- und Übergangstönen ist wegen der starken Deckkraft der zähen Farbe noch ziemlich beschränkt, und Übergangstöne sind am besten noch durch Anwendung des Irisdruckes (s. d.) zu erreichen.

In neuester Zeit ist für Bucheinbände auch die Ledermosaik und der Lederschnitt (s. d.) wieder in Aufnahme gekommen, auch dienen Schlösser (Schließen) und Beschläge (Ecken) oft aus edlem Metalle als Verzierung des Buchdeckels, namentlich an Sammetbänden (s. Bucheinband).

Nach der Berufszählung von 1882 (neuere Erhebungen liegen nicht vor) waren in Deutschland für B. und Kartonnagenfabrikation 13213 Betriebe vorhanden, in denen 42732 Personen (32023 männliche, 10709 weibliche) beschäftigt waren. Für 1892 werden etwa 15000 Betriebe und gegen 60000 Arbeitskräfte anzunehmen sein.

Vgl. Brade, Illustriertes Buchbinderbuch (3. Aufl., Halle 1882); Bauer, Handbuch der B. (Weim. 1881); Grosse, Der Gold- und Farbendruck auf Kaliko, Leder u. s. w. (Wien 1889); Adam, Der Bucheinband. Seine Technik und seine Geschichte (Lpz. 1890). S. auch die Litteratur zu dem Artikel Bucheinband.

Buchbinderleinwand, s. Kaliko.

Buch der Bücher, soviel wie Bibel.

Buch der Richter, s. Richter (biblisch).

Buchdrucker (Tomicus typographus L.), Käfer, s. Forstinsekten.

Buchdrucker-Berufsgenossenschaft, s. Deutsche Buchdrucker-Berufsgenossenschaft.

Buchdruckerkunst. I. Geschichtliches. Die mechan. Vervielfältigung von Schriftzeichen ist alt, blieb aber bis zum Ausgang des Mittelalters auf die Prägung der Münzen, Stempelung von Thonwaren u. dgl. beschränkt. Zwar bedienten die alten Ägypter nach Plinius’ «Historia naturalis», 35, 11, 42 und nach Gräberfunden bei Herstellung gemusterter Kattune sich unzweifelhaft des Tafeldruckes oder der Patronen, und in ähnlicher Weise zubereitete Leinen- und Lederstoffe waren im Mittelalter ganz gewöhnlich. Daß aber die Griechen und Römer Texte oder Bilder durch Schablonen (Durchzeichnung) oder Patronen (Aufdruck) vervielfältigt hätten, ist aus Plinius’ «Historia naturalis», 35,2, 11, oder Petronius, §. 2 (vgl. Plinius, 35, 10, 110), nicht zu schließen, nach Plinius, 25, 2, 8, vielmehr abzuweisen, wie

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 653.