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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Buckingham
durch seine glänzende Erscheinung, sein außerordent-
lich gewinnendes Wesen und war bald der allmächtige
Mann am Hofe. Zunächst war er für Jakob ein
williger Helfer in dessen schwächlicher Politik gegen-
über Spanien, so bei dem Plan einer persönlichen
Brautwerbung des von V. begleiteten Thronfolgers
Karl in Spanien (1623). Dadurch hoffte Jakob die
span. Politik seinen Plänen gewinnen zu können und
erhob Villiers während dessen Abwesenheit zum
Herzog von V. Als Karl ohne Erfolg heimkehrte,
wußte Ä. seine hierdurch gefährdete Stellung geschickt
zu behaupten, indem er sein Verfahren vor dem ohne-
hin Spanien feindlichen Parlament rechtfertigte und
nun, mit der Nnterhausmehrheit hinter sich, den
König selbstvonseinerspan.Politikabdrängte(1624).
An Stelle des span. trat ein franz. Ehevertrag für
Karl; B. knüpfte mit den Niederlanden an, die
1621 den Kampf gegen Spanien wieder aufge-
nommen hatten, und nötigte Jakob zum Auf-
geben seiner polit. Lieblingsidee. Vor allem stand
B. fest in seinem Amte, als Karl I. den Thron
bestieg (1625), dem er als Begleiter und Lehrer
der vertrauteste Freund geworden war. Obgleich
beide in der zuvor vom Parlament geforderten,
Spanien feindlichen Politik beharrten, so brach
doch der alte Hader zwischen König und Parla-
ment über innere Fragen auch unter Karl I. wie-
der aus, und sofort trat B. als Verfechter der Krone
auf. Die Versuche, die er machte, trotz des Parla-
ments Erfolge in einem Unternehmen gegen Cadiz
zu erringen, schlugen fehl. Ein neues Parlament
(1626) schritt zum unmittelbaren Angriff gegen den
Minister, und schon hatte das Unterhaus die An-
klage gegen ihn erhoben, als Karl es auflöste.
Durch Zwangseintreibungen suchte sich V. die
Mittel zur Unterstützung der Hugenotten gegen die
Regierung Frankreichs zu verschaffen, aber das von
ihm selbst geführte Flottenunternehmen gegen die
Insel M vor La Rochelle (1627) mißglückte kläglich.
Ein neues Parlament, das eine besondere Remon-
stranz gegen B. vorbereitete, löste der König auf, B.
rüstete eine neue Flotte zum Ersatz La Nochelles aus,
wurde aber 23. Aug. 1628 zu Portsmouth von einem
erregten Fanatiker, John Felton, ermordet. V. war
ein Mann von hochstiegenden Ideen und polit. Be-
gabung, aber ohne den Fleiß zu umsichtiger Vor-
bereitung und ohne die Kraft zu nachdrücklicher Voll-
führung. Vor allem stieß er die Menschen durch
seinen Hochmut, seine Eitelkeit in Putz und Kleidung,
seine Genußsucht und Liebesabenteuer ab. - Vgl.
Gardiner, lüLtor^ ok NuFlanä kroni tiis 9.006881011
0k ^M68 I., Bd. 5 und 6 (Lond. 1884 fg.).
Des vorigen Sohn,George Villiers, Herzog
vonV., engl. Staatsmann unter Karl II., geb.
30. Jan. 1627, wurde mit seinem Bruder Fraucis
nach Weisungen Karls I. erzogen, der die Zunei-
gung zum Vater auf die Söhne übertrug. Er ret-
tete sich nach Karls I. Gefangennahme und dem
Unterliegen der Königlichen mit dem Prinzen von
Wales, den er auch nach Schottland begleitete. Nach
der Niederlage bei Worcester 1651 floh er nach
Frankreich, konnte aber unter dem Schutz des Ge-
nerals Fairfax, dessen Tochter er heiratete, nach
England zurückkehren. Von Cromwell gefangen ge-
nommen, wurde er bald wieder durch die veränderte
Lage der Dinge befreit. Nach der Restauration wurde
er der Günstling Karls II. und Mitglied des Cabal-
Ministeriums (1669). Als das Ministerium zerfiel,
blieb V. im Amte, obgleich das Unterhaus seine Ab-
setzung forderte (Jan. 1674), schied aber vor dem
neuen Zusammentritt des Parlaments 1675 frei-
willig aus. Im Oberhaufe gehörte er dann zur
Opposition gegen Danby und gegen dessen Theorie
des Nichtwiderstandsrechtes der Unterthanen gegen-
über dem König. Weil er nach einer langen Parla-
meutsvertagung (Febr. 1677) die rechtliche Gültig-
keit des damaligen Unterhauses bestritt, mußte er auf
dessen Forderung iu den Tower. Als Ludwig XIV ^
den König wie die führenden Parlamentsmänner im
Interesse seiner Politik 1680 zu neutraler Haltung
bearbeiten ließ, zeigte sich auch B. für franz. Geld
empfänglich. Karls II. Nachfolger, Jakob II., ent-
fernte ihnvomHofe; erstarb 16. April 1688 zu Kirkby
in Jorkshire. B. war von hohem Geist, auch
wissenschaftlichen Interessen zugewendet, aber vor
allem genußsüchtig und grundsatzlos, ein echter
Repräsentant der gesunkenen menschlichen und polit.
Moral der engl. Restaurationsepoche. In einem
von ihm verfaßten Lustspiel "Lk6 K6Q6ai-83.I" ver-
spottete er die dramat. Modedichter der Zeit. Eine
Sammlung seiner Schriften (2 Bde.), die nicht sehr
zuverlässig ist, erschien 1704 und 1764 in London.
Mit ihm starb die herzogt. Linie seines Hauses aus.
Im 1.1784 wurde der Titel Marquis von B.
verliehen an George, Graf Temple (geb. 1753,
gest. 1813), aus der Familie Grenville (s. d.), die ihren
(^tammbaum auf Isabella, eine Tochter Walter
Giffards, des ersten Grafen von B., zurückleitete. Er
nahm auch die beiden Familienzunamen Temple und
Nugent an. Als Marquis von B. folgte ihm sein
älterer Sohn Richard (geb. 1776), der sich noch zwei
Familienzunamen Brydges und Chandos beilegte.
Er wurde als Gatte der Erbin des letzten Herzogs
von Chandos 2. Febr. 1822 zum Herzog von B.
und Chandos erhoben und starb 17. Jan. 1839.
Sein Sohn Richard Plantagenet, Temvle-
Nugent-Brydges-Chandos-Grenville,
zweiterHerzog vonB., geb. 11.Febr.1797, hieß
bis 1822 Graf Temple, von da bis zum Tode des
Vaters Marquis von Chandos. Er trat früh als
Tory ins Parlament, verteidigte die Korngesetze,
betrieb die Abschaffung der Malzsteuer und setzte
1832 bei den Veratungen der Reformbill die sog.
Chandos-Klausel durch, die das Wahlrecht in den
Grafschaften auf die von den toryistischen Groß-
grundherren abhängigen Pächter, die mindestens
50 Pfd. St. Pacht zahlten, ausdehnte. Bei der
Landbevölkerung war er höchst populär und erhielt
den Namen: 1Q6 k3.rni6i''3 krisnä (der Pächter-
freund). Nachdem er 1839 als Herzog von B. ins
Oberhaus getreten war, wurde er 1841 in Sir
R. Peels Ministerium Grohsiegelbewahrer, trat
jedoch schon 1842 wieder zurück, da er seine Zu-
stimmung zur Herabsetzung der Kornzölle nicht
geben wollte. Schon seines Vaters kostspielige
Liebhabereien hatten das Familienvermögen stark
angegriffen, die gleiche Verschwendungssucht und
obendrein höchst verfehlte Landspekulationen des
Sohnes führten 1848 den völligen Bankrott herbei.
Das Familienmajorat wurde zum Besten der Gläu-
biger verpachtet, der Herzog auf eine von seinem
Sohne, dem Marquis von Chandos, ihm gezahlte
Rente angewiesen. Seitdem zog er sich fast ganz
von dem polit. Schauplatz zurück. Er starb 29. Juli
1861. Aus den Schätzen seines Familienarchivs
gab er heraus "Nemoii-Z okt1i6 eourt auä cadinetZ
0k 660I-F6 III." (4 Bde., Loud. 1855), "N6lli0ir8 0k
tk6 court 0k 660l86 IV." (2 Bde., ebd. 1859) und