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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Buckinghamshire - Bückling

"Memoirs of the court and cabinets of William IV and Victoria" (2 Bde., ebd. 1861), die ein helles Licht auf die Intriguen der Hofparteien während des 19. Jahrh. werfen, aber auch durch die offen dargelegten Blößen hochgestellter und zum Teil noch lebender Personen viel Ärgernis erregten. Nach seinem Tode erschien noch "The private diary of Richard, first duke of B." (3 Bde., Lond. 1862).

Richard Plantagenet Campbell Temple-Nugent-Brydges-Chandos-Grenville, dritter Herzog von B., der einzige Sohn des vorigen, geb. 10. Sept. 1823, war zuerst als Marquis von Chandos 1846-57 Unterhausmitglied für die Stadt B. sowie 1852 Lord des Schatzes unter Derby, 1862 königl. Kommissar bei der internationalen Ausstellung, in Graf Derbys drittem Ministerium Präsident des Staatsrats, dann März 1867 bis Dez. 1868 Staatssekretär für die Kolonien. Nach der Rückkehr der Konservativen wurde er 1875 Gouverneur von Madras, aber 1880 nach dem Sturze Beaconsfields abberufen. Mit Energie hatte er 1876-77 die in seinem Bezirk wütende Hungersnot zu lindern gesucht. Er starb 26. März 1889 in London. Mit ihm erlosch die Herzogswürde von B. und Chandos.

Buckinghamshire, s. Buckingham (Grafschaft).

Buckinghamshire (spr. Böckinghämmschior), John Sheffield, später Herzog von B., engl. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 1649 als Sohn Edmunds, Grafen von Mulgrave, wurde in Paris erzogen, focht zur See gegen Holland, trat dann in franz. Dienste, diente unter Turenne und wurde Gouverneur von Hull. Jakob II., dem er personlich nahe stand, erhob ihn zum Mitglied des Privy council und Oberkammerherrn. Sheffield hielt sich während der Revolution von 1688 neutral, stand aber unter Wilhelm III. meist zur Opposition, obwohl er mit wichtigen Stellen betraut, 1694 auch zum Marquis von Normanby erhoben wurde. Von der Königin Anna zum Großsiegelbewahrer und Lordlieutenant von York befördert, erhielt er 1703 den Titel eines Herzogs von B., trat aber aus der Regierung aus und zur toryistischen Opposition, wurde 1710 Lordkammerherr und 1711 Präsident des Geheimen Rates. Unter Georg I. war er ohne Amt und hielt fortgesetzt zur Oppositionspartei. Er starb 24. Febr. 1721. Seine Dichtungen, von denen der "Essay on poetry" und der "Essay on satire" die gelungensten sind, verraten Geschmack und Witz, aber keine Originalität. B.s "Memoirs" bieten viel Interesse. Seine gesammelten Werke erschienen zu London 1723 und 1729 (2 Bde.). - Mit seinem Sohn Edmund Sheffield, zweitem Herzog von B., erlosch 1735 die Herzogswürde in seinem Hause. 1746 erhielt John Hobart, Lord Hobart, den Titel eines Grafen von B.; 1824 nahm die Familie den Zunamen Hampden an; jetziger Träger der Würde ist Sidney Carr Hobart-Hampden, siebenter Graf B.. geb. 1860.

Buckl., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für William Buckland (s. d.).

Buckland (spr. böckländ), William, engl. Geolog, geb. 12. März 1794 zu Axminster in Devonshire, studierte in Oxford Theologie, wandte sich aber mit besonderer Vorliebe den Naturwissenschaften zu, wurde 1813 zu dem an der Universität Oxford neu errichteten Lehrstuhle der Mineralogie berufen, mit dem er seit 1818 auch die Professur der Geologie verband, 1845 zum Domdechanten von Westminster ernannt und starb 14. Aug. 1856 zu Clapham bei London. Seine beiden Hauptwerke sind die "Reliquiae diluvianae" (2. Aufl., Lond. 1824), welche durch die Entdeckung der mit fossilen Überresten angefüllten oolithischen Höhlen in Yorkshire veranlaßt wurden, und "Geology and mineralogy considered with reference to natural theology" (2 Bde., ebd. 1836; 4. Aufl. 1869; deutsch von Agassiz, 2 Tle., Neuchâtel 1838-39). In letzterm Werke, das zu den Bridgewater-Traktaten gehört und von dem Richard Owen 1864 eine neue erweiterte und verbesserte Ausgabe veranstaltet hat, versuchte B. die Lehre des Plutonismus mit den Erzählungen der Bibel in möglichsten Einklang zu bringen. Seine 1825 erschienene Description of the southwestern coal district of England" gilt noch jetzt als Autorität.

Der älteste Sohn B.s, Francis B., Regimentsarzt bei der engl. Garde, geb. 17. Dez. 1826, ist Verfasser der "Curiosities of natural history" (Lond. 1858 u. ö.), der "Familiar history of British fishes" (1873) und anderer populär-naturwissenschaftlicher Schriften. B. hat sich um die Fischzucht in England große Verdienste erworben, wie er auch auf eigene Kosten das Museum of economic fish culture in London begründete. Er starb 19. Dez. 1880.

Buckle (spr. böckl), Henry Thomas, engl. Kulturhistoriker, geb. 24. Nov. 1823 zu Lee bei London, widmete sich, als sein Vater, ein Kaufmann, der ihn in sein Geschäft aufgenommen hatte, 1840 mit Hinterlassung eines bedeutenden Vermögens starb, ganz litterar. Studien, beherrschte 1850 achtzehn fremde Sprachen und hatte 22 000 Bände durchgearbeitet. Nachdem er sich mit Essays "On liberty" und "On the influence of women on the progress of knowledge" versucht hatte, trat er mit Bd. 1 einer durch langjährige Untersuchungen vorbereiteten "History of civilization in England" (Lond. 1857 u. ö.; Lpz. 1865; deutsch von Ruge, 6. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1881, und von Ritter, 5 Bde., Berl. 1870) hervor, worin er aber vor allem Spanien, Frankreich und Schottland in den Kreis seiner Betrachtungen zieht. Das Werk erregte allgemeines Aufsehen, zum Teil heftigen Widerspruch. Man warf B. nicht mit Unrecht doktrinäre Einseitigkeit und Hang zu einer materialistischen Weltanschauung vor (vgl. Drummond, Free will in relation to statistics, reply to objections advanced to the doctrine of free will by Mr. B., 1860; Fischer, Über das Gesetz der Entwicklung auf psychisch-ethischem Gebiete, mit Rücksicht auf T. B., 1875); trotzdem hat er das Verdienst vielseitigster Anregung, indem er den Weg zu bisher nicht erreichten philos. und kulturhistor. Ergebnissen zeigte. Nach Herausgabe von Bd. 2 unternahm B. Okt. 1861 eine Orientreise, starb aber zu Damaskus 29. Mai 1862. Aus dem Nachlasse erschienen: "Miscellaneous and posthumous works of H. T. B. Edited with a biographical notice by Helen Taylor" (3 Bde., Lond. 1872; neue Ausg. von Allen, 2 Bde., ebd. 1885) und "Essays" (Lpz. 1867; deutsch von Asher, ebd. 1867). - Vgl. Huth, The life and writings of H. T. B. (Lond. 1880; deutsch im Auszug von Katscher, Lpz. 1881); Glennie, Pilgrim memoiries, or travels and discussions in the birth of countries of christianity, with the late H. T. B. (Lond. 1875; 3. Aufl. 1880).

Bückler, Joh., Räuber, s. Schinderhannes.

Bückling, Bücking, Böckling, Bökling, Pöckling, ein nach leichtem Einsalzen geräucherter Hering. Man besprengt die frisch gefangenen Heringe