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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Budapest
Hotel Hungaria, die um 1500 erbaute got. Stadt-
pfarrkirche, die älteste Kirche B.s, das Zollamt, die
Lagerhäuser und der Elevator, ein grohartiger Ge-
treidespeicher. Bemerkenswert sind noch das alte
(1844 erbaute) und das neue Rathaus, das Natio-
nalmuseum mit dem 14. Mai 1893 enthüllten Arany-
denkmal, die Synagoge und die 1872 von Wagner
und Kallina erbaute neue Synagoge, das National-
theater, der von Karl VI. erbaute Invalidenpalast,
die große Karlskaserne, das neue Post- und Tele-
graphenamt. Am Waitzener Boulevard steht die neue
roman. Leopoldskirche und auf dem Aosephsplatz
das Standbild des Palatins Erzherzog Joseph. Im
Bau ist ein großartiges Parlamentsgebäude am
Rudolfsquai. Auch die neue 2^ Kni lange An-
drässy-, früher Radialstraße enthält grohe prachtvolle
Gebäude, wie das neue, von Ml 1870-74 im ital.
Renaissancestil erbaute Opernhaus (1270 Plätze), das
Künstlerhaus, das Gebäude der Ungar. Staats-
bahnen u. a. Das Etadtwäldchen, in dem sich der
große Teich befindet, und der Tiergarten mit Cirkus
sind beliebte Spaziergänge. Seit 1874 wurden 4861
Neubauten (183 Mill. Fl.) aufgeführt.
Verwaltung. V. bildet eine Stadtgemeinde,
an deren Spitze ein Oberbürgermeister, ein Bürger-
meister mit dem Magistrat und die Repräsentanz
(400 Mitglieder) stehen. Die Vollziehung der Be-
schlüsse der letztern besorgt der Magistrat, der aus
einem der Bürgermeister, 2 Nnterbürgermeistern und
8 Magistratsrüten sowie einem Obernotär zusam-
mengesetzt ist. Zum Zweck der Verwaltung ist die
Stadt in 10 unter je einem Bezirksvorstände stehen-
den Bezirke eingeteilt: 1) die Festung (V5r) mit
Taban (Raizenstadt) und Christinenstadt; 2) die
Wasserstadt (Vi2ivHro8) und Landstraße (0r82Ü.Fut);
3) das Neustift und Altofen (das ehemalige Ofen
und Altofen): 4) die innere Stadt (Lelvki-oß); 5) die
Leopoldstadt (I^ipotvaro") mit der Margaretcninsel;
6) die Tberesienstadt (^i-^v^ros); 7) die Elisabeth-
stadt (Nl'X86d6tvHr0L); 8) die Iosephstadt (<l0286k-
V3.l08); 9) die Franzstadt (I?6l6uc2vä.!-08); 10) der
Steinbruch (Xodkn^a). An der Spitze des Polizei-
wesens steht der Oberstadthauptmann. Vorzüglich
sind das Feuerlöschwesen und die Beleuchtung. Eine
1868 von dem engl. Ingenieur Lindley begonnene
Wasserleitung versieht die Stadt mit filtriertem
Donauwasser; 2 in Felsen gehauene Behälter in
Steinbruch werden von den gegenüber der Marga-
reteninsel befindlichen Dampfmaschinen gespeist. Ein
zweites Wasserwert am Schwabenberg liefert das
Wasser für die Ofener Stadtteile; ein drittes wird
im Sommer 1893 eröffnet.
Finanzen. Das Vermögen der Stadt wird auf
80 Mill. Fl. geschätzt. Die Schulden stiegen seit
1874 von 11,5 auf 18,6 Mill. Fl. Die Einnahmen
betrugen 1874: 5,245, 1892: 9,450 Mill. Fl.
Behörden. V. ist der Sitz der ungar. Landes-
regierung, des ungar. Reichstags (Magnaten- und
Abgeordnetenhaus), des Staatsrechnungshofs, der
königl. Kurie (oberster Gerichtshof), der tönigl. Tafel,
eines Handels- und Wechselgerichts, einer Ober-
^staatsanwaltschaft, zweier Gerichtshöfe erster In-
stanz, zweier Finanzdirektionen, einer Finanzproku-
ratur, eines Hauptzollamtes, einer Lottodirettion,
Berghauptmannschaft, Post- und Telegrapbendireb
tion,derKonütatsbehörden des Komnate> Pest-Pilis-
Solt-Kis-Kun, eines Vischoss und eines weltlichen
Generalinspektors für die lutherische, eines Bischofs
für die reform. Kirche, einer israel. Landeskanzlei,
einer Centralkommission für die orthodoxen Israe--
liten, eines deutschen Generalkonsuls und der Konsuln
der meisten andern Staaten. Von Militärbehörden
haben in B. ihren Sitz eine Geniedireltion, ein Mili-
tär-(Garnison-)gericht erster Instanz, ein Platzkom-
mando, das 4.Korpskommando, das Landwehr-Ober-
kommando, die Kommandos der 31. und 32. Trup-
pendivision, der 61., 62., 63., 64. Infanterie-, der
4., 18. Kavallerie-, der 4. Artilleriebrigade und das
3. ungar. Gendarmeriekommando. Endlich bestehen
2 Garnisonspitäler, ein Artillerie-Zeug-, ein Montur-
depot (Nr. 2), eine Filiale des Train-Zeugdepots und
eine Nemonten-Assentierungskommission (Nr. 1).
Schul-und Bildungswesen. Obenan steht die
1842 gestiftete Akademie der Wissenschaften. Ihr
Zweck ist Pflege der magyar. Sprache und der Wissen-
schaften mit Ausnahme der Theologie. Die Fonds
(2,44 Mill. Fl.) wurden durch Privatbeiträge be-
schafft, wozu Graf Stephan Szöche'nyi 1825 mit einer
Spende von 60000 Fl. den Anfang machte. In
ihrem Palast ist auch die von ocr Nation um 1,3 Mill.
Al. 1865 angekaufte Esterhäzy-Bildergalerie, nun
Landes - Gemäldegalerie. Das Nationalmuseum
wurde 1802 durch die Schenkungen des Grafen Franz
Sze'che'nyi, Vater Stephan Sze'chenyis, begründet
und enthält eine große Bibliothek (400000 Bände
und 63 000 Handschriften), triegs- und naturhisto-
rische, archäologische, ethnographische Sammlungen,
Antikenkabinett und Bildergalerie. Die Universität
wurde, nachdem die 1390 in Ofen errichtete ein-
gegangen war, 1635 inTyrnau gegründet, 1777 nach
Öfen und 1783 nach Pest verlegt; sie wurde 1850
den österr. Hochschulen gleichgestellt, seit 1867 ganz
magyarisiert und hat 219 Lebrer und (1891/92)
3223 Studierende; das Chemische Laboratorium
wurde 1872 eröffnet, das neue Gebäude der Univer-
sitätsbibliothek (190000 Bände, 1000 Handschriften)
1875 bezogen. Das königl. Iosephs-Polytechnikum
(75 Lehrer, 708 Studierende) auf der linken Donau-
seite im neuen Polytechnischen Palais hat reiche
Sammlungen, Laboratorien und eine Bibliothek
(60000 Bände). Die Militärakademie, Ludovica,
in eigenem Gebäude, hat etwa 500 Zöglinge. Die
Kisfaludy- und die Petösi-Gescllschaften befördern
die schöne Litteratur, die Historische, Naturwissen-
schaftliche, Medizinische, Geographische, Geologische,
Ethnographische, Pädagogische, Heraldische, Mathe-
matische, Physikalische Gesellschaft halten gleich den
drei Sektionen der Akademie der Wissenschaften in
ihren Sitzungen öffentliche Vorlesungen und geben
originale und übersetzte Werke und Zeitschriften her-
aus. Ferner bestehen eine Geologische Landesanstalt,
Handelsakademie mit Lehrknrs für orient. Sprachen,
5 Realschulen, 9 Gymnasien (3 Staats-, 2 katho-
lische, 1 evangelisch-lutherisches, 1 reformiertes und
2 Privatgymnasien), 1 Raddi-Seminar mit Gymna-
sial-Vorschule, 3 Seminarien für Bürger- und Volks-
schullehrer, 3 für Lehrerinnen, 1 für Erzieherinnen,
1 Seminar für Mittelschulprofessoren (Gymnasial-
und Realschullehrer) mit gymnasialer Übungsschule,
das Franz-Iofephs-Internat, 1 Vcterinärakademie,
private Handels- und Gewerbeschulen, eine Landes-
Musterzeichenschule, gewerbliche Mittelschule, Fach-
schulen für Eisenbahnbeamte und Post- und Tele-
graphenbeamte, staatliche Fachgewerbschulen für
Holz- und andere Industrien, ^ 1 Infanterie-Ka-
detten- und Honvedkaoallcrieschule; endlich 13 Kom-
munal-, 2 Vereins- und 2 Privat - Bürgerschulen,
79 Alltags- und 37 Abend-Gemeinde-Elementar-