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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Budapest
und Pest nebst Steinbruch (Köbänya) links der
Donau und der im Flusse nördlich gelegenen Mar-
gareteninsel. Die rechte Uferseite zeigt im Vor-
dergrund den Gerhards-(Blocks-)Bcrg (218 m) mit
der Citadelle, deren Auflassung beschlossen ist, dann
die Festung mit dem königl. Schlosse oder der Burg
(Kirki^ palotH), unter Maria
Theresia 1771 vollendet, mit
Garten. Im Hintergrunde
reihen sich terrassenförmig hö-
bere Berge mit dem schönen
Auwinkcl (s. unten) und an-
mutige Thäler. An der der
Stadt zugekehrten Seite der
Berge wuchsen die bekannten
Ofener Weine; die Weinstocke
sind jetzt durch die Reblaus ganz vernichtet. Scheitel,
Abhänge und Tkäler der Berge sind mit Villen be-
deckt ; eine Zahnradbahn (3 Km, Rigi-System) führt
auf das Plateau des Schwabenbergs (476 m), be-
nannt nach dem schwäb. Reichskontingent bei der
Wiedereroberung Ofens 1686, mit Fernsicht auf die
Donau, die Margareten- und Csepelinsel sowie auf
Pest und Umgebung. Die Berge sind meist unbe-
waldet und mit Ausnahme der vorzüglichen Duelle
beim Saukopf, ohne Quellen und Bäche; am Fuße
derselben, gegen die Donau zu, brechen heiße Quellen
dervor. Die Gestaltung und Vaumlosigkeit der Berge
veranlaßt bei plötzlichem Regen oder Wolkenbruch
eine Stauung des Wassers in der Mulde hinter der
Festung (im sog. "Teufelsgraben"), welche große Ver-
heerungen anrichtet, wie 26. Juni 1876, wo viele
Häuser einstürzten und gegen 200 Menschen er-
tranken. Jetzt ist dieser gefährliche "Teufelsgraben"
geregelt und innerhalb des Weichbildes überwölbt.
Größe und Bevölkerung. Das Weichbild
der Stadt umfaßt 18600 ka, hiervon kommen auf
Ofen 6606, Altofen 3291, Pest 5130 und Stein-
bruch 3573 Iia. Das verhältnismäßige Wachsen der
Schwesterstädte zeigen folgende Ziffern: Ofen hatte
1836: 34893, Pest 70278 E.; 1857 hatte Ofen samt
Altofen 55 240, 1870 Ofen allein 53 998 und Alt-
ofen 16002, zusammen also 70 000 E.; Pest hatte
1857:131705,1870: 200476 E. Die Gesamtbevöl-
terung von V. betrug 31. Dez. 1869: 270 476 E.,
1880: 360550, mit der Garnison 370767 E., 1890:
491938, mit der Garnison 506085 E., d.i. eine Zu-
nahme (1869-80) von 90074 E. oder 33,3 Proz.,
(1880-90) 135318 E. oder 36,50 Proz. Dem Reli-
gionsbekenntnis nach waren (1890) 316057 Römisch-,
2752 Griechisch-Katholische, 2218 Griechisch-Orienta-
lische, 28018 Evangelische augsburgischer Konfes-
sion, 37895 Reformierte, 103317 Israeliten (1869
nur 42000, also 145,9 Proz. Vermehrung); der
Muttersprache nach 328781 Magyaren, 117867
Deutsche, 26 920 Slowaken und 13103 andere (Kroa-
ten, Serben, Rumänen, Russen, Griechen, Armenier,
Zigeuner u. s. w.). Die Zahl der Analphabeten be-
trug 1869: 26,75 und 1891:16,2 Proz. Die Stadt
hatie (1890) 12277 bewohnte Häuser.
In Garnison (14147 Mann) lagen (1893) das
1. und 2. Bataillon des 6. ungar. Infanterieregi-
ments "Karl I. König von Rumänien", 1., 2.,
4. Bataillon des 23. ungar. Infanterieregiments
"Ludwig Wilhelm I. Markgraf von Baden-Baden",
1. Bataillon des 32. ungar. Infanterieregiments
"Kaiserin und Königin Maria Theresia", 1.-3. Ba-
taillon des 38. ungar. Infanterieregiments "Freiherr
von MMnny", 1. und 2. Bataillon des 52. In-
Brockhaus' Konversations-Lexikon.. 14. Aufl. III.
fanterieregiments "Erzherzog Friedrich", 1. und
3. Bataillon des ungar. Infanterieregiments "Rei-
cher", 3. und 4. Bataillon des 86. ungar. Infanterie-
regiments "Freiherr von Szveteney", das 7. bosn.-
berzegowin.Infantericbataillon,16.ungar.Husaren-
regiment "Graf ürtüll Gyllenbrand", 4. ungar.
Korpsartillerieregiment "Freiherr von Lenk", die 7.
und 8. Batteriedivision, das 2. Bataillon des
6. ungar. Festungsartillerieregiments "Kollarz",
7. und 14. Pionierbataillon, die 4. Division des
2. Trainregiments und ein Marinedetachement.
Brücken, Gebäude, Denkmäler. Die be-
rühmte Kettenbrücke, eine der größten Europas (er-
baut 1842-49 von dem engl. Ingenieur Tierney-
Clark, ist 380 m lang und 12 m breit; der mittlere
große Bogen umspannt 190 in; die Ketten ruhen
auf zwei etwa 50 m hohen Pfeilern. Ihre Fort-
setzung ist der 180 m lange Tunnel durch den
Festungsberg (erbaut 1853-56). Außerdem ver-
binden die beiden Ufer die 1872-76 erbaute eiserne
Margaretenbrücke bei der Margareteninsel (18 ni
über dem Strom, 17 m breit) und die neue Eisen-
bahnverbindungsbrücke im Gittersystem mit 4 Öff-
nungen. In Ofen ist das hervorragendste Bauwerk
das königl. Schloß oder die Burg, 1849 zum Teil
abgebrannt und jetzt mit großer Pracht hergestellt
und erweitert, enthält 203 Zimmer und den Thron-
saal, in dem der ungar. Reichsrat eröffnet und die
ungar. Neichsinsignien, darunter die Krone des heil.
Stephan, verwahrt werden. Einen besonders schönen
Anblick gewähren die neuen Gartenanlagen, die bis
zurDonau hinunter reichen. In der Festung ist außer
dem Scklosse die Matthiaskirche aus Matthias Eor-
vinus' Zeit bemerkenswert, die stilgerecht (Spät-
gotik) erneuert wurde. Ferner sind zu erwähnen: das
20 m hohe Denkmal zu Ehren des 1849 bei der Ver-
teidigung der Festung Ofen gefallenen Generals
Hentzy ls. d.), das Arany-Denkmal (von Strobl), das
Honved-Denkmal (vonZala), beide im Mai1893 ent-
hüllt; das Stadtbaus, die Garnisonkirche, das Ober-
gymnasium, die Oberrealschule, das Garnisonspital.
In Altofen (dem altröm. ^Huiueum ^s. d.^ oder
^ciucuin) sind Ruinen eines röm. Aquädukts, eines
Amphitheaters (1880 entdeckt), röm. Bäder und
andere Altertümer. Die Synagoge daselbst, früher
die schönste und größte Ungarns, wird jetzt von der
neuern in Pest übertroffen. Auf einer Donauinsel
besitzt die kaiserl. königl. priv. Erste Donau-Dampf-
schifffabrts-Gesellschaft eine große Schifsswerfte
(3000 Arbeiter). Auf einem der Öfener Vorstadt nahe
gelegenen Hügel erhebt sich das Grabdenkmal des
mobammed. Heiligen Gül Vaba (Rosenvater), das
jährlich von Pilgern des Orients besucht wird.
Das linke Donau-Ufer (Pest) ist flach, hat aber im
Hintergrunde den Stadtteil^Steinbruch mit Wein-
gärten. Der 1862-64 nach ^tülers Plänen erbaute
Palast der Ungarischen Akademie ziert den Franz-
Ioscpbsplatz, auf dem das Szöchönyi-Dcnkmal. er-
richtetist; ihm gegenüber steht das Deäk-Monument,
auf einem kleinen Seitenplatze die Eötvös-Statue,
beide von Huszär; weiter abwärts wurde in der Nähe
des Sckwurplatzes (der neugekrönte König leistet hier
den Eid) dem bedeutendsten ungar. Lyriker, A. Pe-
töfi, ein Denkmal errichtet. Vom Franz-Ioiephsplatz
aus führt längs der Donau der prachtvolle Franz-
Iosephs-Quai, die beliebteste Promenade von Pest.
An ihm die neue Börse, das 1859 - 65 im roman.-
maur. Stil erbaute große Redoutengebäude mit
großartigen Ball- und Konzertsälen, das Grand
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