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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bulbus; Bulche; Bulchenkunst; Bule; Buleleng; Buleuterion; Buleutes; Bulgar; Bulgaren

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Bulbus – Bulgaren

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bülbüls'

zogene, meistens zahme, zum Teil abgerichtete Vögel, die auch Lieder anderer nachflöten, in den Handel, doch erst seit neuester Zeit. In der Vogelstube sind sie gewöhnlich nicht friedlich, dagegen nach guter Eingewöhnung ausdauernd. Gezüchtet sind sie bisher erst wenig. Ihre Preise stehen doch, 20–60 M. für das Paar. Ernährung mit Nachtigallfutter. Die bekanntesten Arten sind: Arabischer Bülbül (Pycnonotus nigricans Vieill.) von Afrika, Rotsteiß-Bülbül (Pycnonotus haemorrhous Gmel.), weißohriger Bülbül (Pycnonotus leucotis Gould), Schopfbülbül (Pycnonotus jocosus L.), alle drei aus Asien, der letztere als der seltsamste mit spitzem Schopf, weißem Gesicht und roten, beweglichen Wangenfedern.

Bulbus (lat.), Zwiebel; in der Anatomie B. ocŭli, der Augapfel, B. aortae, die muskulöse Verdickung des großen Rückengefäßes bei den Fischen da, wo dasselbe aus dem Herzen tritt; B. urethrae, Harnröhrenzwiebel, Anschwellung der Wandung der Harnröhre beim Austritt derselben aus der Blase.

Bulche, Bulchenkunst, s. Bulge.

Bulē (grch.), d. i. Rat, Ratsversammlung, hieß bei den Griechen seit den homerischen Zeiten ein aus meist ältern Mitgliedern der Volksgemeinde bestehendes Kollegium, das in monarchischen und aristokratischen Staaten dem König oder den Beamten der vollstreckenden Gewalt als beratende oder beschließende Behörde zur Seite stand, in demokratischen Staaten als Ausschuß der souveränen Volksgemeinde die Staatsverwaltung leitete. In Athen war die B. von Solon eingesetzt als ein Kollegium von 400 Männern, welche, je 100 aus einer der alten vier ion. Phylen (s. d.), aus den drei obersten Vermögensklassen vom Volke auf ein Jahr gewählt wurden und nach Ablauf ihrer Amtszeit jederzeit wieder wählbar waren. Durch Kleisthenes, 509 v. Chr., wurde die Zahl der Mitglieder des Rats auf 500 (je 50 auf eine der 10 neuen Phylen) erhöht, die nun durchs Los (unter den Bewerbern), nicht durch Wahl ergänzt wurden. Jede Phyle führte den 10. Teil des Jahres den Vorsitz in dem Kollegium; die Mitglieder dieses Fünfziger-Ausschusses hießen Prytanen (s. d.). Die Beschränkung der passiven Wahlfähigkeit auf die drei obern Vermögensklassen wurde durch Aristides aufgehoben, sodaß von da an jeder im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindliche athenische Bürger, der das 30. Lebensjahr zurückgelegt hatte, sich um das Amt eines Ratsmannes (Buleutes) bewerben konnte. Die durchs Los Ernannten mußten sich vor dem Antritt ihres Amts der Dokimasie (s. d.) unterwerfen; wenn einer dieselbe nicht bestand, so trat der zugleich mit ihm erlöste Stellvertreter (Epilachon) an seine Stelle. Das Gleiche geschah, wenn ein Buleut im Laufe seines Amtsjahres mit Tode abging. Am Ende ihres Amtsjahres mußte die B. als Ganzes dem Volke Rechenschaft über ihre Amtsführung ablegen. Als 307 v. Chr. zu den bisher bestehenden 10 Phylen zwei neue hinzugefügt worden waren, wurde auch die Zahl der Ratsmitglieder auf 600 erhöht, doch wurde sie in der röm. Zeit wieder auf 500 herabgesetzt. In den Zeiten, wo in Athen überhaupt den Bürgern eine Entschädigung in Geld für ihre dem Staate gewidmete Thätigkeit gewährt wurde, erhielten die Buleuten einen Sold von je einer Drachme für jeden Sitzungstag. Zum Geschäftskreis der B. gehörte die Vorberatung aller vor die Volksversammlung zu bringenden Angelegenheiten und die Oberleitung ↔ und Aufsicht über die gesamte Staatsverwaltung, insbesondere über die Finanzen und gewisse Teile des Kriegswesens (Reiterei und Kriegsflotte). Auch eine beschränkte Gerichtsbarkeit hatte die B., indem sie Geldstrafen bis zur Höhe von 500 Drachmen verhängen konnte. Die regelmäßigen Sitzungen der B. fanden in dem an der Südseite der Agora gelegenen Buleuterion, außerordentliche Sitzungen oft auch in andern Lokalen (z. B. im Eleusinion oder auf der Akropolis) statt.

In Sparta und einigen andern griech. Städten war für die B. der dem röm. Senat entsprechende Name Gerusia üblich, deren Mitglieder Geronten (s. d.) hießen.

Buleleng, Hauptort der Insel Bali (s. d.).

Buleuterǐon, Buleutēs, s. Bule.

Bulgar (Bolgara), Hauptstadt des Wolga-Bulgarenreichs, s. Bolgary.

Bulgaren, ursprünglich eine osteurop. Völkerschaft, gehörig zum Hunnenvolke, von welchem zahlreiche Stämme in den Steppen Südrußlands zurückgeblieben waren, höchst wahrscheinlich türk. Ursprungs. Ihr Name wird während der Völkerwanderung seit 482 öfters im Donaugebiet erwähnt. Ein geringer Teil hatte sich den Avaren in Ungarn angeschlossen, die Mehrzahl blieb in Bessarabien, von wo aus sie 559 an dem Zuge der pontischen Hunnen gegen Konstantinopel teilnahmen. Unter Kaiser Heraklios erhielt deren Anführer Kubrat als Bundesgenosse gegen die Avaren den Titel eines byzant. Patriciers. Dessen Sohn Asparuch oder Isperich benutzte die Einschließung Konstantinopels von den Arabern unter Kaiser Konstantin IV. Pogonatos zu Einfällen nach Mösien, welche um 680 zur Gründung des Reichs der Donau-Bulgaren führten. (S. Bulgarien, Geschichte.) Sie verloren dort bald ihre Nationalität und Sprache und nahmen dafür die ihrer Unterworfenen an. Der Teil der B., der im alten Stammlande zurückgeblieben war, zog später, durch die Chasaren gedrängt, nach der obern Wolga und Kama, wo er, zum Islam übertretend, das im Mittelalter berühmte Reich der Wolga-Bulgaren gründete, von dem die Araber, die Glaubensgenossen der B., gelegentlich Mitteilung machen. Die Ruinen der von den Arabern gepriesenen Stadt Bulghar liegen bei dem Dorf Bolgary unterhalb der Mündung des Kama, an der linken Seite der Wolga, und die Überreste der alten Wolga-Bulgaren dürften in den heutigen Tschuwaschen zu suchen sein, deren Land der Mönch Joannes de Plano Carpino (1246) Großbulgarien nennt

Die heutigen B. sind ein slaw. Volksstamm, der nur den Namen seiner ehemaligen Beherrscher türk. Herkunft trägt, diese selbst aber in sich aufgesogen hat. Sie können als eine Abteilung des südl. Zweiges der slaw. Nation angesehen werden. Ihre Verbreitung erstreckt sich auch heute noch über einen beträchtlichen Raum: vom Flusse Timok an der serb. Grenze und den Mündungen der Donau im N. bis Saloniki und den Grenzen Albaniens im S., also das ganze alte Mösien, Thracien und Macedonien; in Rumelien reichen bulgar. Ansiedelungen fast bis an Konstantinopel heran. Das Christentum fand erst nach langen Kämpfen Eingang und mit ihm erhielt das bulgar. Mischvolk im 9. Jahrh. das Cyrillische Alphabet. Der türk. Druck nötigte die B. vielfach zu Auswanderungen; größere Kolonien finden sich in Rumänien, Rußland, kleinere in Siebenbürgen und

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 718.