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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Butler (Walter) - Bütow

Cambr. 1744; neue Ausg., 2 Bde., 1847; von Gilfillan, 2 Bde., Edinb. 1854; von Bell, Lond. 1870; deutsch von Soltau, Königsb. 1798, und Eiselein, Freib. i. Br. 1845) lieferte. Der Zweck dieses Gedichts ist, das Treiben der religiösen Sekten und polit. Parteien, insbesondere der Puritaner, vor und während der engl. Rebellion lächerlich zu machen. Die Helden sind zwei groteske Gestalten, der Ritter Hudibras und sein Stallmeister Ralph. "Hudibras" ist ein echt nationales Werk und wird nicht nur typisch für das komische Heldenepos, sondern auch als Zeit- und Kulturbild wertvoll bleiben. Es erinnert die Engländer an Ereignisse und Anekdoten aus einem wichtigen Zeitraume ihrer Geschichte und ist zugleich ein Gemälde rein engl. Sitten und Charaktere. Karl II. bewunderte B.s Gedicht und ließ ihm 300 Pfd. St. auszahlen; aber weder dieses Geschenk noch die Heirat mit der reichen Witwe Herbert, deren Vermögen durch Spekulationen verloren ging, schützten ihn vor drückendster Not, in der er 1680 zu Drury Lane, London, starb. 1720 wurde ihm in der Westminsterabtei ein Denkmal errichtet. Seinem angeblichen schriftstellerischen Nachlasse, der 1715-20 (2 Bde.) erschien, folgten erst 1759 die "Genuine remains in verse and prose" (2 Bde., Lond.), die auch seine Arbeiten in Prosa enthalten, unter denen "The Elephant in the Moon", eine Satire auf die "Royal Society", und die "Characters" am bedeutendsten sind. Einen Neudruck der "Poetical works" veranstaltete Bell (Oxf. 1855). - Vgl. Johnson, Lives of the English poets (neue Ausg., Lond. 1872).

Butler, Walter, Oberst im Heere Wallensteins, Sohn des Peter B. von Roscrea aus Irland, trat schon früh als gemeiner Soldat in österr. Dienste und wurde dann Offizier in der Irischen Legion, die sein Verwandter Jakob B. als Oberst befehligte. Er geriet 1631 bei der Verteidigung Frankfurts in schwed. Gefangenschaft, wurde aber ausgelöst und folgte 1632 den Fahnen Wallensteins, der ihm sein Vertrauen schenkte und ihn zum Obersten eines Dragonerregiments machte. Mit diesem begegnete er Wallenstein, als derselbe nach dem Abfall vom Kaiser auf dem Marsch von Pilsen nach Eger zu den Schweden war. B. hatte bereits von Gallas das Patent erhalten, wonach Wallenstein für abgesetzt erklärt worden war. Er verband sich mit dem Kommandanten Gordon zu Eger und dem Oberwachtmeister Leslie, anfangs zur Gefangennahme Wallensteins, dann, da diese nicht ausführbar schien, zu dessen Ermordung, die 25. Febr. 1634 vollzogen wurde, nachdem vorher Wallensteins Vertraute, Ilow, Terzka und Kinsky, auf einem Bankett bei Gordon erschlagen waren. Der Kaiser überhäufte B. mit Belohnungen und Ehren, verlieh ihm den Grafentitel, die Kammerherrenwürde und Ländereien in Böhmen. Hierauf kämpfte B. bei Nördlingen (6. Sept. 1634) mit Auszeichnung, eroberte Aurach und einige andere Städte, starb aber schon 25. Dez. 1634 bei Schorndorf. - Vgl. Carve, Itinerarium cum historia facti Butleri, Gordoni, Lesly et aliorum (3. Aufl., Bd. 1 u. 2, Mainz 1640-41; Bd. 3, Speyer 1646); Bericht des B.schen Feldkaplans Pater Taaffe in Mailáths Geschichte des österr. Kaiserstaates, Bd. 3 (Hamb. 1842).

Butlerow, Alexander Michajlowitsch, russ. Chemiker, geb. 6. Sept. 1828 in Tschistopol (Gouvernement Kasan), studierte an der Universität Kasan, war dann daselbst Professor der Chemie und folgte 1868 einem Rufe in gleicher Eigenschaft an die Petersburger Universität. Er lieferte viele wertvolle Arbeiten auf dem Gebiete der organischen Chemie und schrieb ein "Lehrbuch der organischen Chemie", das ins Deutsche übersetzt wurde (Lpz. 1868). Auch war B. Anhänger des Spiritismus und Mitarbeiter der "Psychischen Studien". Er starb 17. (5.) Aug. 1886 zu Biarritz in Frankreich. In Kasan wurde ihm ein Denkmal errichtet.

Butluv ist eine Art Davit (s. d.) auf jeder Seite des Bugs (s. d.) von Segelschiffen, welcher zum Ausholen (s. Holen) des Fockhalses (s. Fock und Hals) dient.

Buto, altägypt. Stadt am Sebennytischen Nilarme, die Hauptkultusstätte (Tempel und Orakel) der Utot, der Schutzgöttin Nordägyptens, die die Griechen, wie die Stadt, B. nennen und ihrer Leto gleichsetzen. Ihr wurde jährlich ein großes Fest gefeiert. Auch waren in B. Tempel des Apollon (Horus) und der Artemis. In der Nähe des Leto-Tempels war ein großer See und in diesem eine angeblich schwimmende Insel Chemmis. Auf dieser soll Leto (Isis) den Horus, Sohn des Osiris, verborgen haben, als ihn Typhon suchte. Ähnliches erzählten die Griechen von Delos.

Butŏmus L., Pflanzengattung aus der Familie der Alismaceen (s. d.). Ihre durch Europa und Asien zerstreuten Arten haben einen unterirdischen Stock, lange, grundständige Blätter und einen blattlosen Stengel, der an seiner Spitze eine einfache Dolde von ansehnlichen Blüten trägt. In Deutschland und Europa überhaupt kommt nur eine Art vor, die Wasserviole, Schwanenblume oder Wasserliesch, B. umbellatus L. (s. Textfig. 4 zum Artikel Helobien), eine in Teichen und langsam fließenden Gewässern wachsende, stattliche Pflanze mit langen, linealen, dreikantigen Blättern, 1/3 - 1 m hohen Stengeln und großen, schön weiß und rosenrot gescheckten Blumen. Sie wird nicht selten in Gartenbassins zur Zierde kultiviert.

Buton oder Butung, zu dem niederländ. Inselreiche in Ostindien gehörende Insel, unweit des Ausläufers der südöstl. Halbinsel von Celebes, unter 4° 23' 30" bis 5° 42' südl. Br. und 122° 31' 54" bis 123° 15' 24" östl. L. von Greenwich gelegen, wird dem niederländ. Gouvernement Celebes und Zubehör zugerechnet, steht aber unter einem eingeborenen Fürsten, einem Bundesgenossen der Regierung zu Batavia. Das Areal beträgt 4405 qkm, die Zahl der Einwohner ist nicht näher bekannt; sie bestehen aus Makassaren, Bugi und andern Volkselementen, werden als roh, treulos und grausam geschildert und sind nur zum Teil Mohammedaner. In älterer Zeit waren sie gefürchtete Seeräuber. Pflanzen- und Tierreich gleichen denen von Celebes (s. d.). B. wird nur äußerst selten von europ. Schiffen besucht und ist größtenteils noch unbekannt.

Bütow. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Köslin, hat 608,66 qkm, (1890) 23712 (11600 männl., 12112 weibl.) E., 1 Stadt, 44 Landgemeinden und 17 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis B., 105 km östlich von Köslin, an der zur Stolpe gehenden B. und der Nebenlinie Rügenwalde-Zollbrück-B. (82,10 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 5011 (2440 männl., 2571 weibl.) E., darunter 509 Katholiken und 337 Israeliten, Post zweiter Klasse. Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Stolp), Steueramt: ein schön gelegenes Schloß, eine kath. Kirche mit Schnitzwerk aus dem 15. Jahrh., zwei evang. Kirchen, Synagoge, evang. Schullehrerseminar und