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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cadiz

Trinkwasser. Zwar ist jedes Haus mit einer Cisterne versehen, doch muß das frische Wasser von Puerto de Sta. Maria herbeigeschafft werden. Die Extreme der Temperatur sind + 6° und 27° C. Obgleich nur 3 - 18 m über der See gelegen, gilt C. doch für eine gesunde Stadt, wozu ihre durch den Gezeitenwechsel geförderte Reinlichkeit, die solide Bauart sowie die schönen Anlagen längs der See nicht wenig beitragen. Die Spanier nennen sie in ihrer überschwenglichen Art wohl "la perla del Océano". Doch ist die Blütezeit C.' unwiederbringlich vorüber, was sich auch in dem Rückgange der Bevölkerung, die 1860 noch 75000 betrug, ausspricht.

Behörden und Anstalten. C. ist Sitz eines Bischofs und der Provinzialbehörden und hat drei Hospitäler, ein Armen-, Irren- und Korrektionshaus, ein Findelhaus, mehrere Theater und einen Stiergefechts-Cirkus mit Raum für 11000 Zuschauer. An Unterrichtsanstalten giebt es, außer vielen Elementarschulen und Colegios für beide Geschlechter, eine Marineakademie in der Vorstadt San Carlo, chirurg.-mediz., nautische, mathem. Schulen, eine Zeichen- und Malerschule, Handelsschule und ein Priesterseminar. Auch bestehen verschiedene gelehrte Gesellschaften, Bibliothek, Kunst- und Naturhistorisches Museum, eine Akademie der schönen Künste, vortrefflich eingerichtete Sternwarte bei San Fernando und ein hydrogr. Depot.

Handel und Verkehr. Der heutige Handel ist nur ein Schatten vom vergangenen und leidet durch die Versandung der Bucht und die Unmöglichkeit industrieller Entwicklung infolge der topogr. Lage immer mehr unter der Konkurrenz von Huelva und Malaga. Der Gesamtwert der Einfuhr war (1888) 51835940 M., der der Ausfuhr 63098674 M. Unter den Ausfuhrartikeln steht Wein, vor allem Xereswein (Sherry), nach England obenan (241892 hl im Werte von 23,28 Mill. M.); doch befinden sich die großen Lager nicht in C. selbst; dann folgen Olivenöl (49142 Ctr.), silberhaltiger Bleiglanz und Blei (84156 Ctr. im Werte von 2,72 Mill. M.). Wichtig ist das Salz, das in den zahllosen Salinen der Bai von C. erzeugt, zumeist nach Südamerika ausgeführt wird (1771398 Ctr. im Werte von 2,08 Mill. M.). Ebendorthin gehen auch Fächer, Spielkarten und Korkstöpsel. Andere Artikel sind Feigen, Öl, Apfelsinen, Citronen, Mandeln, Kichererbsen, Quecksilber und Branntwein. Eingeführt werden Steinkohlen aus England (494976 Ctr.), Stockfische, Tabak aus Manila, Cuba und Virginien (22236 Ctr.), Bauholz, Sprit, Eisen, holstein. Butter und Gewebe. Fast alle Artikel weisen einen Rückgang gegen das Vorjahr auf.

Im Schiffsverkehr (1888 liefen 9461 Schiffe, darunter 3572 Dampfer, mit insgesamt 3 Mill. t ein und aus) spielt die Küstenschiffahrt eine hervorragende Rolle. Regelmäßige Verbindung besteht mit Barcelona, Sevilla, Santander, Malaga, Bilbao, Lissabon, London, Bremen, Hamburg und den baltischen Häfen Rußlands. Dreimal wöchentlich gehen Schiffe nach Tanger. Die Bucht ist auch wichtige Station der Kriegsschiffe aller Nationen. Konsulate haben in C.: Argentinien, Bolivia, Chile, Columbia, Costa-Rica, Dänemark, das Deutsche Reich, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Guatemala, Honduras, Italien, Mexiko, Nicaragua, Niederlande, Österreich-Ungarn, Peru, Portugal, Rußland, Salvador, Schweden und Norwegen, die Türkei, Uruguay, Venezuela und die Vereinigten Staaten von Amerika und die von Brasilien.

Geschichte. C., phöniz. Gaddir oder Gader, d. h. Mauer, von den Griechen Gadeira, von den Römern Gades, seit Cäsar Julia Augusta Gaditana genannt, wurde schon um 1100 v. Chr. von Phöniziern gegründet. Nach dem ersten Punischen Kriege kam die Stadt in die Gewalt der Karthager, denen sie 206 v. Chr. durch die Römer entrissen wurde. Cäsar machte 49 v. Chr. alle ihre Bewohner zu röm. Bürgern. Die Stadt folgte im Range nach Rom, hatte 500 Ritter (equites) und große Reichtümer. Zur Zeit Strabos war sie die erste Seehandelsstadt des Römischen Reichs, der Hauptmarkt für den Bernstein der Ostsee, das Zinn Britanniens und die Fische der atlantischen Küste, der Schlüssel zu den Schätzen Andalusiens. Mit Rom sank ihr Glanz dem aufblühenden Konstantinopel gegenüber. Die Überreste des Herculestempels und anderer röm. Bauten sind noch am Meeresufer bei ruhigem Wasser zu sehen. C. wurde dann von den Goten zerstört, fiel 711 in die Hände der Mauren, denen es 1262 von den Castiliern entrissen wurde. Eine zweite Blütezeit brachte C. die Entdeckung Amerikas. C. ward Mittelpunkt des Verkehrs zwischen beiden Welten, wo die Edelmetalle Amerikas und die Schätze Indiens zusammenkamen, und führte das stolze Attribut "el Imperio del Mundo". Mitten in diese Glanzzeit fällt der Überfall und die Brandschatzung durch Lord Essex 21. Juni 1596. Derselbe zerstörte die ansehnliche Kriegs- und Handelsflotte im Hafen, verbrannte den größten Teil der Stadt und zog mit enormer Beute ab. Kaum waren diese Wunden geheilt, so verlor C. sein Handelsmonopol in Westindien und hatte nun im 17. und 18. Jahrh. die Konkurrenz mit andern span. Häfen zu bestehen. Immerhin überragte C. noch am Anfang dieses Jahrh. alle andern und nährte eine doppelt so große Einwohnerzahl wie gegenwärtig. In der Zeit des Bündnisses zwischen Spanien und Frankreich wurde C. mehrmals von den Engländern blockiert, auch einmal, jedoch ohne Erfolg, bombardiert. Seit der Revolution von 1808 war C. bis zu Ferdinands VII. Rückkehr im Insurrektionszustande. Die Centraljunta der Insurgenten begab sich hierher, als franz. Truppen in Andalusien vordrangen. Sie ließ die Landzunge von C. abgraben und die Brücke, welche das feste Land mit der Insel Leon verbindet, abbrechen, wodurch die Stadt gänzlich vom Festlande getrennt ward. Da C. von der Seeseite durch Festungswerke sowie durch span. und engl. Flotten geschützt war, so war die Belagerung durch die Franzosen (6. Febr. 1810 bis 25. Aug. 1812) eine außerordentliche Unternehmung. General Sebastiani blockierte sie von der Landseite. Nachdem man im März 1810 die Forts längs der Bai genommen und endlich auch das wichtige Fort Matagordo, C. gegenüber, erobert hatte, wurde von hier aus die Stadt bombardiert. Vom 15. Dez. 1810 bis in die zweite Hälfte von 1812 dauerte dieser Zustand, bis Wellingtons siegreiches Vorrücken die Franzosen nötigte, die Belagerung aufzuheben. Auch 1823 wurde C. durch die Franzosen belagert. Nachdem der Herzog von Angoulême 24. Mai von Madrid Besitz genommen, beorderte er die Divisionen Bordessoulle und Bourmont nach dem Süden, um den König von Spanien aus den Händen der Cortes zu befreien und den Fortgang der Insurrektion zu hemmen. Schon nach einem Monat stand

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]