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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Caille; Cailletet; Cailliaud; Caillié; Caimansinseln; Caïn; Caïncasäure; Caïncawurzel; Caïncīn; Cainsdorf

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Caille - Cainsdorf

Deux-Sèvres, kam 1822 nach Paris und konstruierte einen Destillationsapparat, der noch heute in Gebrauch ist. In der Folge widmete C. seine Thätigkeit der Wein- und Rübenkultur sowie der Zuckerindustrie, für die er mehrere zweckmäßige Maschinen und Apparate, Vacuumpfannen u. s. w. baute. Am meisten beschäftigte er sich jedoch mit dem Bau von Lokomobilen, Werkzeugmaschinen u. s. w. Während der Belagerung von Paris 1870/71 lieferte er der franz. Regierung Geschütze, Kanonenboote u. s. w., und zugleich waren in seinen Werkstätten 300 Mühlen Tag und Nacht in Betrieb, um die Stadt mit Mehl zu versorgen. Er hatte Fabriken in Paris, Brüssel, Amsterdam, Denain, Douai, Agenturen selbst auf den Antillen. In seinen Werkstätten waren gegen 2500 Arbeiter thätig. C. starb 22. Mai 1871 auf einer seiner Besitzungen in der Nähe von Russec.

Caille, Nic. Louis de la, s. Lacaille.

Cailletet (spr. kaj'teh), Louis Paul, franz. Physiker, geb. Sept. 1832 zu Châtillon-sur-Seine, studierte am Lycée Henri IV und an der École des mines, worauf er die Leitung der Eisenwerke seines Vaters übernahm; hier hatte er Gelegenheit, die metallurgischen Prozesse eingehend zu studieren, woraus eine Anzahl Abhandlungen, die in den "Comptes rendus" der Akademie der Wissenschaften erschienen, entstanden. Epochemachend waren seine Versuche über die Verflüssigung der sog. permanenten Gase. Es gelang ihm (Ende 1877), die bis dahin für permanent gehaltenen Gase unter Anwendung hoher Pressungen und bedeutender Abkühlungen zu verflüssigen, zu welchem überraschenden Resultat wenige Tage nachher auch Raoul Pictet (s. d.) in Genf, aber nach einer andern Methode, gelangte. Die Akademie der Wissenschaften ernannte ihn 1884 zum Mitglied.

Cailliaud (spr. kajĭoh), Frédéric, franz. Afrikareisender, geb. 9. Juni 1787 zu Nantes, bereiste seit 1813 als Goldarbeiter Belgien, Holland und Italien. Von Sicilien aus unternahm er eine Fahrt nach Griechenland und Konstantinopel, begab sich 1815 nach Ägypten und ging mit Drovetti den Nil bis zum zweiten Katarakt hinauf. Sodann von Mehemed-Ali mit der mineralog. Erforschung des Landes beauftragt, entdeckte er Ende 1818 von Edfu aus die alten Smaragdgruben am Dschebel Sebara, 1819 erhielt C. von der franz. Regierung die Geldmittel zur Fortsetzung seiner Forschungen. Im September ging er in Begleitung des Marineoffiziers Letorzec wiederum nach Ägypten, reiste im November von Fajum nach den Oasen Siwah, Barieh, Farafrah, Dachel und Chargeh und traf Anfang März 1820 zu Siut wieder am Nil ein. Nach einem Aufenthalt in Kairo begleiteten sie 1821 und 1822 den Eroberungszug Ibrahim-Paschas nach Sennar und Fasokl und gaben durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten die erste genauere Kunde von diesen Gebieten am obern Nil. Ende Okt. 1822 kehrte C. nach Frankreich zurück, wo er seitdem als Konservator des Naturhistorischen Museums seiner Vaterstadt lebte und 1. Mai 1869 starb. Sein eigentliches Hauptwerk ist die "Voyage à Méroé au fleuve Blanc, au-delà de Fazoql dans le midi du royaume de Sennâr, à Syouâh etc." (4 Bde., Par. 1823-27, mit Atlas). Sonst veröffentlichte C. noch außer einigen naturhistor., besonders konchyliolog. Arbeiten: "Recherches sur les arts et métiers, les usages de la vie civile et domestique des anciens peuples de l'Égypte, de la Nubie et de l'Éthiopie" (2 Bde., Par 1831 - 37). Die Berichte über seine ersten Reisen, die "Voyage à l'Oasis de Thèbes etc." (2 Bde., Par. 1822 fg.) und "Voyage à l'Oasis de Syouâh" (ebd. 1823), gab der Geograph Jomard heraus.

Caillié (spr. kajĭeh), René, franz. Reisender, geb. 19. Sept. 1799 zu Mauzé in Poitou, schiffte sich, 16 J. alt, nach der franz. Besitzung am Senegal ein, wo er sich der erfolglosen Expedition des engl. Majors Gray ins Innere Afrikas anschloß. Nach dem Senegal zurückgekehrt, ging er mit Handelswaren 1824 zu den Brakna, einem maur. Volke am Unterlauf des Senegal. Um einen von der Pariser Geographischen Gesellschaft für die Erreichung Timbuktus ausgesetzten Preis von 10000 Frs. zu erwerben, trat er 22. März 1827 von Sierra-Leone die Reise zuerst nach Kakudy am Nuñezflusse an. In Time, einem Dorfe der Mandingoneger in Wassulu, fiel er in eine schwere Krankheit, sodaß er erst 9. Jan. 1828 seine Reise fortsetzen konnte. In Dschenne schiffte er sich auf dem Nigerflusse nach Timbuktu ein, das er nach Verlauf eines Monats erreichte. Darauf durchwanderte er mit einer Karawane in zwei Monaten die Sahara. In Paris angelangt, erhielt er den Preis und eine Pension von 1000 Frs. Seine Bemerkungen wurden von Jomard u. d. T. "Journal d'un voyage à Tombouctou et à Jenne dans l'Afrique centrale " (3 Bde., Par. 1830) herausgegeben. C. starb 17. Mai 1838 bei Paris.

Caimansinseln, s. Caymansinseln.

Caïn (spr. kăäng), Auguste Nicolas, franz. Bildhauer, geb. 16. Nov. 1822 zu Paris, trat in das Atelier von Rude und widmete sich später fast ausschließlich der Bildnerei von Tieren, erst von kleinern, wie die ihr Nest gegen eine Ratte verteidigenden Hänflinge (1846) und die einen König verlangenden Frösche (1851), dann aber meist von Raubtieren, die er sowohl in ruhigem Zustande wie in Kampfscenen meisterhaft darstellt. Dahin gehören die Bronzegruppen: Tiger im Kampf mit einem Krokodil (1870), Löwe und Löwin sich ein Wildschwein streitig machend (1882), Rhinoceros von Tigern angefallen (1884; letztere beide an der Terrasse des Tuileriengartens), ferner mehrere Löwen, eine Tigerfamilie (1876) und der Stier an der Fontäne am Trocadéro. Auch die bronzene Reiterstatue des Herzogs Karl von Braunschweig, mit zwei Löwen und Monumentalfiguren, die 1879 für Genf vollendet wurde, ist von C. modelliert.

Caïncasäure, Caïncin, eine zu den Glykosiden gehörende Säure, C40H64O18 ^[C_{40}H_{64}O_{18}], die in der Caïncawurzel (s. d.) vorkommt und als Mittel gegen Wassersucht empfohlen wird.

Caïncawurzel, die mit den untern Stammresten in den Droguenhandel gelangende Wurzel von Chiococea racemosa L., einem in Westindien, Mexiko und Florida einheimischen Kletterstrauch aus der Familie der Rubiaceen. Die Wurzel ist walzenförmig, 1-2 cm dick, ästig, hin und her gebogen und hat eine dünne, harzige, graubraune, höckerig-runzlige Rinde mit oft stark hervortretenden Längsleisten. Wirksamer Bestandteil der Wurzel ist die Caïncasäure (s. d.). In ihrer Heimat wird sie als Mittel gegen Schlangenbiß benutzt, in Deutschland diente sie früher als Brechmittel.

Caïncīn, s. Caïncasäure.

Cainsdorf, Dorf in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Zwickau, links der Zwickauer Mulde und an der Linie Werdau-Schwarzenberg-Annaberg der Sächs. Staatsbahnen, hat (1890) 3794 E.,

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]