Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Canarienwein; Canarin; Canarische Inseln

895

Canarienwein - Canarische Inseln

soll dort noch angenehmer singen als der seit dem 10. Jahrh. in Europa, und zwar zuerst in Cadiz, dann in Süditalien eingeführte Vogel, der sich von dort aus weiter nordwärts verbreitete. Auf der Insel Elba ist er jetzt verwildert und verbleibt dort das ganze Jahr hindurch. Er frißt vornehmlich gern die Samen des Canarienglanzgrases. Im wilden Zustande ist das Männchen oben grün, schwarz gefleckt, Oberkopf, Kehle und Bürzel grünlichgelb, Brust und Bauch gelb. Das Weibchen ist matter gefärbt. Durch die Kultur hat sich jedoch diese Färbung sehr verändert, indem die graue und grünliche immer mehr verschwunden ist und der Vogel schließlich einfarbig hochgelb wurde. Im wilden Zustande baut der C. ein zierliches Nest und belegt dasselbe mit 5 blaß blaugrünen rostrot getüpfelten Eiern. Der in der Gefangenschaft gezüchtete Vogel läßt sich leicht mit andern Finkenarten, besonders mit Stieglitz und Zeisig paaren und die dadurch erzeugten unfruchtbaren Bastarde zeigen oft sehr ansprechende Färbung.

Der C. existiert jetzt in einer großen Anzahl von verschiedenen Varietäten oder Züchtungsspielarten. Der gemeine deutsche C. oder die Landrasse, früher allgemein verbreitet, gegenwärtig aber zurückgedrängt, wird nur noch von besondern Liebhabern in verschiedenen Spielarten, sog. Farbenvögeln gezüchtet. Früher wurden Mischlinge, hauptsächlich von Stieglitz mit Canarienvogelweibchen, eifrig gezogen. - Ungleich wichtiger ist der Harzer C. Seit 4-5 Jahrzehnten hat sich die Lehre vom Gesang des Harzer Hohlrollers zu einem förmlichen Wissenschaftszweige entwickelt. Man unterscheidet acht Haupttouren oder Rollen: Koller, Hohlrolle, Klingelrolle, Baßrolle (Knarr-, Knorr- und Krachrolle), Schwirr- oder Lispelrolle, Wasserrolle, Schnatterrolle und Flöten. Die jungen Harzer C. müssen in besondern Gesangskasten durch die vorzüglichsten alten Roller als Vorschläger ausgebildet werden. Den Canarienvogelhandel mit Einschluß der bedeutenden Ausfuhr, vornehmlich nach Nordamerika, Australien, Rußland (wo sich der C. nicht fortpflanzt) und des lebhaften Verkaufs an die einheimischen Liebhaber darf man auf einen jährlichen Umsatz von 600 000 bis 750 000 M. schätzen. Hauptstätten der Canarienvogelzucht sind außer Andreasberg u. a. Orte im Harz, Hannover, Leipzig, Magdeburg, Frankfurt a. M., Nürnberg, Stuttgart und namentlich auch Berlin. Preise für gute Mittelvögel 15-20 M., aber hinauf auf 50, 75,100 M. und sogar 150 M. für den vorzüglichsten oder sog. Prima-Hohlroller. Geringe Vögel, welche massenhaft gezüchtet werden, sind heutzutage kaum mehr abzusetzen. Alljährliche Canarienvogelausstellungen an den Hauptstätten der Züchtung u. a. großen Städten befördern die Verbreitung der Canarienvogelzucht und des Canarienvogelhandels.

Durchaus verschiedene Liebhaberei herrscht in andern Ländern für den C.; sie betrifft nur Farben- und Gestalt-, nicht Gesangsvögel. Die C. der holländischen Rasse sind Gestaltvögel und man unterscheidet: a. Trompeter, deren größte, schlankeste Rasse b. Pariser und recht zottige c. Lord-Mayor heißen, d. Brabanter, e. Brüsseler, unter denen die sog. Katzenbuckel die wertvollsten sind. Man bezahlt das Paar mit 50 M., selbst 100 bis 400 M. In England hat die Zucht des C. sich den Farbenrassen zugewandt, welche in beträchtlicher Anzahl gezogen werden. Die Preise stehen von 30 bis 50 M. für den Kopf oder auch das Pärchen und erreichen beim Manchester-Coppy 200 M. und darüber. Aber an diesen prächtigen Farbenvögeln hat man sich noch keineswegs genügen lassen; man züchtet dieselben Farbenschläge auch noch in sog. Pfeffervögeln, welche durch Fütterung mit Cayennepfeffer orangerot gefärbt sind und in den schönsten Vögeln mit außerordentlichen Summen bezahlt werden. In Deutschland hat die Liebhaberei für die Gestalt- und Farbencanarienvögel noch wenig Boden gewonnen. Dagegen wird der gemeine deutsche C. zuweilen zu Künsten abgerichtet und in mehrern Fällen hat man ihn zum Nachahmen menschlicher Sprache gebracht.

Fütterung: Während der gemeine deutsche C. mit Hanf- und Canariensamen, auch wohl unter Zugabe von Zucker, Biskuit sowie Grünkraut, Vogelmiere, Salat u. a. gefüttert wird, bedarf der Harzer C. sorgfältigster Ernährung; nur bester süßer Sommerrübsen, nebst Zugabe von hartgekochtem Ei oder Löffelbiskuit, besser sog. Eifutter (gekochtes Ei und Weißbrot zusammengerieben), darf ihm gereicht werden. Zur Mauserzeit dazu einige Körner gequetschten Hanf und zur Abwechselung Canariensamen, auch ein wenig Grünkraut; Zucker u. dgl. hält man ihm fern. Sehr bequem ist das von G. Voß in Köln gemischte Singfutter. Die übrigen Rassen werden wie der deutsche C. ernährt, die holländischen vornehmlich mit Hanf, die englischen mit Canariensamen. Für die sog. Pfeffervögel wird ein Gemisch von rotem Cayennepfeffer (Capsicum annuum) mit erweichtem feinem Weizenbrot in der Mauserzeit dargeboten, und durch Aufnahme des Farbstoffs in das Blut werden die hervorsprießenden Federn rot gefärbt. - Vgl. Ruß, Der C. (6. Aufl., Magdeb. 1889); Brandner, Der Harzer C. (2 Tle., 2. Aufl., Stett. 1881).

Canarienwein, s. Canariensekt.

Canarin, Persulfocyan, ein gelber, durch Oxydation von Rhodankalium mit Salpetersäure oder Chlor dargestellter Farbstoff von der Zusammensetzung C3N3S3H ^[C<sub>3</sub>N<sub>3</sub>S<sub>3</sub>H]. C. ist in Alkalien löslich und dient zum Zeugdruck; die Färbungen zeichnen sich durch große Beständigkeit gegen Licht und Seife aus, weniger durch Schönheit.

Canarische Inseln,span. Islas Canarias, eine administrativ zu den Provinzen, nicht zu den Kolonien Spaniens gehörende Gruppe von sieben größern (Siete Islas) und sechs kleinern Inseln, an der westl. Küste Afrikas, in der subtropischen Zone, zwischen 28 und 29° nördl. Br., 90-300 km vom Festlande entfernt, bedeckt eine Fläche von 7624 qkm und hat eine Bevölkerung von 291 625 (130 781 männl., 160 844 weibl.) E. Die sieben bewohnten Inseln sind: Teneriffa (span. Tenerife), Gran-Canaria, Palma, Gomera, Ferro (span. Hierro), Fuerteventura und Lanzarote (s. die einzelnen Artikel). Die sechs Eilande (Islas menores oder Islotes) Allegranza, Graciosa, Montaña Clare, Rocque del Oeste, Rocque del Este und Isleta de Lobos werden, weil unbewohnt, auch Desiertas genannt und bedecken zusammen 44 qkm.

Oberflächengestaltung. Nach ihrem landschaftlichen Charakter lassen sich die Inseln in zwei Gruppen teilen; die westlich vom 15.° westl. L. von Greenwich gelegenen, Gran Canaria, Teneriffa, Gomera, Palma und Ferro, die neuern vulkanischen Ursprungs sind und den erloschenen Krater entweder noch unversehrt oder zur Hälfte eingestürzt tragen, sind sehr fruchtbar und von landschaft-^[folgende Seite]

^[Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.]