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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Chörlein - Chortizy
Arten. Es sind Sträucbcr oder Halbsträucher mit
einfachen abwechselnden Blättern und orangefarbe-
nen oder roten Blüten. Einige Arten, wie 0.
ilicilolium Fm., 0. coräatnin ^/i?ick?. u. a. sind sehr
schöne, reichblühende Ziersträucher des Kaltbauses.
Sie beanspruchen dort während des Winters einen
hellen, trocknen und im Sommer einen balbschattigen
Platz im Freien. In sandiger Heideerde gedeihen
sie vortrefflich, nur sind sie gegen Nässe empfindlich.
Vermebrung durch Stecklinge oder Samen.
Chörlein, in ^üddeutschland die aus den Faca-
den der Häuser hcrausgebauten Erker, die einen ab-
geschlossenen Sitzplatz im Zimmer mit Aussicht auf
die Straße, meist nach drei Seiten hin, bilden. Sie
erhielten diesen Namen, weil ihre Form ursprünglich
aus den kleinen Chören der Hauskavellen sich heraus-
gebildet hat. Berühmt ist das gotische C. (1318) am
Pfarrhofe von St. Sebaldus zu Nürnberg.
Chorley (spr. tschorli), Industriestadt in der engl.
Grafschaft Lancashire, 40 km im NO. von Liverpool,
am Chor und am KanalPreston-Liverpool, bat (1891)
23 082 E., Fabriken von Baumwollgarn, Musselin,
Kaliko, Indiennes, Putzwaren und Eisenbahn-Wag-
gons. In der Nabe Kohlen- und Bleibergwerke, Stein-
brüche und Bleichereien.
Chorographie (grch.), Teil der Länderkunde,
die Beschreibung einer einzelnen Gegend von klei-
nerm Umfang, im Gegensatz zur Topographie oder
Ortsbeschreibung.
Chorol. 1) Kreis im mittlern^eil des Gouver-
nements Poltawa, mit frucht barer schwarz erde, aber
waldlos, hat 3310,6 qkm, 154881 E., Ackerbau. -
2) Kreisstadt im Kreis C., 106 km westnordwestlick
von Poltawa, an dem zum Psiol gehenden C., hat
(1888) 6631 E., Post und Telegraph, 6 Kirchen, Pro-
gymnasium für Mädchen und Ackerbau.
Chorolögie (grch.), von neuern Gelehrten (Po-
korny) eingeführte Bezeichnung für die Pflanzen-
und Tiergeographie.
Choromänie, s. Choreomanie.
Chorometrie (grch.), Feldmeßkunst.
Choron (spr. schoröng), Alexandre Etienne, franz.
Musiktheoretiker, geb. 21. Okt. 1772 zu Caen, gest.
29. Juni 1834 zu Paris, stand an der Spitze der
ausgezeichneten Männer (Berlioz, Kastner u. a.), die
sich in der ersten Hälfte diefes Jahrhunderts be-
mühten, das Musikwesen ihres Vaterlandes neu zu
beleben und zu vertiefen. Zu diefem Zwecke suckte
er die theoretischen und praktischen Meisterwerke dem
Musikunterricht wieder zugänglich zu machen. Ihrer
Bekanntmachung dient ein großer Teil seiner frühern
Arbeiten: "?i'iii(;ip68ä'aee()inpg.Fii6ni6iitäk8 kcoi68
ä'itaiw" (mit Fiocchi, Par. 1804), "?i-iiioip68 ä6
coinpositiou ä68 6C0168 ä'Italik" (3 Bde., ebd. 1808;
2. Aufl., 6 Bde., 1816). Auch erwarb er sich ein
Verdienst durch Errichtung und Leitung einer Ge-
^aNgichule, <Ü0Q861V2.t0il-6 Ü6 U1U8iyU6 ciH38ihU6
6t i-6iiFi6U86 (1818), die für die bis dahin in
Frankreich fehlende Pflege des Chorgesangs trotz
vielfacher Hemmnisse förderlich geworden ist. C. war
ein gründlich gebildeter Theoretiker, hatte aber auf
dem eigentlich praktischen Gebiete, das er erst spät
betrat, wenig Erfolg.
Chorremäbäd(arab.Felek-el-Aflat), Stadt
in der pers. Provinz Luristan, an dem zum Kercba
gebenden Flusse C., am südwcstl. Fuße des Scfid-
Koh, in 1241 in Höhe, hat 5000 E., einen schönen
Palast des Statthalters von Kurdistan, und ist die
einzige bedeutende Stadt der Provinz.
Chorrillos (spr. tschorriljos), Seebad im peruan.
Depart. Lima, 12 km südlich von Lima, mit dem es
durch Eisenbahn verbunden ist, an der Bai von C.
nördlich vom Berge Salto del Frayle, der in die
Punta de C. ausläuft, hat (1876) 4329 E. und ist be-
liebter Sommeraufenthalt der Bewohner der Haupt-
stadt. - Am 13. Jan. 1881 überraschten die Chilenen
(26400 Mann) die Armee der ungleich stärkern
Peruaner und eroberten deren feste Stellung und
die Stadt C., während ein Teil der Gegner un-
thätig in der Nähe bei Miraflores stand.
Chorrock der kath. Geistlichen, s. Stola.
Chorsabad (Khorsabad), in den Keilinschrif-
ten Dür-Scharrukin ("Sargonsveste"), Ort in
Babylonien, drei Stunden nordöstlich von Ninive,
berühmt durch die EntdeckungenVottas, der30. März
1843 dort Ausgrabungen begann und damit die
Assyriologie ins Leben rief, und des franz. Architekten
Victor Place (Abbildungen s. Tafel:Babylonisch-
Assyrische Kunst, Fig. 1, 2, 4, 5, 7 und Tafel:
Babylonifch-Afsyrische Altertümer, Fig. 1
u. 2). Dür-Scharrukin wurde von Sargon II. 711
v. Chr. erbaut, um den damals noch in Ruinen
liegenden Palast Ninives zu ersetzen. Die Stadt
war mit einer noch jetzt verfolgbaren Mauer um-
geben, die ein Rechteck bildete. Äuf der Nordwestseite
war der Königspalast sowie prachtvolle mit Bas-
reliefs und Inschriftenfriesen versehene Hoffäle und
200 Gemäcber des Hofes und des Harems. (S. Baby-
lonien: Kultur.) Die Hauptmasse dieser Reliefs und
Friese befindet sich jetzt im Louvre zu Paris. Auch
die Neste eines (707 v. Chr. von Sargon eingeweih-
ten) Tempels sowie ein Portal mit sechs geflügelten
stieren wurden in C. ausgegraben. - Vgl. Botta,
5Ionum6ut8 äs Niuivs (5 Bde., Par. 1847-50)/
Place, ^linivL 6t 1'^88^ri6 (2 Bde. mit Atlas, ebd.
1866-69); Oppert, 1^68 inseriptiou" äo vour-
83.1'ka^g.u (XtiorLadÄcl) proveuant ä68 louilisä äs
N. Victor I>1ae6 (ebd. 1870).
Chorschrankcn, in der kirchlichen Baukunst die
den Chor vom Längsschiff trennenden steinernen oder
hölzernen Brüstungen oder Scheidewände (s. auch
Lettner). Künstlerisch hervorragende C. sind z. B.
in der Liebfrauenkirche zu Halberstadt (Ende des
12. Jahrh.), spätgotische in der Marienkirche zu
Lübeck.
Chorstörer (wi-d^torEs okori), im Mittelalter
in einigen Mönchsklöstern angestellte Personen, die
den Chorgesang an feierlichen Stellen durch Geschrei
unterbrechen mußten. Ursprung und Zweck dieser
Einrichtung sind nicht bekannt.
Chorstühle, s. Chorgestühl.
Chortatzis, Georg, neugriech. Dichter aus
Kreta, lebte wahrscheinlich um 1620. Sein mund-
artliches Trauerspiel "Erophile" ist das erste in neu-
griech. Sprache gedichtete Drama (Vened. 1637;
neuer Druck in Sathas' "Kretikon t1i62.ti0n", ebd.
1879) und war wegen des Ncicbtums an Sentenzen
sehr beliebt. Es ist nach Giraldis (s. d.) Tragödie
"I/Oi-I)6ccii6" gearbeitet.
Chortizy (Chortiza, Chortiz), Insel des
Dnjepr im russ. Gouvernement und Kreis Iekate-
rinoslaw, 82 km unterhalb der Stadt Iekaterino-
slaw, ist 10 km lang, 3 km breit, sehr fruchtbar und
Sitz einer gleichnamigen Kolonie von Mennoniten,
die Ende des 18. Jahrh, aus der Gegend von Danzig
einwanderten. Die Kolonie hat (1885) 1658 E.,
Post, Ackerbau, 2 Maschinenfabriken, Gießerei, Fär-
berei, Vierbrauerei. Aus der Südspitze der Insel
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.