Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

345
Civilgericht - Civilliste
Civilgericht, das zur Rechtspflege in Civilsachen
berufene Gericht (s. Gericht und Gerichtsverfassung).
Civilgerichtsbarkeit, die Ausübung der
Rechtspflege in Civilsachen (s. Gerichtsbarkeit).
Civilgesetzbuch, s. Bürgerliches Gesetzbuch für
das Deutsche Reich.
Civilingenieur bezeichnet ursprünglich den
Gegensatz zu Militäringenieur (s. Ingenieur) und
hat sich z. B. in diesem Sinne als ein durch Bestehen
der technischen Staatsprüfung (s. Technische Staats-
prüfungen) erworbener Titel bis 1888 in Sachsen
erhalten. Gegenwärtig werden aber in Deutschland
allgemein diejenigen Techniker C. genannt, die nicht
im Staatsdienste stehen, sondern die Bearbeitung
von Aufgaben aus dem Ingenieurwesen als selb-
ständiges Gewerbe betreiben, indem sie teils Ma-
Wnen- oder Ingenieurbauanlagen entwerfen, teils
ihre prattifche Ausführung leiten.
CivMs, Julius, fälschlich Claudius C., dcr
aerman. Führer der Bataver im Kriege gegen die
Römer 69 und 70 n. Chr., von fürstl. Abkunft aus
dem seit 13 v. Chr. mit den Römern verbündeten Volte
der Bataver und unter Nero Befehlshaber in röm.
Diensten, war durch die Hinrichtung seines Bruders
auf Befehl des zu Köln kommandierenden nieder-
german. Legaten Fontejus Capito (67 n. Chr.) und
mehrfache persönliche Unbill zu solcher Erbitterung
gegen die Römer gestachelt worden, dah er den
kühnen Plan faßte, die röm. Macht am Rhein zu
vernichten. Als infolge des Anfang 69 n. Chr. aus-
gebrochenen Vitellianischen Throntrieges die röm.
Rheinlande von zuverlässigen röm. Truppen stark
entblößt waren, gelang es ihm, die Bataver, Friesen
und Canniucfaten gegen Rom in Waffen zu bringen.
Die röm. Heerhaufen konnten bei dem allgemeinen
Abfall der batav. und kelt. Hilfstruppen das Feld
nicht halten. C. konnte schon im Herbst 69 die
Hauptfestung Vetera (Xanten) belagern, und als
Anfang 70 auf die Kunde von Vitellius' Tode und
dem Brande des Kapitols das ganze nordöstl.
Gallien bis zur Grenze der Remer von 'Rom abfiel,
gingen auch die Rheinfestungen mit zahlreichen
röm. Truppen zu C. und den Kelten über. Infolge
innerer Zwistigkeiten trat jedoch ein Teil der Auf-
ständischen bald wieder auf die Seite der Römer,
und so gelang es dem röm. Feldherrn Petillius
Cerialis, Trier zu erobern und bei dieser Stadt C.
selbst aufs Haupt zu schlagen. Nach einer neuen
Schlacht bei Vetera drang Cerialis in das Land
dcr Bataver selbst ein, und im Herbst des I. 70
kam der Friede zu stände, der dem C. Amnestie ge-
währte und das alte Bündnis zwischen Rom und
den Batavern herstellte.
Civilisation (vom lat. civiliZ, bürgerlich, ge-
sittet), derjenige Zustand der menschlichen Gesell-
schaft, in welchem sie den Zustand der Barbarei über-
wunden hat und zu einem geordneten bürgerlichen
Zusammenleben vorgeschritten ist, somit die Vorbe-
dingung jcdcr höhern Kultur.
Civilisieren, der Civilisation (s. d.) zuführen,
gesittet machen.
Civilisten sind diejenigen Personen, welche den
bürgerlichen Ständen (im Gegensatz zum Militär)
angehören; in einem andern Sinn die Rechtslehrer
und Schriftsteller des bürgerlichen, namentlich des
röm. Rechts im Gegensatz einerseits zu den Kano-
nisten, den Rechtslehrern des kanonischen oder
Kirchenrechts, andererseits zu den Rechtslchrern des
Strafrechts, den Kriminalisten.
Civilität (lat.), Anstand, Höflichkeit.
Civilkammer. Nach dem Deutschen Gerichts-
verfassungsgesetze vom 27. Jan. 1877 bestehen die
Landgerichte aus Civil- und Strafkammern. Die
Civilkammern bilden diejenigen Abteilungen, welche
(in Verbindung mit den Kammern für Handels-
fachen, s. d.) die ordentliche Gerichtsbarkeit in
bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten innerhalb der sach-
lichen und örtlichen Zuständigkeit der Landgerichte
ausüben. Vor die Civilkammern gehören danach
wesentlich: 1) alle Civilprozesse, welche nicht den
Amtsgerichten zugewiesen sind, d. h. regelmäßiq
alle Prozesse über vermögensrechtliche Ansprüche,
deren Gegenstand an Geld oder Gelde^wert die
Summe von 300 M. übersteigt; 2) gewisse öffent-
lich-rechtliche Verhältnisse berührende Civilprozesse
ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegen-
standes, als welche reichsgesetzlich Ansprüche gegen
den Reichsfiskus auf Grund der Gesetze über die
Flößereiabgabe und die Rechtsverhältnisse der
Reichsbeamten, sowie Ansprüche an Reichsbeamte
aus Amtsversehen bestimmt sind, woneben eine
gleiche Zuweisung der Landesgesetzgebung überlassen
ist für Anfprüche gegen den Staat seitens der Staats-
beamten, wegen Verfügungen der Verwaltungs-
behörden, wegen Verschuldung von Staatsbeamten
und wegen Aufhebung von Privilegien, sowie für
Ansprüche an Beamte aus Amtsversehen und für
Ansprüche betreffs öffentlicher Abgaben; 3) die
Rechtsmittel der Beschwerde und Berufung in den
vor den Amtsgerichten verhandelten bürgerlichen
Rechtsstreitigkeiten. - Wegen der Bildung und Be-
setzung der Civilkammer s. Gericht und Gerichts-
verfassung.
Civilkomputation, s. Komputation.
Civillifte, Bezeichnung für denjenigen Teil
der Staatsausgaben, welcher in monarchischen
Staaten für den Unterhalt des Fürsten und seines
Hofhaltes bestimmt wird. Die C. hängt mit dem
Übergange vom feudalen und patrimonialen in
den modernen Staat zusammen. Wichtig dabei
war zunächst für eine Anzahl von Staaten die
Thatsache der Verminderung der fürstl. Hausgüter
infolge von schlechter Verwaltung und zunehmen-
dem Luxus, entscheidend aber vornehmlich die sich
immer mehr steigernden Bedürfnisse des in fort-
schreitender Entwicklung befindlichen Staates, die
Notwendigkeit eines eigenen, einheitlichen, wohlge-
ordneten und kontrollierten Staatshaushalts und
die wesentlich veränderte polit. Stellung der Dyna-
stien. C. nannte man zuerst in England eine Liste
der Bedürfnisse des Königs für seine eigene Person,
feinen Hofstaat, die Civilverwaltung und Aufrecht-
erhaltung der öffentlichen Sicherheit (im Gegensatz
zu den Ausgaben für das Heer), zu deren Befrie-
digung das Parlament dem Könige ein bestimmtes
Pauschquantum, selbst auch C. genannt, bewilligte
und welches aus den erblichen Revenuen der Krone
und aus zeitweise oder auf Lebenszeit bewilligten
Steuern gebildet war. Nachdem schon Georg 111.
lediglich "zur Bestreitung des Haushalts und Auf-
rechthaltung des Glanzes und der Würde der Krone"
eine bestimmte Summe als C. angenommen, Wil-
helm IV. aber überhaupt alle polit. Lasten von der
C. ausgeschieden hatte, entstand erst unter Victoria
die reine C. im Sinne eines lediglich dem Aufwande
des Königs und seines Hofstaates gewidmeten Bud-
getpostens, nachdem das Parlament auch den Unter-
halt der selbständigen Glieder des königl. Hauses
Urtilel. die man unter E vermißt, sind unter K aufzusuchen.