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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Colmar (im Elsaß)
yaus und an derLmieWeißenburg-StraßburgBasel
iowie der Nebenlinie C.-Münster (18,5km) der Elsaß-
Lothring. Eisenbahnen, an der Linie Freiburg-C.
(44,4 km) der Bad. Staatsbahnen, der Nebenbahn
C.-Schnierlach (20 km, Kaysersberger Thalbahn)
und an den Straßenbahnen C.-Winzenheim (4,6 km)
und C.-Markolsheim (22 km), ist Sitz des kaiserl.
Bezirkspräsidiums des Ober-
elsasses, der Kreisdirektion des
) Kreises C., des Oberlandes-
gerichts für Elsaß-Lothringen
(Landgerichte C., Metz, Mül-
hausen, Saargemünd, Straß-
burg, Zabern), eines Land-
gerichts mit 15 Amtsgerichten
(Varr, C., Ensisheim, Geb-
weiler, Kaysersberg, Mar-
kirch, Markolsheim, Münster, Neubreisach, Rap-
poltsweiler, Rufach, Schlettstadt, Schnierlach,
Sulz, Weiler) und Kammer für Handelssachen,
Amtsgerichts, Hauptsteueramtes, einer Betriebs-
direktion (191,72 km Bahnlinien) dcr Elsah-
Lothring. Eisenbahnen, eines kath. Dekanats, einer
Inspektion und eines Konsistoriums Augsburgi-
schen Bekenntnisses, eines israel. Konsistoriums
sowie des Kommandos der 29. Kavalleriebrigade
und hat (1890) 30399 E., darunter 8734 Evan-
gelische und 1079 Israeliten, in Garnison (2763
Mann) das 4., 10. und 14. Iägerbataillon sowie
das 14. Dragonerregiment, Post erster Klasse mit
Zweigstellen und Telegraph.
Gebäude. Bemerkenswert sind das Münster
St. Martin (14. Jahrh.) mit der Madonna im
Rosenhag von Schongauer; die frühgot. ehemalige
Dominikanerkirche, jetzt Kornhalle; die fpätgot. ehe-
malige Franziskanerkirche,jetztevang.Kirche; das ehe-
malige Dominikanerkloster Nnterlinden (13. Jahrh.)
mit der Stadtbibliothek (80000 Bände, 1791 ge-
gründet), dem Schongauer Museum und den Samm-
lungen der naturgeschichtlichen Gesellschaft; das Be-
zirkspräsidium (1860), das Oberlandesgericht, das
alte Kaufhaus (1480), das Theater, die Kavallerie-
kaserne, das Postgebäude (Neubau) und mehrere
Privathäuser im Renaissancestil; in den Anlagen
"Marsfeld" die Kolossalstatue des Admirals Vruat
(1864) und das Denkmal des Generals Rapp (1853),
in der Stadt das Denkmal Pfefsels.
Verwaltung. Die Stadt hat einen Bürger-
meister, 2 Beigeordnete, 27 Gemeinderatsmitglieder,
Feuerwehr, Gasanstalt (etwa 800000 cdm), Wasser-
werk, städtische Sparkasse; Vürgerhospital.
Bildungs- undVereinswesen. C. hat einLy-
ceum (Direktor Dr. Vaur, 27 Lehrer, 11 Gymnasial-
klassen mit 260 Schülern, 6 Realklassen mit 188 Schü-
lern, 3 Vorklassen mit89 Schülern), zwei kath. Lehrer-
seminare, Präparanden-, höhere Mädchenschule,
Zeichenschule; Bezirks- und Stadtarchiv, Stadt-
bibko^hek; Schongauergesellschaft, Naturhistorische
Gesellschaft, je einen Krieger-, Veteranen-, Vater-
ländischen Frauen-,LandwirtschastlichenKreis-, Gar-
ten- und Weinbau-, Verschönerungsverein, Sektion
des Vogesenklubs, 10 Musik-und Gesang- sowie
zahlreiche Geselligkeits- und Wohlthätigkeitsvereine.
Die Industrie erstreckt sich auf Baumwoll-,
Woll- und Seidenspinnerei und -Weberei, Eisen-
gießerei, Maschinenbau sowie Fabrikation von Tuch,
Jute, Packleinwand, Nähfaden, Papier, Stärkemehl,
Kartoffelzucker, Seife, Kerzen, Wagen und Cement-
röhren; ferner bestehen Gerbereien und Bierbraue-
reien. Die Lage am Ausgange der gewerbfleißigen
Thäler von^Sulzmatt, Münster und Kaysersberg
machen die Stadt zum Stapelplatz eines regen Bin-
nenhandels; ferner besteht bedeutender Gemüse-,
Hopfen- und Weinhandel sowie Ausfuhr von Gänse-
leberpasteten. C. besitzt eine Handelskammer, Reichs-
banknebenstelle, LHUHN6 ä6 NuIIwu86 LuccmrLkis
äe 0., Filiale der allgemeinen Elsässischen Vankge-
sellschaft sowie mehrere Privatbanken. - C. ist
Geburtsort des Dichters Konrad Pfeffel (1736-
1809), des Generals I. Rapp (1772-1821), des
Admirals A. I. Bruat (1796-1855). - Von wich-
tigern Industriezweigen wurden im Kreis C.
1890/91 betrieben: 29 Webereien (7747 Webstühle),
12 Spinnereien (280760 Spindeln), 1 Zwirnerei
(124 Spindeln), 9 Vierbrauereien, 1 Seidenspinne-
rei, 3 mechan. Vürstenbolzfabriken, 7 Vuchdrucke-
reien, 1 Eisengießerei, 2 Eisenschmieden, 5 Hammer-
schmieden, 2 Färbereien, 2 Feilenfabriken, 1 mechan.
Werkstätte, 2 Packtuch- und 3 Holzstofffabriken,
14 Kalkbrennereien, 1 Kesselfabrik, 10 Veinwand-
bleichereien, 5 K.erzenfabriken, 29 Mehl-, 14 Öl-
mühlen, 3 mechan. Papiermühlen, 24 mechan.
Schneidemühlen, 4 Seifenfabriken, je eine Zucker-
waren-, Tabak- und Cigarren-, Stärke-, Tapeten-
fabrik , 4 Töpferwarenfabriken, 15 Ziegeleien u. a.
- In der Umgegend von C. wird Tabakbau (1890
im Handelskammerbezirk C. 8060 mit Tabak be-
pflanzte Grundstücke in der Größe von 1208,84 ka,
3653 Tabakpflanzer) und Gemüsezucht (Spargel)
betrieben. Unter den weinbautreibenden Gemeinden
Elsaß-Lothringens steht C. bezüglich des Umfangs
der bebauten Fläche an erster Stelle (597 ka Wein-
berge; 1889/90 im Handelskammerbezirk C. 26108
Weinbauern, 144 Weingrofthändler, 975 Weinklein-
verkäufer). Im Kreis C. waren 1889/90 17 Stein-
brüche im Betrieb.
Geschichte. C., das Oolumdarium der Römer,
war unter den Karolingern königl. Meierhof; 833
fand in der Nähe (Lügenfeld) die Zusammenkunft
Ludwigs des Frommen mit seinen Söhnen statt,
884 hielt Karl der Dicke einen Reichstag in C. ab.
Durch den hohenstaufischen Landvogt Wölfelin
wurde C. mit Mauern umgeben, 1226 durch Kaiser
Friedrich II. Reichsstadt. 1278 empfing C. von Ru-
dolf von Habsburg sein Stadtrecht und die Be-
freiung von fremder Gerichtsbarkeit, 1285 wurde
es von demfelben König belagert, weil es sich wei-
gerte, die geforderten Steuern zu zablen. Ebenso
sab König Adolf von Nassau sich 1293 durch das
feindselige Verhalten des Schultheißen Rösselmann
und seines Verbündeten Anselm von Rappoltstein
zu einer längern Belagerung genötigt und nahm
schließlich die Stadt ein. C. wurde 1337, weil es
die Juden schützte, von dem sog. König Armleder
vergebens belagert, 1358 vom Herzog Rudolf
von Osterreich eingenommen. Im 14. Jahrh, trat
C. dem Bunde der'iO elsäss. Reichsstädte dei. 1575
fand die Reformation Eingang, doch wurde 1627
den Protestanten die Abhaltung des Gottesdienstes
untersagt. Infolgedessen eroberten die Schweden
unter General Horn 1632 die Stadt, mußten die-
selbe jedoch wieder räumen. 1634 besetzten die Fran-
zosen C. zum erstenmal, räumten aber die Stadt
nach dem Westfälischen Frieden. 1673 drangen sie
unter Louvois in dieselbe ein und schleiften die
Festungswerke. Am 5. Jan. 1675 schlug Turenne die
Kaiserlichen zwischen C. und Türtheim; der Friede
von Nimwegen (1678) bestätigte die Abtretung C.s
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.