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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Collot d'Herbois - Colmar (im Elsaß)
sienstadt eine Brigade und war bei Unterdrückung
des Aufstandes zu Prag thätig. Im Okt. 1848 nahm
er an der Einschließung Wiens teil, machte dann
den ungar. Feldzug mit und wurde zum Feldmar-
schalllieutenant ernannt. Nach diesem Feldzuge er-
hielt er 1850 den Oberbefehl über das 2. Armeekorps
und starb 29. Mai 1852 in Gräfenberg in Schlesien.
- Sein Erbe und Nachfolger im Familienfidei-
kommiß ist Joseph Franz Hieronymus, Fürst
von C., ein Sohn des Grafen Ferdinand, geb.
26. Febr. 1813. Er diente zuerst in der Armee bis
zum Major, war seit 1859 viele Jahre hindurch
Präsident des Patriotischen.HilfsVereins, 1861-67
Landmarschall von Niederösterreich, 1868-69 Prä-
sident des Herrenhauses. Er gehört der deutsch-
österr. verfassungstreuen Partei an. Sein ältester
Sohn, Graf Hieronymus, geb. 20. Juli 1842,
diente 1859-65 in der Armee, wurde 1871 von
dem verfassungstreuen Großgrundbesitz in den
böhm. Landtag gewählt und übernahm 19. Mai
1875 im Ministerium Auersperg das Portefeuille
des Ackerbaues, trat 12. Aug. 1879 aus dem Kabi-
nett und zur Opposition über. Er starb 29. Juli 1881.
Gollot d'Herbois (spr. kollo derböä), Jean
Marie, franz. Revolutionär, geb. um 1750 zu Paris,
durchzog als Schauspieler Frankreich, Holland, Bel-
gien und kam nach Genf, die Verwaltung des Thea-
ters zu übernehmen. Beim Ausbruch der Revolu-
tion eilte er nach Paris und that sich als leidenschaft-
licher Strahcnredner hervor. Seine Broschüre "^1-
niauHc du ?6r6 (^LlÄi-ä" s1792) verschaffte ihm vom
Iakobinerklub einen Preis. Während der Ereignisse
vom 10. Aug. 1792 drängte er sich in den Pariser
Gemeinderat ein, bereitete die Septembermorde mit
vor und wurde in den Konvent gewählt. Bei dessen
Eröffnung trug er zuerst auf Einführung der Re-
publik an, und verlangte einen Monat später die
Todesstrafe für die Emigranten. Auch den Prozeß
des Königs hatte er beantragt und gab sein Votum
auf Tod ohne Aufschub. Am 13. Juni 1793 wurde er
für seine Beihilfe zum Siege der Jakobiner über die
Gironde Präsident des Konvents und kam im Sep-
tember desselben Jahres in den Wohlfahrtsausschuß.
Nach der Einnahme von Lyon schickte ihn Robespierre
mit Fouche' Nov. 1793 als Richter in diese Stadt.
Als Schauspieler war C. hier einst ausgepfiffcn wor-
den. Jetzt fand er Gelegenheit, dafür Vergeltung zu
üben durch die Massenhinrichtungen, die ihm den
Beinamen des Mitrailleurs und sogar eine Anklage
seitens der Stadt im Konvent einbrachten. Doch
hielt er sich gerade durch verdoppelten Terrorismus,
den er auch gegen die Dantonisten wandte, aufrecht.
Ein Attentat auf ihn 23. Mai 1794 erhöhte sein An-
sehen noch mehr. Robespierre, dessen Neid erregt
war, suchte ihn nun zu stürzen und drängte damit
C. zu der Verschwörung, die am 9. Thermidor
(27. Juli) Robespierre selbst verderblich wurde. Doch
entging unter der folgenden Reaktion auch C. nicht
der Strafe. Zuerst aus dem Konvent gestoßen, wurde
er nach der Insurrektion vom 12. Germinal (1. April
1795) zur Deportation verurteilt. Man schaffte ihn
nach Guayana, wo er 8. Jan. 1796 starb.
voii'ottNva. (ital.) wird über die Noten ge-
setzt, wenn beim Klavier die rechte Hand die obere
Oktave dazu spielen soll; im Basse unter den Noten
bedeutet es (auch (^oU' ottava, dagsa.), daß die linke
Hand die untere Oktave dazu greifen muß.
Colman (spr. kohlmänn), George, engl. Lust-
spieldichter, geb. 28. April 1733 in Florenz, wo
sein Vater engl. Resident war, studierte die Rechte,
wandte sich aber bald der Dichtkunst zu. Gleich
sein erstes Lustspiel "?0i1x Hons^couid " (1760)
fand Beifall, noch mehr gefiel "^k6 ^'salouZ niks"
(1761 aufgeführt), das auf Fieldings "^om "lonss"
gegründet ist. C. übernahm 1768 die Leitung des
Coventgarden-, 1777 die des Haymarket-Theaters.
Gegen Ende seines Lebens ward er wahnsinnig
und starb 14. Aug. 1794 im Irrenhause. Man
hat von ihm 35 Theaterstücke, die meist das Leben
treu nachzeichnen (darunter "^lanäELtinL uiHli-iHFö",
1766, mit Garrick verfaßt), eine Übersetzung der
tt^r8 p06tica" des Horaz (1783) und eine metrische
Übersetzung des Terenz (Lond. 1765), wovon "1^6
?doi'mi0" 1891 neu erschien. C.s "Di-Nmatic nolll8"
erschienen 1777 (ebd., 4Bde.), "Ni3C6ii3.n60U8^0lk8>>
1787 (3 Bde.). - George C. der Jüngere, Sohn
des vorigen, geb. 21. Okt. 1762, besuchte die West-
minsterschule und die Universitäten Oxford und Aber-
deen. Er starb 26. Okt. 1836 in London. Sein erstes
Theaterstück, "^lis ltmiais äi-aniat^t", eine Posse
mit Gesang, fiel durch. Bessern Erfolg hatte ein
zweites "1>o to one" (1784). Als vertretender
Leiter des Zaymarket-Theaters schrieb er für dieses
eine Reihe von Stücken, die sich, fast durchgängig
mit Beifall aufgenommen, zum Teil auf dem Re-
pertoire erhalten haben. Hierher gehören: das Lust-
spiel ">Va.^8 anä N163.N8" (1788), "Iks Norm-
tain66i-3" (1794), "^Ii6 iroii cd68t" (1796), nach
Godwins "Oalöd >Vi1Iiam8" bearbeitet, "I'lik k6ir
at 1^" (1797); die Oper "LwsdLNi-ä" (1798), von
Kelly komponiert; die trefflichen Lustspiele "I'liO zioor
^nti6M3.n" (1802) und "^oim Lull" (1805); ferner
"11i6 ^fricNQ8" (1808), "1k6 1^ ok^vg." (1822)
u. a. Auch schrieb C. poet. Burlesken und Memoiren
("Nanäom r6oorä8", Lond. 1830). - Vgl. Peake,
N6inoir3 ol tlie 0. lamil^, inolndinZ tlikir cori'L-
8p0N(l6Nc6 ^itk t1i6 U103t äi8tin^ui8ii6ä^6I'80UHZ63
0t tiisir tiN6 (2 Bde., Lond. 1841).
Eolman (spr. kohlmänn), Samuel, amerik. Ma-
ler, geb. 1833 zu Portland (Maine), bildete sich zu-
nächst als Autodidakt, dann unter A. B. Dur and
in Neuyork, besuchte 1860-62 Europa und machte
Studien in Paris und Rom. Nach der Heimkehr
wurde er Mitglied der Akademie in Neuyork (1862)
und gründete die Amerikanische Gesellschaft der
Aquarellisten (1866), deren Vorsitzender er bis 1871
war. C. lst hauptsächlich Landschaftsmaler. Von
seinen Gemälden sind hervorzuheben: Der Hudson,
Der Georgsee, Hafen von Sevilla, Andernach am
Rhein, Strahmscene in Caen, Partie aus den Adi-
rondacs (1870), Boote zur Ebbezeit in Antwerpen,
Nachmittag im Hafen von Algier (1877), Gibraltar,
Nebel in Venedig, und die Aquarellbilder: Cor-
dova, Spanisches Stiergefecht, Ansicht von Rom,
Venedig, Kathedrale in Durham, Kathedrale zu
Quimper in der Bretagne.
Colmar. 1) Kreis im Bezirk Oberelsaß, hat
663,49 hkiQ, (1890) 85489 (42800 männl., 42689
weibl.) E., darunter 3937 Militärpersonen, in 62 Ge-
meinden und zerfällt in die 5 Kantone Andolsheim,
C., Münster, Neubreisach, Winzenheim.
2) Hauptstadt des Bezirks Oberelsaß, des Kreises
C. und des Kantons C. (91,i8 ^m, 2 Gemeinden,
31795 ^16 098 männl., 15 697 weibl.^ E.), 16 km
westlich vom Rhein, an der Lauch, die hier den von
der Fecht abgeleiteten Logelbach aufnimmt, mit dem
Rhein-Rhöne-Kanal durch einen Zweigkanal (s. Col-
marer Zweigkanal) verbunden, am Fuße des Was-
Artitel. die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.