Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

618
Cuba
110000 r; säst die ganze Produttion von Melasse
gMF bisher nach den Vereinigten Staaten, doch ging
dieser Markt durch die MacKinleybill verloren.
Das zweite Stapelprodukt ist der Tabak, dessen
Produktion ebenfalls in steter Zunahme begriffen
ist. Seine Güte hängt sehr von der Lage der Pflan-
zungen (Vegas) und der Witterung ab. Der Ver-
brauch in C. selbst ist, da hier alle stände, Ge-
schlechter und Altersstufen leidenschaftlich rauchen,
ungeheuer und foll jährlich 1825 Mill. oder täglich
5 Mill. Cigarren betragen. Das beste wird im
voraus an bestimmte Häuser und Fabriken in Ha-
bana verkauft, sodaß es neuen Kunden und europ.
Fabrikanten schwer und meist unmöglich wird, die
ausgezeichnete Ware zu erlangen. Auch ist der
Käufer durchaus nicht vor Betrug gesichert. That-
sächlich wurden 1854 allein in Habana 264 Mill.
Cigarren von ausländischem (Portoriko) Tabak ge-
dreht, dagegen von der ganzen Insel nur 251333000
echte Cigarren ausgeführt. Die Tabaternte wird für
1889 auf 420000, für 1890 auf 300000 Ballen ge-
schätzt. Zur Ausfuhr kamen (1890) 197000 Ballen,
davon 142561 nach den Vereinigten Staaten. Die
Ausfuhr von Cigarren belief sich 1889 auf 250407,
1630 auf 211823 Mille (davon nach den Vereinig-
ten Staaten 135 858 und 122 316; nach Deutschland
31370 und 25461), diejenige von Cigaretten 1890
auf 39 Mill. Pakete, von geschnittenem Tabak auf
305000 ^F. Die Produltion litt 1890 unter ungün-
stiger Witterung; außerdem kamen für den Haupt-
abfatz, nach Nordamerika, die erhöhten Zölle der
MacKinleybill hinzu. Von Belang ist die Ausfuhr
von Honig nach Nordamerika und Deutfchland;
Wacbs, Häuten, Hölzern (Cedernholz nach Hamburg
und Bremen) und Schwämmen. Zur Einsuhr kom-
men, außer Manufakturen aller Art, besonders aus
England und Nordamerika, aber auch aus Deutsch-
land und andern europ. Ländern, hauptsächlich Nah-
rungsmittel, Spirituosen, Blcck- und Mctallwaren
und Bretter. Insgesamt wertete 1890 die Einsubr
294,3, die Ausfubr 310,2 Mill. M. Im Aug. 1891 bat
Spanien mit den Vereinigten Staaten einen Ver-
nag abgeschlossen, in welchem es, gegen dauernde
Zusicherung der in der MacKinleybill enthaltenen
Zollfreiheit für Zucker und andere wichtige Erzeug-
nisse der span. Antillen den amcrit. Erzeugnissen bei
der Einfuhr in C. und Portorilo bedeutende Zoll-
ermäßigungen zugestanden hat.
Bevölkerung und Verwaltung. Die auf einzelne
Landesteile zusammengedrängte Bevölkerung hat
sich seit Anfang des 19. Jahrh, um fast 1 Mill.
vermehrt. Sie beträgt (1887) 1631687 (882600
männl., 749 087 weivl.) E., darunter 528 798 Farbige
und zahlreiche Chinesen. Die Sklaverei wurde erst
1886 gänzlich aufgehobcn. C. zerfällt in 6 nach
den Hauptorten benannte Provinzen: Habana, Ma-
tanzas, Pinal del Rio, Puerto Principe, Sta.
Clara und Santiago de C. Hauptstadt, l^itz des
Generalgouverneurs und wichtigster Ausfuhrhafen
ist Habana ss.d.) mit (1887) 200448 E. Andere wich-
tige Häfen sind Matanzas, Cardenas, ^agua-la-
Grande, Nuevitas, Iibara, Baracoa, Manzanillo,
Casilda (der Hafen von Trinidad) und Cienfuegos.
Die Einnahmen und Ausgaben sind für 1893/94 mit
24,4 und 25,9 Mill. Pefos angesetzt; unter erstern
nehmen Zölle mit 11,3, unter letztern die allgemeinen
Staatsausgaden (Schuldzinsen) mit 12,5 Mill.Pesos
die erste Stelle ein. Kirchlich zerfällt die Insel in die
zwei erzbischöfl. Sprengel Habana und C. Die span.
Besatzung besteht aus 6 Regimentern Infanterie,
4 Iägerbataillonen, 3 Regimentern Kavallerie,
3 Batterien, insgesamt 19571 Mann; dazu Sicker-
heits- und Guerillacompagnien. Die Flotte zäblt
3 Kreuzer und 14 Kanonenboote mit 1332 Mann.
Verkehrswesen. Das Eisenbahnnetz umfaßt
1600 kiu. Die erste Linie von Habana nach Gua-
najay ist 1837 eröffnet. Zehn Jahre später war
schon ein zusammenhängendes Eisenbahnnetz vor-
handen ; im Süden führt eine Eisenbahn von Cien-
fuegos nach Sta. Clara, im Osten von Puerto Prin-
cipe nach Nuevitas. später wurden Eisenbahnen
eröffnet von Cardenas und Concha nach Aguada
und Esperanza bez. Encrucijada, von Casilda nach
Fernandez u. s. w. <^. auch Amerikanisches Eisen-
bahnwesen.) An Telegraphen waren 1892 3548 km
Linien und 167 Bureaus vorhanden, über den
Dampsschisfsverkehr s. Habana.
Geschichte. C. wurde 28. Okt. 1492 von Co-
lumbus entdeckt und von ibm Iuana benannt,
welcher Name sich jedoch so wenig als der später von
Velasquez ihr beigelegte, Fernandina, gegen
den einheimischen erhalten hat. Noch bei seinem
Tode hielt Columbus C. für einen Teil des amerik.
Festlandes, welche Ansicht erst 1503 durch die von
Sebastian Ocampio unternommene Umschiffung
widerlegt wurde. 1511 eroberte Diego Velasquez,
Gouverneur des Südwestteils Hispaniolas, des
heutigen Haiti, die Insel, gründete 1512 Baracoa
und binnen einigen Jahren noch fünf bis sechs an-
dere Städte, beförderte die Negereinfuhr, knüpfte
Verbindungen mit Mexiko an, erlangte die Würde
eines Generalkapitäns von C. und aller spätern
Eroberungen und batte schon 1520 die Insel in
einen blühenden Zustand gesetzt. Er starb 1524.
Auch seine Nachfolger waren bemüht, den Wohl-
stand des Landes zu heben, wozu besonders die
Schonung der Indianer beitrug. Unter Hernando
Soto, der 1539 die Statthalterschaft erhielt, wurden
diese jedoch bis 1560 vernichtet, wodurch die Blüte
des Landes einen empfindlichen Stoß erlitt. Nur
die glückliche Lage und der treffliche Hafen Habana
retteten die Kolonie vor dem Schicksal der übrigen
Antillen (s. Westindien) und erhielten Anbau und
Verkehr. Die alte Hauptstadt Santiago wurde von
den Wohlhabenden und Beamten verlassen und
gegen Habana vertauscht, welches man 1584 be-
festigte und 1633 zum Sitz eines eigenen Gouverne-
ments machte. Im Laufe des 17. Jahrh, litt C. stark
durch die Unternehmungen der Flibustier (s. d.).
Als die Regierung 1717 den Tabakhandel auf C.
zu ihrem Monopol erklärte, rief diese Maßregel
eine Reihe von Aufstanden hervor, die jedoch über-
wältigt wurden. Die Folge des Monopols war,
daß der Schleichhandel der Cubauer mit dem brit.
Jamaika so zunahm, daß sich die span. Regierung
genötigt sah, hiergegen mit Gewalt zu kämpfen,
wobei sie oft in Streitigkeiten mit den Engländern
geriet. Endlich that sie einen vermittelnden Schritt,
indem sie das Tabakmonopol einigen Kaufleuten
von Cadiz übergab. In dem franz.-engl. Kolonial-
krieg, an dem Spanien auf franz. Seite teilnahm,
unternahmen die Engländer 1762 mit 44 Kriegs-
schiffen und 12-16000 Mann einen Zug gegen
Habana, defsen Gouverneur, Juan de Praoo Porto-
Carrero, sich nach einmonatiger Gegenwehr 13. Aug.
ergeben muhte. Die Engländer nahmen Besitz von
i Stadt und Umgegend, gaben den Verkehr frei, ver-
tauschten jedoch die Eroberung im Frieden zu Paris
Artikel, die man unter E vermißt, sind unter K aufzusuchen.