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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Czeremosz; Czermak; Czerna Gora; Czernagora; Czernawoda; Czernebog; Czernhausen; Czernowitz

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Czeremosz - Czernowitz

gierungsrat 8. Sept. 1660 zu Wohlau. C. war ein fruchtbarer und begabter patriotischer Dichter, dessen Dichtungen freilich nur zum kleinsten Teile gedruckt sind, so: das Drama "Pieris" (1636), "Rede aus seinem Grabe" (Bresl. 1660), "Sieben-Gestirne Königlicher Buße" (Brieg 1671) u. a. Sehr viel reichhaltiger ist sein handschriftlicher, in Breslau aufbewahrter Nachlaß, darin das Lehrgedicht "Corydon und Phyllis", religiös mystische Dichtungen und satir. Epigramme. - Vgl. Palm, Beiträge zur Geschichte der deutschen Litteratur des 16. und 17. Jahrh. (Bresl. 1877).

Czeremosz (spr. tschéremosch, Czeremotz), rechter Nebenfluß des Pruth, entsteht aus dem unweit der ungar. Grenze in den Karpaten entspringenden Bialy C. (d. i. Weißer C.) und Czarny C. (d. i. Schwarzer C.), bildet fast in seinem ganzen Laufe (135 km) die Grenze zwischen Galizien und der Bukowina, ist sehr fischreich und mündet unterhalb Sniatyn.

Czermak, Gustav, Mineralog, s. Tschermak.

Czermak (spr. tscher-), Jaroslaw, Maler, geb. 1. Aug. 1831 zu Prag, studierte seit 1847 auf der dortigen Akademie unter der Leitung von Christ. Ruben, lebte seit 1858 meist in Paris und starb daselbst 23. April 1878. Seine erste Komposition war: Marius auf den Trümmern von Karthago, welcher als zweite: Die Ermordung der Begleiter Wallensteins in Eger, folgte. C. bildete sich dann weiter an der Akademie zu Antwerpen und später in Paris unter Robert Fleury. Das erste dort gemalte größere Bild: Slowenische Auswanderer (im Besitz des belg. Königs) erregte lebhaftes Interesse. Bald darauf gewann er den von Prag ausgeschriebenen Preis mit seinem Karton: Die Hussiten treten mit Prokop in das Baseler Konzil ein. 1850 entstand als Frucht einer Reise in der Normandie das Bild: Normann. Fischer im Kahn die Bibel lesend. Eine ungar. Reise veranlaßte das Bild: Der ungar. Sauhirt (1854; im Leipziger Museum), Der schlafende Flscherknabe (1855; Galerie zu Schwerin). Insbesondere ist es aber die südslaw. Welt, aus der C. Stoffe für seine Gemälde nahm, nachdem er 1858 eine Reise durch Mähren, Ungarn, Kroatien, die Herzegowina, Dalmatien und Montenegro gemacht und reiches Material an Trachten und Volkstypen gesammelt hatte. So entstanden: Die Montenegrinerin mit einem schlafenden Kinde (1861), Die Montenegrinerin mit dem Gewehr vor einer Höhle, in welcher ihr Mann verwundet liegt, Wacht haltend. Voll Leben und Bewegung ist sein Bild: Baschi-Bozuks rauben eine Herzegowinerin (1867; Museum zu Brüssel).

Czermak (spr. tscher-), Joh. Nepomuk, Physiolog, Bruder des vorigen, geb. 7. Juni 1828 zu Prag, studierte zu Wien, Breslau und Würzburg Medizin und ward dann zu Prag Assistent am physiol. Institut, auch habilitierte er sich daselbst als Privatdocent für Physiologie und mikroskopische Anatomie. Er wurde 1855 Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie in Graz, 1856 Professor der Physiologie in Krakau, 1858 in gleicher Eigenschaft nach Pest berufen. Wie an der Krakauer Hochschule, so gründete er auch hier ein physiol. Institut. Im Herbst 1860 legte er jedoch in Pest seine Professur freiwillig nieder und wandte sich wieder nach Prag, wo er seitdem als Privatgelehrter lebte, bis er im Frühjahr 1865 als Professor der Physiologie an die Universität zu Jena berufen wurde.

1869 siedelte er nach Leipzig über, wo er auf eigene Kosten ein Laboratorium sowie den ersten zu Demonstrationsvorlesungen geeigneten Hörsaal erbaute und Vorlesungen über Experimentalphysiologie hielt. Er starb 16. Sept. 1873 in Leipzig. Die ärztliche Wissenschaft verdankt C. die Einführung und Anwendung des Kehlkopfspiegels zu diagnost. und physiol. Zwecken und die durch den Kehlkopfspiegel ermöglichte lokale Behandlung der Nasen- und Kehlkopfkrankheiten. Er schrieb: "Der Kehlkopfspiegel und seine Verwertung für Physiologie und Medizin" (Lpz.1860; 2. Aufl. 1863) und "Populäre physiol. Vorträge" (Wien 1869). Seine "Gesammelten Schriften" (2 Bde., Lpz. 1879) enthalten eine von A. Springer verfaßte biogr. Skizze.

Czerna Gora (Czerna hora, spr. tscher-, d. h. schwarzer Berg), höchste Erhebung in den Marmaros-Karpaten, an der Grenze Ungarns gegen die Bukowina, erreicht im Hoverla 2058 m Höhe. An seiner Ostseite entspringt der Pruth. An seinem Abhange eine Mineralquelle, ein sehr tiefer See und das Dorf Zabie (s. d.).

Czernagora, richtiger Crnagora (s. d.).

Czernawoda (spr. tscher-), rumän. Dorf, s. Trajanswall.

Czernebog (spr. tscher-), s. Slawische Mythologie.

Czernhausen (spr. tschern-), Freiherr von, österr. Statistiker des 19. Jahrh., s. Czörnig, Karl.

Czernowitz (spr. tscher-). 1) Bezirkshauptmannschaft (ohne die Stadt C.) in der Bukowina, hat 913,26 qkm und (1890) 91 237 (45 886 männl., 45 351 weibl.) E., darunter 137 Evangelische, 5837 Katholiken, 71 710 Griechisch-Orientalische und 10822 Israeliten, 18 304 bewohnte und 704 unbewohnte Gebäude und 21 416 Haushaltungen in 42 Gemeinden mit 66 Ortschaften und 24 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke C. (Umgebung) und Sadagora. - 2) C., rumän. Cernăuz, Stadt mit eigenem Statut und Hauptstadt der Bukowina sowie Sitz der Bezirkshauptmannschaft C., in 248 m Höhe, an und auf einer Anhöhe am flößbaren Pruth, über den eine Eisenbahn- und eine Straßenbrücke führen, an den Linien Lemberg-C.-Suczawa (354 km) der Lemberg-C.-Jassy-Bahn und C.-Nowosielica (33 km) der Bukowinaer Lokalbahnen, beide im Betriebe der Österr. Staatsbahnen, ist Sitz der Landesregierung und des Landtages der Bukowina, eines Landesgerichts, einer Finanzdirektion, eines griech.-orient. Erzbischofs und Metropoliten, einer Handels- und Gewerbekammer, einer Postdirektion, je eines städtischen Bezirksgerichts für Civil- und Strafsachen und eines Bezirksgerichts für den Landbezirk (18 Gemeinden, 8 Gutsgebiete, 39 324 meist ruthen. E.), der 59. Infanteriebrigade, des 13. Landgendarmeriekommandos und einer Geniedirektion, und hat ein Weichbild von 57,65 qkm sowie (1890) 54 171 E. (27 256 Deutsche, 10 384 Ruthenen, 7624 Rumänen, 7610 Polen), darunter 17 356 Israeliten; in Garnison (2174 Mann) das 41. bukowinasche Infanterieregiment "Erzherzog Eugen" und eine Eskadron des 9. galiz.-bukow. Dragonerregiments "Freiherr von Piret"; Post und Telegraph. Die Zahl der Ehen betrug (1888) 447, der Sterbefälle 1787. Unter den Gebäuden ragt die erz-^[folgende Seite]

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