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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dampffähre - Dampfhammer
mindesten zu berühren. Um eine ähnliche Klang-
wirkung anf dem Hörne zu erreichen, bedient man
sich einer hohlen, meist mit Tuch überzogenen Kugel
von Pappe, an der sich ein offener Schlauch befin-
det, der in den untern Teil des Horns zunächst der
Stürze paßt. Durch das Einschieben dieses D. er-
hält das Horn den Ton, als ob es aus weiter Ent-
fernung vernommen würde. Der D. für die Trom-
pete besteht aus einer kleinen hölzernen Röhre, die
in die Stürze geschoben wird; sie giebt dem In-
strument nicht allein einen schwächern und von dem
gewöhnlichen Trompetentone ganz verschiedenen
Klang, sondern verursacht auch, daß das Instrument
um einen ganzen Ton höher steht. Die mit einer
Stürze versehenen Blasinstrumente von Holz, z. B.
die ^boe, Klarinette u. s. w., werden vermittelst
eines feuchten Schwamms oder zusammengeballter
roher Baumwolle, und die Schlaginstrumente, z. B.
die Pauke, Trommel u. s. w., durch ein auf das ge-
spannte Fell gelegtes Tuch gedämpft, über die
Vorrichtung der Dämpfung der Metallsaiten auf
dem Pianoforte und ähnlichen Tasteninstrumenten
s. Pianoforte. Die Stelle eines Tonstücks, wo
D. angewendet werden, wird mit con soräini, wo
sie wieder wegfallen sollen, mit 86N23, Zordini oder
8i Isvano i 8oi-<Iini angedeutet.
Dampffähre, s. Fähre.
Dampffarben, in der Zeugdruckerei solche Far-
ben, welche im verdickten Zustand auf die gebeizten
Zeuge gedruckt und durch Dämpfen befestigt werden.
In manchen Fällen werden D. dadurch erzeugt, daß
man Farbstoffe, z. B. Alizarin, mit einem Metall-
salze (Aluminiumacetat, Zinnchlorid) auf das Ge-
webe druckt und diefes sodann in einem geschlossenen
Kasten der Wirkung des Dampfes aussetzt, wobei
das Metallsalz sich in Oxyd oder basisches Salz um-
setzt, auf der Fafer niedergeschlagen wird und als
Mordant die Farbe fixiert.
Dampfgeschütze und Dampfgewehre. Nach-
dem der Wasserdampf als bewegende Kraft bei
Maschinen eine Bedeutung erlangt hatte, lag der
Gedanke nahe, diese Kraft für die Bewegung der Ge-
schosse auszunutzen. Versucbe wurden bereits Mitte
des 18. Jahrh, in London ausgeführt und im Anfange
des 19. Jahrh, von I. Watt wieder aufgenommen.
1814 konstruierte der franz. General Girard eine
Dampfmitrailleufe, die zur Verteidigung von Paris
aufgestellt, aber nicht verwendet wurde. Der Eng-
länder Pertins konstruierte 1824 ein Dampfgewehr,
wclckes 420 Kugeln in der Minute forttrieb, fowie
späterhin eine vierpfündige Dampfkanone, die 80
Kugeln in der Minute fchleuderte. Versuche der
franz. Artillerie zu Vincennes 1828/29 ergaben die
große Schwerfälligkeit einer derartigen Mafchine
fowie die Unsicherheit des Schusses. Auch H. Bes-
semcr schlug ein Dampfgewehr vor, das mehrere
Taufend Schuh in einer Minute feuern follte, von
dem aber späterhin nichts mehr verlautete. Nach
allen Erfahrungen gilt es als unmöglich, eine ge-
nügende Dampfmenge von gleichmäßig hoher Span-
nung mit Sicherheit zu entwickeln und zuzuleiten.
Dem Gebrauch einer Dampfwaffe mußte jedesmal
die zeitraubende Erzeugung des Dampfes vorber-
geben (Anheizen). Die Anwendung des Dampfes
könnte, wie ersichtlich, nur bei geschützähnlichen Vor-
ricktungen und auch hier wieder nur in dauernden
Stellungen stattfinden, die Hauptvorteile, die große
Feuergeschwindigkeit und die billige Erzeugung der
Treibkraft, fallen indes gegenüber den Nackteilen
Vrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. IV.
fo wenig ins Gewicht, daß die Einführung eines
von den Pulverwaffen so wesentlich verschiedenen
Systems neben diesen wohl kaum Aussicht auf Ver-
wirklichung haben dürfte.
Dampfgummi, s. Dextrin.
Dampfhammer, eine Verschmelzung von
Dampfmaschine, Hammer und Amboß, in der
Negel von folcher Ausführungsform, daß auf die
Erzeugung einer rotierenden Bewegung Verzicht
geleistet, der Hubwechfel des Kolbens also ohne
Mitwirkung eines Schwungrades durch den Steue-
rungsapparat allein herbeigeführt wird. Die erste
Idee, den Dampf zum Betriebe großer Hämmer in
ganz direkter Weise zu benutzen, hat James Watt
in seinem engl. Patent vom 28. April 1784 ausge-
sprochen; dieselbe wurde durch William Deverell
(1806), später durch Nasmyth in Patricroft (1838)
weiter ausgebildet, und kam 1842 durcb Vourdon
und Schneider in Creusot zum erstenmal zu prak-
tisckcr Ausführung. Die Herstellung besonders
großer Schmiedestücke, wie sie die in den drei-
ßiger Jahren zu hoher Entwicklung gelangende
Dampfschiffahrt erforderlich machte (Kurbelwellcn,
Kolbenstangen), hatte die Notwendigkeit ungewöhn-
lich schwerer Maschinenhämmer von großer Fallhöhe
herbeigeführt und die Verwendung des Dampfes,
der von lokalen Beschränkungen frei ist, angezeigt.
Die ersten D. waren einfach wirkend, wie der
auf Tafel Dampfhammer I abgebildete Niesen-
dampfhammer des berühmten Eisenwerkes Schnei-
der & Co. in Creusot. Diese Konstruktionsform,
gewöhnlich mit Nasmyth-Hammer bezeichnet,
hat folgende Einrichtung. Der durch das Rohr 15
eintretende Betriebsdampf gelangt zunächst, bei ge-
öffnetem Einlaßventil, unter den im Dampfcylinder
a beweglichen Kolben und hebt diesen samt der
Kolbenstange ä und dein an dieser befestigten Ham-
merklotz (Bär) 6, der mit einem stählernen Unter-
teil (Bahn) l versehen ist, in die Höhe. Soll ein
Schlag ausgeführt werden, fo läßt man den Dampf
unter "gleichzeitigem Abschließen des Eintrittsven-
tils durch Öffnung des Austrittsventils in das
Austrittsrohr ^ entweichen, wodurch der Hammer-
bär l durch fein eigenes Gewicht auf den Amboß
^ niederfällt. Das Steuern (Öffnen und Schließen)
der Ventile geschieht durch den bei c stehenden Ar-
beiter (Hammerführcr) mittels eines Hebels, der
durch eine lange Stange mit den bei d befindlichen
Ventilen verbunden ist. Der Amboß F ruht auf der
Chabotte 1i, die ihrerseits auf hölzernen Bohlen-
lagen i gebettet und auch feitlich von Bohlen um-
geben ist (s. Chabotte). Das Gestell des Hammers
ist durch kräftige Anker 1c mit der Nntermauerung
verbunden. Die Hauptgrößenverhältnisse dieses D.
sind folgende: Höhe des D. von der Sohle bis zum
obern Cylinderdeckel 18 in; Höhe der Chabotte
6 m; Gewicht des Hammerbärs 1600 Ctr.; Ge-
wicht der Chabotte 17 200 Ctr.; Gesamtgewicht
des Hammers 25 680 Ctr. Der große einfachwir-
kende D. bei Krupp in Essen hat ein Bärgewicht
von 1000 Ctr., der neue D. der Iron (^oiuMN)'
zu Bethlehem lPennsylvanien) ein solches von
2270 Ctr. - Eine andere Art der einfachwirken-
den D. ist der Condie-Hammer (s. umstehende
Fig. 1); bei dieser Bauart ist die hohl ausge-
führte Kolbenstange 3 in den obern Gestellteilen X
befestigt, während der Dampfcylinder ^, der mit
der Hammerbahn II verbunden ist, das Fallgewicht
vertritt und auf folgende Weise bewegt wird. Wird
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