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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dampfmaschine
Durch diese Bewegung bewirkt der Schieber die sog.
Dampfvert eilung, indem erdienach dem Dampf-
cylinder ^ führenden Kanäle o und ä abwechselnd
1) für den Dampfzutritt öffnet, 2) abschließt, 3) mit
dem Raum 3 verbindet, aus dem der Dampf durch
das Austrittsrohr i- entweicht, 4) wieder schließt.
(Näheres überdieDampfverteilungs.unten,S.739a.)
Durch diese Dampfverteilung bewegt der Dampf
den Kolben N im Cylinders auf und ab, und diese
geradlinige Bewegung wird durch diemitderKolben-
stange mittels des^Kreuzkopfes 15 verbundene Pleuel-
stange ? in die drehende Bewegung des Kurbel-
zapfens H umgewandelt, wodurch die Welle, auf der
das Schwungrad x sitzt, in Umdrehung versetzt wird.
Von dieser drebenden Welle wird die von dem Dampf
geleistete Arbeit mittels Riemenscheibe oder sonstiger
Transmissionsteile auf die betreffende Arbeits-
maschine übertragen. Das Schwungrad x bewirkt,
daß die Drehung der Welle eine gleichförmigere wird.
In anderer Weise sorgt für den gleichmäßigen Gang
der Mafchine der mit Regulator benannte Mechanis-
mus a. Wird nämlich der gleichmäßige Gang der
Maschine z. B. dadurch gestört, daß sie plötzlich weni-
ger Arbeitsmaschinen zu treiben hat, als beim nor-
malen Arbeitsgang, so fängt sie an, schneller zn
gehen, da sich der Widerstand verringert hat. Da-
durch drehen sich aber auch die Schwungkugeln des
Regulators, der von der Welle durch konische Räder
in Umdrehung versetzt wird, in demselben Verhältnis
schneller; die Folge davon ist, daß sich die Arme v
der Kugeln vermöge der wachsenden Centrifugal-
kraft heben und auch den Wulst Ii in die.höbe ziehen;
dadurch bebt sich auch eine Gabel, die in die ring-
förmige Nut des Wulstes eingreift und die dünne
Stange d emporzieht, die ihrerfeits durch Drehung
der kleinen, im Dampfzuströmungsrohr ^ sitzenden
Drosselklappe das Rohr etwas verengt. Dies hat
zur Folge, daß die Maschine weniger Dampf be-
kommt und daher nun wieder langfamcr läuft, wo-
durch die Störung des gleichmäßigen Ganges felbst-
thätig ausgeglichen ist. Bekommt die Maschine wie-
der mehr zu arbeiten, so verringert sich durch das
Wachsen des Widerstandes die Geschwindigkeit, die
Schwungkugeln des Regulators senken sich, die
Drosselklappe dreht sich entgegengesetzt wie vorhin
und läßt mebr Dampf durch N, wodurch die Ge-
schwindigkeit wieder steigt. Außer dem Schieber
und dem Regulator wird durch ein Excenter c noch
die Speisepumpe 0, die den Dampfkessel mit Wasser
versorgt, von der Maschine selbst bewegt.
Gegenüber dieser vertikalen oder stehenden Anord-
nung, deren äußere Ansicht Taf. II, Fig. 2 giebt,
hat man feit längerer Zeit meist der liegenden
Konstruktion den Vorzug gegeben, von der ein
Beispiel durch Taf. I, Fig. 1 gegeben sei. Bei
dieser liegenden Anordnung verbindet der Nahmen
oder Balten a (hier Corliß-Nahmen) den Cylinder
mit der Kurbelwelle. Die Kolbenstange d trägt an
ihrem vordern Ende den Kreuzkopf, welcher in dem
cylindrisch ausgebohrten Teile des Corliß-Rahmens
gleitet. Vom Kreuzkopf aus führt die Pleuelstange c
zum Kurbelzapfen ä der Kurbel 6, die auf der
Schwungradwelle oder Kurbelwelle k sitzt, die direkt
hinter der Kurbel durch das Kurbellager oder Haupt-
wellenlager F gehalten wird, das in den vordern
Teil des Corliß-Balkens eingebaut ist. Auf der Welle
ist das Scbwungrad zu erkennen, von dem aus in
neuerer Zeit die Maschinenarbeit nach der Trans-
mission geleitet wird und zwar durch Riemen oder
Seile,dem entsprechend das Schwungrad als Riemen-
oder Seilscheibe auszubilden ist. Die Kolbenstange d
ist durch den hintern Cylinderdeckel hindurchgeführt
und am Ende durch ein Gleitstück Ii nochmals unter-
stützt, welches auf einer an den Cylinderdeckel ange-
fchraubten und hinten von einer Säule getragenen
Gleitbahn sich bewegt. Durch einen Zwischenhebel i
steht das Ende der Kolbenstange mit demjenigen
Hebel in Verbindung, durch den die unter dem Fuß-
boden des Maschinenhauses aufgestellte Konden-
fatorpumpe angetrieben wird. Der Regulator K
wirkt hier nicht auf eine Drosselklappe des Dampf-
einströmungsrohres, sondern auf die Steuerung
direkt ein. ^iehe über diefe Einzelteile auch die be-
treffenden ^pecialartikel.
Einteilung und Benenuung. Die D. zerfallen
in zwei Gruppen: folche, bei denen der Kolben
im Cylinder in eine (fast ausnahmslos gerad-
linige) hin und her gehende Bewegung umgewan-
delt wird, und solche, bei denen der Kolbens direkt
mit der zu treibenden Welle fest verbunden, eine
rotierende Bewegung ausführt, die rotieren-
den D. Die erstern sind die allein wichtigen: trotz
vielfacher Verfuche ist es noch nicht gelungen, eine
rotierende Maschine zu konstruieren, welche nur an-
nähernd an Güte den Maschinen der ersten Art
gleichkäme. Im folgenden follen zunächst die Ma-
schinen mit hin und her gehenden Kolben betrachtet
und zum Schluß noch die rotierenden Maschinen
angeführt werden. Nach der Aufstellungsart unter-
fcheidet man stati 0 näre Maschinen, die fest mit
einem Fundament verbunden an einem bestimmten
Orte aufgestellt sind und, bei denen der Kessel meist in
einem besondern Raume, dem Kesselhause, von der
Maschine getrennt untergebracht ist, und Lokomo-
bilen, die samt Kessel auf einem Rädergestell auf-
gebaut, von einem Orte zum andern transportiert
und jeweilig in Betrieb genommen werden können.
Den Übergang von den stationären D. zu den Lokomo-
bilen bilden die Halblokomobil en und die trän s-
portabeln D., lokomobile D. ohne Rädergestell,
wobei Kessel und Maschine zu einem Ganzen vereinigt
sind. Ist ferner Kessel und Maschine auf einem
Fahrgestell aufgebaut, erfolgt aber die Fortbewegung
durch die Mafchine selbst und ist dieser Transport
der Maschine und weiter angehängter Wagen an
sich Zweck der Maschine, so heißt sie Lokomotive.
Eine besondere Klasse, dieSchiff s m afchinen, bil-
den endlich die Vetriebsdampfmafchincn für Dampf-
schiffe (Schrauben- und Raddampfer). In betreff der
Lokomobilen und transportabeln D. f. Lokomobile,
in betreff der Lokomotiven und Schiffsmaschinen s.
Lokomotive und Dampfschiff. Durch ihre Anordnung
unterscheiden sich dieD. in liegende und stehende
Maschinen, je nachdem die Achse des Dampfcylinders
horizontal oder vertikal gerichtet ist. Bei den stehen-
d en Maschinen kann dabei der Dampfcylinder unter-
halb der Kurbelwelle liegen (wie bei den ältern B 0 ck-
und Säulenmaschinen u. s. w.und den jetzt noch
gebräuchlichen kleinern Wand 0 ampf m aschinen),
oder die Kurbelwelle liegt nahe dem Fußboden unten
und der Cylinder ist auf Ständer (Ständerma-
schine) resp. Säulen gestützt über ihm angeordnet
(wie bei den in den letzten Jahren sich mehr verbreiten-
den, den Hammermaschincn der Dampfer nachgebil-
deten Betriebsmaschinen für Fabriken, elektrische Be-
leuchtungsanlagen u. s. w.). Seltener ist die geneigte
Lage der Dampfcylinderachse, wie sie bei Dampfwin-
den und bei Raddampfer- und kleinen Scbrauben-