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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dante Alighieri

und eine Wölfin, meist als die Symbole der Unkeuschheit, des Stolzes und des Geizes gedeutet. Wie der Dichter, von der Wölfin bedrängt, zur Tiefe zurückkehrt, erscheint ihm der Schatten Virgils, das Symbol der irdischen Leitung des Menschen, und führt ihn durch die Hölle und das Fegefeuer, wo er die ewigen und die zeitlichen Strafen der Sünde anschaut, bis zu den lichten Höhen des irdischen Paradieses, wo Beatrice, das Symbol der geistlichen Leitung des Menschen, den geläuterten Dichter unter ihre Leitung nimmt und ihn durch die neun Himmel zur Region der ewigen Seligkeit und zur Anschauung der Gottheit führt. Auf der langen Wanderung nimmt der Dichter Anlaß, anknüpfend an die Personen, denen er begegnet, an die Gespräche mit denselben und mit seinen Führern, die Mythologie und die Geschichte, namentlich die ital. Zeit- und Lokalgeschichte, sowie die tiefsten Fragen der Philosophie und der Theologie, der Scholastik und der Mystik zu besprechen, sodaß das Werk in seiner großartigen Universalität ein Gemälde der Zeit des Dichters nach allen Richtungen hin geworden ist. Er selbst hat es einfach Commedia genannt, damaligem Brauche entsprechend, wonach jede größere Dichtung, die glücklich endete, Komödie genannt wurde, mochte übrigens ihr Inhalt auch noch so ernsten Charakters sein. Das Beiwort divina (göttlich) hat erst die bewundernde Nachwelt hinzugefügt. Das Gedicht besteht aus drei Teilen: Hölle, Fegefeuer und Paradies; jeder Teil hat 33 Gesänge; voran steht ein einleitender Gesang, sodaß es im ganzen 100 Gesänge sind mit 14233 Versen, von denen 4720 auf die "Hölle", 4755 auf das "Fegefeuer" und 4758 auf das "Paradies" kommen. In Bezug auf Gedankentiefe, Großartigkeit der Phantasie, Reichtum und Schönheit der Bilder, Universalität des Charakters, Schönheit der Sprache und Prägnanz des Stiles steht dieses in Terzinen gedichtete Werk in der gesamten Weltlitteratur ganz einzigartig da, viel bewundert, viel verbreitet, viel erklärt, aber wenig gelesen und noch weniger verstanden.

Ausgaben. Die "Göttliche Komödie" ist seit 1472 nahezu ein Halbtausendmal im Original gedruckt worden und gegenwärtig erscheinen davon in Italien alljährlich mindestens ein Halbdutzend neue Ausgaben. Aus dem 15. Jahrh. sind 15, aus dem 16. 30, aus dem 17. 3, aus dem 18. 31, und aus dem 19. bereits nahe an 300 Ausgaben bekannt. Die bemerkenswertesten sind: Aus dem 15. Jahrh.: die vier ersten, von Foligno, Jesi, Mantua und Neapel (1472-75), äußerst selten, aber mit diplomat. Treue reproduziert von Lord Vernon (Le prime quattro ediz. della Divina Comedia, Lond. 1858), die Vindeliniana (Vened. 1477), die Nidobeatina (Mail. 1477-78) und die erste Florentiner (1481). Aus dem 16. Jahrh.: die beiden Aldinen (Vened. 1502 u. 1515), die Giuntina (Flor. 1506) und die der Crusca (ebd. 1595). Die drei Ausgaben des 17. Jahrh. sind wertlos. Aus dem 18. Jahrh.: Cominiana (3 Bde., Padua 1726-27), die Zattasche Prachtausgabe (4 Bde. mit 112 Kupfertafeln, Vened. 1757-58), die erste Lombardische (3 Bde., Rom 1791) und die Dionisische (3 Bde., Fol., Parma 1795). Aus dem 19. Jahrh.: von Poggiali (4 Bde., Livorno 1807), von De Romanis (Rom 1810; 1815-17 u. 1820), Áncora (4 Bde., Fol., mit 125 Kupfertafeln, Flor. 1817-19), Paduaner (5 Bde., Padua 1822), zweite Crusca (2 Bde., Flor. 1837), Witte (Berl. 1862), sowie mehrere Ausgaben mit Kommentaren. Bemerkenswert die dem Format nach größte (Mail. 1809, 3 Bde., Fol., 57 cm lang und 38 cm breit) und kleinste (ebd. 1878, 1 Bd., 5 1/2 cm lang, 3 1/2 cm breit).

Übersetzungen. Die "Göttliche Komödie" ist in alle gebildeten Sprachen, ins Hebräische, Griechische und Lateinische, sowie in mehrere Dialekte übersetzt worden, in einigen Sprachen, wie ins Französische und Englische, von 12 bis 20 verschiedenen Übersetzern. Deutschland besitzt gegenwärtig 18 vollständige Übersetzungen des Gedichts, wozu noch 6 Übersetzungen der "Hölle" allein, eine, welche "Hölle" und "Fegefeuer" umfaßt und eine nicht geringe Zahl von Übersetzungen einzelner oder mehrerer Gesänge kommen. Die besten reimlosen Übersetzungen sind die von Philalethes (König Johann von Sachsen; 3 Bde., Lpz. 1839-49; neue verbesserte Aufl., 3 Bde., ebd. 1865-66; nach dieser 4. Abdruck, 3 Bde., ebd. 1891), Blanc (Halle 1864), Witte (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1876), Kopisch-Paur (Berl. 1882) und Bertrand (Heidelb. 1887-91, bis jetzt nur "Hölle" und "Fegefeuer" umfassend). Unter den gereimten Übersetzungen ragen hervor diejenigen von Kannegießer (3 Bde., Lpz. 1809-21; 5. Aufl., 3 Bde., ebd. 1873), Streckfuß (3 Bde., Halle 1824-26; 9. Aufl., Braunschw. 1871; neu bearb. von Roquette, neue Ausg. Stuttg. 1893), Krigar (3 Bde., Berl. 1870), Bartsch (3 Bde., Lpz. 1877), Notter (2 Bde., Stuttg. 1871-72) und Gildemeister (Berl. 1888). Unter den partiellen Übersetzungen zeichnen sich durch eigentümliche Vorzüge aus diejenigen der "Hölle" von Karl Graul und Julius Braun (erschöpfende Auskunft über alle deutschen Übersetzungen, sowie über die gesamte deutsche Dante-Litteratur bei Scartazzini, D. in Germania, 2 Bde., Mail. 1881-83).

Kommentare. Die außerordentliche Gedrängtheit der Sprache, hin und wieder auch die Altertümlichkeit oder Eigentümlichkeit der Ausdrucksweise, namentlich aber die Fülle histor. Beziehungen, sowie die darin niedergelegte theol. und philos. Gelehrsamkeit machen das große Gedicht dem Laien ziemlich schwer verständlich. Daher hat die Arbeit der Auslegung sofort nach dem Tode des Dichters begonnen und wird gegenwärtig eifriger als jemals getrieben. Die bedeutendsten Kommentare zur Divina Commedia aus dem 14. Jahrh, sind der um 1324 geschriebene des Graziolo de' Bambaglioli (hg. von Fiammazzo, Udine 1892); der ungefähr gleichzeitige, eines unbekannten Autors (hg. von Selmi, Tur. 1865), beide nur die "Hölle" umfassend; wichtiger: Petrus Dantis (hg. von Vernon, Flor. 1845), Jacopo della Lana (in den erwähnten Ausgaben Vindeliniana und Nidobeatina; neue Ausg. von Scarabelli, Mail. 1865 und 3 Bde., Bologna 1866), der sog. Ottimo (hg. von Torri, 3 Bde., Pisa 1827-29), Boccaccio (beste Ausg. von Milanesi, 2 Bde., Flor. 1863), Benvenuto Rambaldi aus Imola (hg. von Vernon, 5 Bde., ebd. 1877), Francesco da Buti (hg. von Giannini, 3 Bde., Pisa 1858-62) und der etwas problematische des Florentiner Anonymus (hg. von Fanfani, 3 Bde., Bologna 1866-74). - Aus dem 15. Jahrh.: Joh. da Serravalle, Bischof von Fermo (hg. auf Veranlassung des Papstes Leo XIII. von Civezza und Domenichelli, Prato 1891), Bargigi (hg. von Zacheroni, Marseille 1838), Landino (Flor. 1481, seither öfters gedruckt) und Stefano Talice da Ricaldone (hg. im Auftrag des Königs Umberto I. von Promis und Negroni, Tur. 1866 und 3 Bde., Mail. 1888). - Aus dem 16. Jahrh.: