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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Davy - Dax

(der Löser des Rätsels der Sphinx), d. h. ich kann es nicht erraten, nicht verstehen, ein lat. Sprichwort aus Terenz’ Lustspiel «Andria» (Akt 1, Scene 2).

Davy (spr. dehwĭ), Sir Humphry, engl. Chemiker und Physiker, geb. 17. Dez. 1778 zu Penzance in Cornwall, wurde Assistent des Naturforschers Beddoes in Bristol. Infolge seiner Untersuchungen über die Natur und die Wirkungen des Einatmens der Gase wurde er 1799 an die Spitze der Pneumatic Institution in Clifton gestellt, welche die Bestimmung hatte, praktische Experimente über den Einfluß der verschiedenen Gasarten vorzunehmen,wobei er die berauschende Eigenschaft des Stickoxyduls, des Lust- oder Lachgases, entdeckte. 1801 verlieh ihm das Französische Institut für seine Arbeiten über den Galvanismus die Napoleonsmedaille. Bald darauf kam er als Professor der Chemie an die Royal Institution nach London. In das J. 1807 fällt seine Entdeckung der Alkalimetalle, des Kaliums und Natriums, die einen Wendepunkt in der Lehre von den chem. Elementen bedeutet. Im folgenden Jahre (1808) zeigte er, daß die alkalischen Erden Baryt, Kalk, Strontian, Magnesia Metalloxyde seien, die sich, ebenso wie die Alkalien, unter Anwendung des galvanischen Stroms zerlegen lassen. In dieselbe Zeit fällt die wichtige Erkennung des Chlors als einfachen Körpers, die Entdeckung, daß die Salzsäure eine Verbindung von Chlor und Wasserstoff sei, wodurch die ältere Anschauung, nach welcher alle Säuren Sauerstoff enthaltende Verbindungen seien, gestürzt wurde. Seine weltberühmte Erfindung der nach ihm benannten Sicherheitslampe für Kohlenbergwerke fand im Herbst 1815 statt (s. Bergbau, Bd. 2, S. 762 a). 1820‒27 war er Präsident der Royal Society. Er starb 29. Mai 1829 zu Genf. Die wichtigsten Schriften D.s sind: «Chemical and philosophical researches, chiefly concerning nitrous oxid ^[richtig: oxide] and its respiration» (Lond. 1800) und die beiden ausgezeichneten Lehrbücher: «Elements of chemical philosophy» (ebd. 1812; deutsch von Wolf, Berl. 1820) und «Elements of agricultural chemistry» (Lond. 1813). Seine vielseitige Geistesbildung zeigte sich sowohl in seinen wissenschaftlichen Leistungen wie in zwei Erzeugnissen seines spätern Lebens, den anonym erschienenen geistreichen Dialogen «Salmonia, or days of fly-fishing» (4. Ausg., Lond. 1851; deutsch von Neubert, Lpz. 1840) und den nach seinem Tode erschienenen «Consolations in travel, or the last days of a philosopher» (5. Aufl., Lond. 1851; deutsch von Martius, Nürnb. 1833). – Vgl. Paris, Life of Sir Humphry D. (2 Bde., Lond. 1831), sowie die von seinem Bruder John D. (der gleichfalls als Chemiker einen Namen hat) herausgegebenen Memoirs of the life of Sir Humphry D. (2 Bde., ebd. 1836; deutsch von Neubert, 4 Bdchn., Lpz. 1840) und Fragmentary remains, literary and scientific, of Sir Humphry D. (Lond. 1859).

Davyscher Bogen (spr. dehwi-), Davyscher Lichtbogen, s. Bogen, elektrischer.

Davysches Element (spr. dehwi-), s. Galvanisches Element.

Davy̆um, seltenes Metall der Platingruppe, dessen Existenz noch zweifelhaft ist.

Dawdon (spr. dahd’n), Stadt in Durham, s. Seaham Harbour.

Dawes (spr. dahs), Sophie, später Baronin Feuchères, die Geliebte des Prinzen Ludwig Heinrich Joseph von Condé (s. d.).

Dawĭson, Bogumil, Schauspieler, geb. 15. Mai 1818 zu Warschau als Sohn israel. Eltern, besuchte die Theaterschule zu Warschau, debütierte 1837 auf dem dortigen poln. Theater und zog mit dem Direktor einer poln. Truppe nach Wilna, wo er 2 Jahre lang erste Rollen aus den verschiedensten Fächern spielte. Von hier kam er an das Theater zu Lemberg. Sein Studium der deutschen Litteratur hatte ihm inzwischen eine geistig reichere Welt eröffnet; er faßte den Entschluß, deutscher Schauspieler zu werden, und machte eine Studienreise nach Berlin, Dresden, München und Paris. Am 9. Aug. 1841 trat er zum erstenmal in Bauernfelds Lustspiel «Das letzte Abenteuer» auf der deutschen Bühne in Lemberg auf. D. spielte dann, ohne der poln. Bühne untreu zu werden, Laubes Monaldeschi, den Ferdinand in «Kabale und Liebe» und andere Hauptrollen deutscher Dramen. 1847 erhielt er eine Stellung am Hamburger Thaliatheater. Einem Rufe Holbeins an das Wiener Burgtheater folgend, betrat er 17. Okt. 1849 zum erstenmal die dortige Bühne, auf der er namentlich in Shakespeareschen Dramen, als Antonius in «Julius Cäsar», als Hamlet und Richard Ⅲ. höhern Aufgaben würdig und erfolgreich nachstrebte. Am 5. Juli 1852 begann seine Thätigkeit am Dresdener Hoftheater; hier blieb er, abgesehen von zahlreichen Gastspielen, die ihn namentlich 1853 nach München, 1855 und 1856 nach Berlin führten, bis 1864, sein klassisches Repertoire vervollständigend und auch die Werke neuerer Dichter: Laubes, Gutzkows, Gottschalls, Brachvogels u.s.w. durch geniales Spiel der Hauptrollen auf der Bühne einbürgernd. D. gab 1864 sein Engagement in Dresden auf, unternahm eine längere Gastspielreise, wurde aber 1869 geisteskrank und blieb dies bis zu seinem 1. Febr. 1872 zu Dresden erfolgten Tode.

Dawk-Bungalow (spr. dahk bönggĕlo), in Indien Rasthaus für Reisende, s. Bungalow.

Dawley (spr. dahlĭ), D. Magna, Stadt in der engl. Grafschaft Shrop, 7 km im W. von Shiffnal, an einem Kanal, hat (1891) 6996 E. (gegen 9200 in 1881), Eisenwerke, Kalk- und Ziegelbrennereien.

Dawlish (spr. dahlisch), Dorf und Seebad an der Küste der engl. Grafschaft Devon, südlich von Exeter, in einem kleinen Thale am Fuße des Great Haldon in geschützter Lage, mit mildem, gleichmäßigem Klima und einer zum Baden vorzüglich geeigneten Düne, hat (1891) 4210 E. Die roten Felsmassen von Süddevonshire bilden im vordringenden Meere stark zerklüftete, malerische Gruppen.

Dawydów, Denis Wasiljewitsch, russ. Kriegsschriststeller und Dichter, geb. 7. Aug. (27. Juli) 1784 zu Moskau, nahm teil an den russ. Feldzügen in Deutschland, in der Moldau und Schweden; 1812 befehligte er rühmlich ein Partisanregiment, 1814 ein Husarenregiment unter Blücher. Nach dem Kriege lebte er als General in Moskau, nahm 1827 an dem pers. und 1831 an dem poln. Feldzuge teil und starb 20. (8.) Mai 1839 auf seinem Gute bei Moskau. Er schrieb: «Versuch einer Theorie des Parteigängerkriegs» (russisch, Mosk. 1821; französisch von de Polignac, Par. 1841), «Gedichte» (Mosk. 1832) u. a. Seine «Schriften» (3 Bde.) erschienen 1840 in Petersburg und seine «Memoiren» in der histor. Zeitschrift «Russkaja Starina» (1872, Bd. 4 u. 5).

Dax. 1) Arrondissement im franz. Depart. Landes, hat 2291,32 qkm, (1891) 108801 E., 107 Gemeinden und zerfällt in die 8 Kantone Castets (610,13 qkm, 11435 E.), D. (358,28 qkm, 26789 E.),