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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Degen (schwarzer) - Degenfeld
von Haudegen (Pallasch). Die Offiziere der Fuß-
truppen des deutschen Heers tragen seit 1888 einen
D. mit starker Klinge und breitem Gesäß in Stahl-
scheide; die gesamte deutsche Kavallerie hat neuer-
dings einen ähnlich geformten leichten geraden Stich-
degen erhalten, der mit der Scheide 1400 F wiegt.
Degen, schwarzer, soviel wie Birkenteer.
Degenbajonett, Waffe zum Aufpflanzen auf
das Gewehr, 1874-88 bei der franz. Infanterie im
Degenbrecher, f. Tartfche. sGebrauch.
Degeneration (lat.), Entartung, f. Atrophie;
degenerieren, entarten, ausarten.
De Geneftet, niederländ. Dichter, s. Genestet.
Degenfeld, altes Adelsgeschlecht, das aus dem
Aargau in der Schweiz stammt, bn seiner Übersiede-
lung nach Schwaben um 1280 schloß und Herr-
schaft D. an der Lauter, unweit Schwäbi^ch-Gmünd,
gründete und feine ununterbrochene l^tammreihe
mit Konradin von D. beginnt, der 1360 starb. Durch
die Brüder Hans Christoph und Konrad von D.
zerfiel das Geschlecht in zwei Linien, die noch gegen-
wärtig blühen. Konrad, erstochen 1600 in einem
Zweikampfe, gründete durch seinen Sohn Chri-
stoph Martin von D. (geb. 1599 auf der Stamm-
burg Eybach im Württembergischen) die nachher
reichsgräfl. Linie. Letzterer kämpfte im Dreißig-
jährigen Kriege unter Wallenstein und Tilly, wurde
1622 bei Höchst Oberstwachtmeister, focht dann in den
Niederlanden unter ^pinola vor Bergen op Zoom
lmd bei Lutter am Varenberge 1626, hierauf unter
Gustav Adolf, dem er 1632 zwei Reiterregimenter
zuführte, bei Nürnberg und Lützen. Nach der Schlacht
bei Nördlingen trat er in franz. Dienste und wurde
zum Generalobersten der ausländischen Reiterei er-
nannt. Seit 1642 im Dienste der Republik Vene-
dig, stritt er hier als General der Kavallerie gegen
Papst Urban VIII. und die Türken, wurde 1645
Generalgouverneur von Dalmatien und zog sich
1649 auf seiue Güter in Schwaben zurück, wo er
13. Okt. 1653 zu Dürnau starb. Er war 1625 mit
seinem Bruder und seinem Vetter in den Reichs-
freiberrenstand erhoben worden. - Vgl. Thürheim,
Christoph Martin Freiherr von D., General der
Venetianer, und dessen Söhne (Wien 1881).
Seine Tochter, Maria Susanna Loysa,
Fr eiin von D., geb. 1636, kam 1650 an den Hof
des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und
ward Hoffräulein bei dessen Gemahlin Charlotte
von Hessen-Cassel. Durch deren kaltes, stolzes Be-
nehmen zurückgestoßen, wandte der Kurfürst seine
Liebe der Loysa von D. zu, trennte sich schließlich
von seiner Gemahlin und ließ sich 15. April 1657
die Freiin öffentlich an die linke Hand antrauen.
Später erhielt sie und ihre Kinder mit Zustimmung
aller Agnaten und kaiserl. Bestätigung den Titel einer
"Raugräfin" durch kaiferl. Diplom vom 11. März
1672. Sie starb 18. März 1677. - Vgl. Lipowfky,
Karl Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, und Marie
Susanue Louife, Raugräfin von D. (Sulzb. 1825);
Fredegunde, oder Denkwürdigkeiten zur geheimen
Geschichte des hannöv. Hofs (Berl. 1825).
Hannibal, Freiherr von D., Sohn des Frei-
herrn Christoph Martin, venet. Generalfeldmar-
schall, geb. 1648, kämpfte im Heere Joh. Georgs III.
von Sachsen gegen die Türken, diente 1671 unter
Graf Waidcck, dann in Holland, 1675 in Dänemark
und trat 1681 als Feldmarschalllieutenant in bayr.
Dienste, kämpfte von 1685 ab für die Republik
Venedig, schlug in Morea den Kapudan Pascha und
starb 18. Okt. 1691 auf einem Kriegszuge gegen
die Türken in Nauplia.
Christoph Martin, Graf von Degenfeld-
Schonburg (auch Schomberg), Enkel des Freiherrn
Christoph Martin von D., geb. 26. April 1689, diente
Braunschweig, dem Kaiser, Pfalzbayern und Preu-
ßen, zeichnete sich im Spanischen Erbfolgekriege aus,
wurde mehrfach mit wichtigen Gefandtfchaften be-
, traut und war zuletzt preuß. Geh. Etats- und Kriegs-
minister, General der Kavallerie u. s. w. Er wurde
13. April 1716 in den Reichsgrafenstand erhoben,
vermählte sich 1717 mit der Erbtochter des Herzogs
von Schonburg und nahm dessen Namen an. Er
starb 10. Aug. 1762 zu Frankfurt a. M.
AugustFranz Johann Chr ist oph,Grafvon
Degenfeld-Schonburg, Urenkel des vorigen,
österr. Feldzeugmeister, geb. 10. Dez. 1798 zu Groß-
Kanischa in Ungarn, nahm am Feldzuge von 1815 als
Infanterieofstzier teil, wurde 1835 Major und war
mehrere Jahre Adjutant beim Generalkommando
in Böhmen: 1848 führte er als Generalmajor eine
Brigade und nahm 1849 wirtsamen Anteil an der
Schlacht bci Novara. Zum Feldmarschalllieutenant
im Okt. 1849 befördert, wurde er zuerst Vicegouver-
neur von Mainz, 1850 Sektionschef im Kriegs-
ministerium, 1852 zur Dienstleistung beim Kaiser
Franz Joseph kommandiert, 1855 Kommandant des
8. Armeekorps. Im Kriege von 1859 erhielt er als
kommandierender General das Oberkommando im
Küstenlande: im Okt. 1860 wurde D. zum Kriegs-
minister und Feldzeugmeister ernannt, legte aber
1864 wegen Kränllichkeit sein Portefeuille nieder;
1866 trat er vorübergehend wieder in aktiven Dienst
und vereinbarte auch 26. Juli 1866 die Waffen-
stillstandskonvention zu Nikolsburg. D. starb 5. Dez.
1876 in Altmünster bei Gmunden.
Sein Sohn, Graf Christoph v on Degenfeld-
Schon bürg, geb. 3. Mai 1831 in Mainz, trat als
General der Kavallerie 1889 in den Ruhestand.
Degenfeld, Alfred Ludw., Freiherr von, Ge-
neral, geb. 9. Febr. 1816 zu Gernsbach in Baden,
trat 1833 in das 3. bad. Infanterieregiment und
wurde 1836 Offizier, 1865 Oberst und Regiments-
commandeur. 1866 nahm D. an den Gefechten von
Hunddeim, Werbach und Gerchsheim teil, wurde 1868
zum Generalmajor und Commandeur der 2. In-
fanteriebrigade befördert und führte diefe im Deutsch-
Französischen Kriege vom 16. Aug. bis 27. Sept. 1870
vor Straßburg. Am 1. Okt. 1870 wurde D. nach
dem westl. AbHange der Vogesen entsendet, um die
i sich dort sammelnden Freischaren zu zerstreuen; er
! trieb in den Gefechten bei Raon l'Etape und Nom-
> patelize größere Abteilungen Francs-Tireurs aus-
! einander, vereinigte sich bei St. Die mit der Haupt-
masse des neugebildeten 14. Armeekorps unter Gene-
ral von Werder, schlug 22. Okt. bei Etuz am Oignon
die Division des Generals Cambriels, 26. Okt.
bei Pasques unweit Dijon die Garibaldianer und,
vereint mit der Brigade des Prinzen Wilhelm von
Baden, bei Nuits die Division des Generals Cremer.
In der Schlacht an der Lisaine befehligte D. 15. bis
17. Jan. 1871 den rechten Flügel der deutschen Stel-
lung, verteidigte Villerserel, mußte 16. Jan. vor
überlegenen Massen, die seinen rechten Flügel um-
faßt hatten, zwar Cbenebier räumen, nahm jedoch
am folgenden Tage die verlorene Stellung wieder
ein. Am 1. Juli 1871 trat D. als Commandeur
der 56. Infanteriebrigade in den Verband der preuß.
Armee, schied jedoch 18. Okt. 1871 mit dem Charakter